Skurriler Versprecher inklusive

Edmund Stoiber redet sich bei Markus Lanz in Rage - dann greift er die SPD an

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In Rage: Edmund Stoiber am Mittwochabend bei „Markus Lanz“
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Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber hat wieder einmal im TV die aktuelle Politik analysiert - und in einer kleinen Wutrede bei Markus Lanz eine steile These zur Misere der SPD aufgestellt.

Mainz/München - Lange war es ruhig um den früheren Kanzlerkandidaten und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Seit dem Wahlkampf-Schlussspurt vor der Bayern-Wahl mischt der CSU-Altmeister aber wieder kräftig mit - und hält auch mit gewöhnungsbedürftigen Thesen nicht hinter dem Berg.

Vor zwei Wochen erklärte Stoiber in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, letztlich seien es die Zuwanderer aus anderen Teilen Deutschlands, die schwache Wahlergebnisse der CSU mit verursachten. Am Mittwochabend hat der 77-Jährige nachgelegt - und in der ZDF-Talkshow „Markus Lanz“ die Krise der anderen großen (Ex-)Volkspartei, der SPD, indirekt ebenfalls mit dem Einfluss von Migration auf das Land begründet.

„Markus Lanz“: Stoiber redet sich während der Sendung in Rage

Stoiber redete sich beim Thema Europa regelrecht in Rage. Und konstatierte: Die Sozialdemokraten seien „im Grunde genommen fast zerbrochen“, weil sie sich in der Flüchtlingspolitik für eine „Grüne Politik mit offenen Herzen“ ausgesprochen hatten. Aus diesem Grunde habe die Partei ihre Basis verloren, erläuterte Stoiber seine Sicht der Dinge. „Die Menschen sind woanders hingewendet, oder: hingewandert“, betonte die CSU-Größe sichtlich erregt.

Kritischer Blick: Markus Lanz beobachtet Edmund Stoiber

Dass die Grünen - die bei der Landtagswahl mit 17,5 Prozent annähernd doppelt so stark wie die SPD abschnitten - derartige Schwierigkeiten nicht haben, erklärte Stoiber mit der Homogenität der Wählerschaft der Partei. Es handle sich um ein Problem von Parteien mit „Wählern aus allen Schichten“, meinte er.

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„Wenn du eine Volkspartei bist, dann musst du alles aufnehmen, was in der Bevölkerung diskutiert wird“, sagte Stoiber weiter. Das Thema Migration sei gerade „bei den weniger gut ausgebildeten Menschen“ anders aufgenommen worden als in den Medien. Dass sich die AfD als eine Partei der kleinen Leute geriere, sei „bedrückend“ für ihn, betonte der CSU-Ehrenvorsitzende.

Zahlen zur Landtagswahl lassen Stoibers These gewagt erscheinen

Frisch veröffentlichte Zahlen zu den Wählerwanderungen bei der bayerischen Landtagswahl lassen gleichwohl spürbare Zweifel an Stoibers These zu. So sind laut einer Studie der Unis Regensburg, Passau und München bei der Landtagswahl 2018 im Vergleich zur Wahl 2013 zwar rund 52.000 Menschen von der SPD zur AfD gewechselt - aber etwa die fünffache Menge, circa 256.000 Wähler, von den Sozialdemokraten zu den Grünen.

Auch für die Bundestagswahl 2017 zeigte ein von der Tagesschau veröffentlichtes Wählerströme-Modell des Instituts infratest dimap ein ähnliches Bild: 510.000 Wähler sahen die Demoskopen von der SPD Richtung AfD abwandern, zugleich aber knapp 1,5 Millionen zu Grünen und Linken. Wesentlich größere Mengen an Wechselwählern zogen bei beiden Wahlen den Erhebungen zufolge von CDU und CSU in Richtung AfD.

Stoiber bei „Markus Lanz“ unter Druck: Ist CSU auf Orbáns Seite?

Unter Druck geriet Stoiber in der Runde bei „Markus Lanz“ auch mit der Behauptung, Hauptgrund für seinen Ärger sei das Erstarken eines Populismus, der Europa gefährde. Den Einwurf des Journalisten Walter Wüllenweber, die CSU stehe seinem Eindruck nach auf der Seite des ungarischen Populisten Viktor Orbán, wies Stoiber zwar vehement, aber ohne weitere Argumente zurück: „Das stimmt doch nicht“, sagte Stoiber und winkte ab. 

Die CSU hatte Orbán Anfang 2018 zum wiederholten Male eingeladen - damals zur Klausurtagung der Bundestagsfraktion im Kloster Seeon.

Horst Seehofer Arm in Arm mit Viktor Orbán - hier 2016 bei einem Festakt zum ungarischen Nationalfeiertag im Bayerischen Landtag

Seinen obligatorischen Versprecher lieferte Stoiber in der ZDF-Sendung übrigens auch noch ab. Er forderte den gebürtigen Südtiroler Lanz auf, zur politischen Lage im rechtspopulistisch regierten Italien Stellung zu beziehen - und betonte, Lanz müsse angesichts der Situation doch eigentlich „in Schutt und Asche gehen“. Gemeint war offenbar die alte Redewendung „in Sack und Asche gehen“.

Wie geht es nach den Landtagswahlen bei der CSU weiter? Alle Neuigkeiten über die Personaldebatten bei Christsozialen finden Sie in unserem News-Ticker.

fn

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