Nach Pressekonferenz

Ein „Lakai Russlands“? Internationale Presse rügt Hitzkopf Trump

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Donald Trump und die Medien: Ein schwieriges Verhältnis.

New York - Donald Trump ist vor die Presse getreten - erstmals als gewählter Präsident der Vereinigten Staaten. Den Wahlkämpfer konnte er nicht ablegen.

Eine gute Woche vor Beginn seiner Präsidentschaft hat Donald Trump sein Regierungsprogramm vorgestellt - zumindest in Umrissen. Zugleich lieferte sich der Milliardär während einer Pressekonferenz Wortgefechte mit Journalisten. Die internationale Presse kommentiert den hitzigen Auftritt überwiegend kritisch.

„El País“ aus Spanien bilanziert, Trumps düstere Drohungen etwa gegen die ins Ausland abgewanderte US-Pharmaindustrie passten eher zum Drehbuch eines Mafiafilms als zu einer Präsidentenrede. „Je näher Trump dem Weißen Haus kommt, desto berechtigter wird die Sorge über die Zukunft“, warnt die Zeitung.

Zum Verdacht, Trump sei durch den Kreml erpressbar, meint die „Neue Zürcher Zeitung“: „Amerikas Demokratie ist herausgefordert, aber zweifellos stark genug, um diese Krise zu meistern.“ Innerhalb der republikanischen Kongressmehrheit trenne sich schon die Spreu vom Weizen: „Die Kriecher und Schmeichler, die Trump zuliebe über die Russland-Gefahr hinwegsehen wollen, und umgekehrt jene, die den Blick für übergeordnete Interessen nicht verloren haben.“ Nun müsse der Kongress eine eigene Untersuchung zu Vorwürfen einleiten, Russland habe kompromittierende Informationen über Trump in der Hinterhand.

„De Telegraaf“ aus den Niederlanden gibt zu bedenken, für den obskuren Bericht über Trumps angebliche Verfehlungen gebe es nicht den geringsten Beweis. Aber über die genaue Rolle Russlands müsse schnellstens Klarheit geschaffen werden. Westliche Geheimdienste gingen nun davon aus, „dass Moskau es auch auf die Destabilisierung und Störung von Wahlen in anderen Ländern, darunter auch den Niederlanden, abgesehen hat“.

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„Aftenposten“ aus Oslo kann sich eine gewisse Häme nicht verkneifen: „Trump hat im ganzen Wahlkampf in einer Tour gelogen. Jetzt muss er seine eigene Medizin schlucken.“

Der französische „Figaro“ bilanziert, die Ära Trump beginne mit einem Gewitter. „Die vom künftigen Präsidenten gewünschte Annäherung mit Russland verkompliziert sich. Er läuft Gefahr, ständig als Lakai Putins behandelt zu werden.“

Der „Kommersant“ aus Moskau macht sich vor allem Sorgen über neue Forderungen republikanischer Senatoren nach weiteren Russland-Sanktionen. Dies enge Trumps Spielraum ein und mache ein Auskommen miteinender fast unmöglich, schreibt das Blatt. In den Überlegungen werde „Russland den Platz des Irans zugewiesen wird“.

Der „Guardian“ urteilt, Trumps Präsidentschaft liege schon in Scherben, obwohl sie noch nicht einmal begonnen habe. Wenn die Pressekonferenz sein Drehbuch für das Management künftiger Krisen sei, könnten sich seine politischen Gegner „zurücklehnen und die Show genießen“. „Wie ein Hund, der zu seinem Erbrochenen zurückkehrt, kann dieser Präsident nicht aus seiner Haut. Lasst die Verrücktheiten beginnen.“

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Trump hatte überraschend die Wahl am 8. November gegen seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton gewonnen und wird am 20. Januar als 45. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einziehen. Er folgt Barack Obama nach, der sich am Dienstagabend mit einer emotionalen Rede nach acht Jahren im Weißen Haus verabschiedet hatte. „Es war die größte Ehre meines Lebens, euch zu dienen“, sagte er vor Tausenden Zuhörern in Chicago.

Bilder: Obamas Abschiedsrede in Chicago

Konkrete Ansagen? Was Trump in der Pressekonferenz gesagt hat

Donald Trumps Aussagen sind oft nicht leicht zu überprüfen, und ohne Kontext sind sie manchmal schwer verständlich. Oft sind sie widersprüchlich oder mindestens unvollständig. Einige Beispiele anhand zentraler Themen aus Trumps New Yorker Pressekonferenz:

RUSSLAND I: Ja, er sehe Russland hinter den Hackerangriffen während des Präsidentschaftswahlkampfes. - Aber auch von anderen Ländern gebe es Hackerangriffe auf die USA.

RUSSLAND II: Nein, er habe keine Geschäfte in Russland, und auch keine Schulden. - Das könnte zwar ein Blick in seine Steuererklärung beweisen, deren Vorlage er aber weiter verweigert.

STEUERERKLÄRUNG: Niemand außer Reportern interessiere sich dafür. - Aber 60 Prozent der Amerikaner sehen das anders, und fast alle bisherigen Präsidenten der jüngeren Vergangenheit haben sie schon als Kandidaten offengelegt.

FIRMENIMPERIUM: Er wolle sich aus dem Management seiner Firmen herausziehen, die Macht seinen Söhnen übertragen. - Was genau das sicherstellen soll, blieb offen. Prompt reagierte das überparteiliche „Office of Government Ethics“: die Erklärung sei „bedeutungslos“ und weit unterhalb üblicher Standards.

OBAMACARE: Er wolle das Gesetz aufheben und durch ein neues System ersetzen. - Aber wann, wie und womit, sagte er nicht.

MAUER ZU MEXIKO: Sie war ein zentrales Wahlversprechen, und Mexiko werde auch noch dafür bezahlen. - Nun heißt es nur noch, Mexiko werde auf die eine oder andere Weise für die Kosten aufkommen.

PRESSEKONFERENZEN: Sie seien ihm vertraut, er gebe sie ja ständig. - Nun war er praktisch täglich im Fernsehen, gab seine letzte Pressekonferenz aber am 27. Juli 2016.

FAKE NEWS: So bezeichnete Trump die Berichte von CNN und Buzzfeed über angebliches russisches Material, das ihn erpressbar mache. Falsche Informationen dürften nie an die Öffentlichkeit gelangen. - Das sagte der Mann, der unter anderem führender Vertreter der „Birther“-Theorie war, wonach Barack Obama nicht in den USA geboren sei.

dpa

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