Türkei: Einsatz von Sarin bestätigt

Giftgas-Angriffe in Syrien: Putin vermutet Inszenierung

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Ein Opfer des Giftgasangriffs in Chan Scheichun wird zur Behandlung getragen. 

Istanbul - Bei dem tödlichen Angriff im syrischen Chan Scheichun ist nach Angaben der Türkei tatsächlich das Nervengas Sarin eingesetzt worden. Putin hingegen wittert ein Komplott gegen Assad und warnt. 

Eine Analyse von Blut- und Urinproben von Opfern, die nach dem Angriff an vergangenen Dienstag in die Türkei gebracht worden waren, habe bestätigt, dass Sarin-Gas eingesetzt worden sei, sagte der türkische Gesundheitsminister Recep Akdag am Dienstag laut der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Bei dem Angriff in der Kleinstadt in der nordwestlichen Provinz Idlib waren am 4. April 87 Menschen getötet worden. Rund 30 Verletzte waren in die Türkei gebracht worden, von denen drei starben. Die Türkei macht ebenso wie die USA und andere westliche Staaten den syrischen Machthaber Baschar al-Assad für den Angriff verantwortlich. Die Regierung in Damaskus und Russland dagegen geben den Rebellen die Schuld. Demnach wurde bei dem Luftangriff ein Lager der Aufständischen mit Giftgas getroffen.

In Vergeltung für den mutmaßlichen Giftgasangriff ordnete US-Präsident Donald Trump in der Nacht zu Freitag einen Luftangriff auf den syrischen Militärflughafen an, von dem der Angriff geflogen worden war. Während die meisten westlichen Staaten ebenso wie die Türkei und die syrische Opposition den US-Vergeltungsschlag begrüßten, wurde er von Syrien und seinen Verbündeten Russland und dem Iran scharf verurteilt.

Putin warnt vor künftigen "Provokationen" mit chemischen Waffen in Syrien

Der russische Präsident Wladimir Putin warnte vor künftigen "Provokationen" mit chemischen Waffen in Syrien. Moskau lägen Informationen vor, wonach unter anderem südlich von Damaskus "Substanzen verstreut werden sollen, um den syrischen Behörden vorzuwerfen, sie hätten dies getan", sagte Putin am Dienstag in Moskau nach einem Treffen mit Italiens Präsident Sergio Mattarella. Dafür gebe es "diverse Quellen", sagte Putin, ohne nähere Angaben zum Adressaten seiner Warnung zu machen.

Der russische Präsident, der wichtigste Verbündete von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, schien mit seinen Äußerungen zu unterstellen, dass Assad auch nicht für die mutmaßliche Giftgasattacke vom Dienstag vor einer Woche in Chan Scheichun verantwortlich war.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte kurz nach der Äußerung Putins, es liege nicht im Interesse der Regierung Assad, Chemiewaffen einzusetzen. Zudem verfüge die syrische Armee gar nicht mehr über solche Waffen. 

Russland will nun eine offizielle Untersuchung der Vereinten Nationen in Den Haag zum mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien. „Wir gehen davon aus, dass derartiges Vorgehen offiziell geklärt werden soll“, sagte Putin der Agentur Interfax zufolge am Dienstag in Moskau.

US-Regierung: Moskau will Hintergründe von Giftgaseinsatz vertuschen

Moskau verbreite gezielt Desinformationen, um den Angriff zu vertuschen, sagte ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, am Dienstag in Washington. Er forderte den Kreml dazu auf, das zu stoppen. Man untersuche weiterhin, ob Russland vorab von dem Vorfall wusste.

Kurz nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff hatte Moskau erklärt, bei Angriffen in Chan Scheichun sei ein Lager der Rebellen mit Chemiewaffen getroffen worden. Dieser Darstellung widersprechen die USA. Sie sagen, dass eine Straße getroffen worden sei. Das belegten Aufnahmen des Ortes, auf denen ein Krater zu sehen seien. Der Islamische Staat oder andere Gruppen hätten keine Bestände des Nervengiftes.

Währenddessen hat der Westen vor dem Antrittsbesuch von US-Außenminister Rex Tillerson in Moskau die russische Regierung zur Abkehr von ihrem Verbündeten Baschar al-Assad in Syrien gedrängt.

afp

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