„Bei uns seid ihr willkommen“

Nach US-Klima-Exit: So schlau provoziert Macron Trump

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Emmanuel Macron hat eine schlaue Botschaft an die gut ausgebildeten US-Amerikaner. 

Donald Trump verkündet den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen und verärgert damit die Europäer. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kontert auf eigene Weise - und das sehr clever. 

  •  Donald Trump lässt mit der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen die ganze Welt hinter sich. Es ist seine bislang folgenschwerste Entscheidung.
  • Die Europäer haben bereits kundgetan, dass eine Neu-Verhandlung nicht zur Debatte steht.
  • Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat ein spezielles Angebot an die Amerikaner.

Update vom 13. Juli 2017: Der deutsch-französische Ministerrat soll die Zusammenarbeit der beiden Länder vorantreiben. Alle Informationen im News-Ticker zum Treffen zwischen Kanzlerin Merkel und Präsident Macron.

Paris - Bei aller Düsternis nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen sorgt Frankreich für einen Lichtblick. Präsident Macron sammelt Sympathien für seinen Umgang mit Trumps Alleingang. Der US-Präsident habe einen „Fehler für die Zukunft unseres Planeten“ begangen, sagte Macron am Donnerstagabend in einer Fernsehansprache. „Ich sage Ihnen heute Abend mit viel Kraft: Wir werden keinen weniger ehrgeizigen Vertrag neuverhandeln. In keinem Fall.“

„Beim Klima gibt es keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt“, sagte Macron. „Deshalb ja, wir werden weitermachen.“ Er habe in einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel vereinbart, in den kommenden Tagen gemeinsame Initiativen zu ergreifen.

Macron lädt US-Wissenschaftler nach Frankreich ein - wo sie „willkommen“ sind

Macron lud amerikanische Wissenschaftler und Unternehmer ein, die von Trumps Entscheidung enttäuscht sind, nach Frankreich zu kommen, um gemeinsam an Lösungen für das Klima zu arbeiten. „Sie werden in Frankreich ein zweites Vaterland finden“, sagte er. „Heute Abend haben die Vereinigten Staaten der Welt den Rücken zugekehrt. Aber Frankreich wird den Amerikanern nicht den Rücken kehren.“ Macron sprach zunächst auf Französisch und anschließend auf Englisch - was für einen französischen Präsidenten auch ein klares Symbol ist. 

Macron macht das sehr schlau. Er hat bereits im Februar ein Facebook-taugliches Video produziert, in dem er ganz deutlich amerikanische Klima-Wissenschaftler anspricht. Es sieht beinahe wie ein PR-Film zur Anwerbung vom Fachkräften aus. „Please, come to France, you are welcome“, sagt er und eine Bauchbinde macht es auch für alle Smartphone-Nutzer ohne Kopfhörer deutlich.

Das Video ist längst viral gegangen, hat bereits knapp 25 Millionen Aufrufe (Stand: 2. Juni) und wird von der Internet-Gemeinde ziemlich gefeiert. Ganz klar: Macron ist ein Sympathieträger.

Und er profitiert nicht nur hinsichtlich seines Images. Wenn er Top-Kräfte aus den USA abzieht, wo die Eliten sich auch deutlich gegen Trump aussprechen, profitiert die französische Wirtschaft. Und die amerikanische wird geschwächt.

In diesem Video hat Macron bereits vor vier Monaten Spitzenkräfte aus den USA umworben. 

Mit seinem Entschluss, das Pariser Abkommen zu canceln, hat Trump nicht nur Macron und Frankreich gegen sich aufgebracht. Alle Führungsmächte Europas bieten dem US-Präsidenten die Stirn. Auch Deutschland und Italien erteilten der vom US-Präsidenten geforderten Neuverhandlung des internationalen Regelwerks eine deutliche Absage. Sie seien der festen Überzeugung, dass das Übereinkommen nicht neu verhandelt werden könne, teilten Kanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Emmanuel Macron und der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Trump hatte zuvor den Ausstieg der weltgrößten Volkswirtschaft aus dem historischen Abkommen bekanntgegeben und dies damit begründet, amerikanische Interessen an die erste Stelle zu setzen. Man wolle nun sofort mit Verhandlungen für ein besseres Abkommen beginnen, sagte Trump.

Das ist Macrons aktuelles Video

Trump attackierte bei seiner Bekanntgabe auch die anderen Staaten

Der Republikaner verband den Rückzug mit scharfen Attacken auf andere Staaten. „Das Pariser Abkommen ist auf höchster Ebene ungerecht für die USA“, sagte er. Die Vereinbarung bedeute eine massive Umverteilung des Vermögens der Vereinigten Staaten an andere Länder.

Das jetzige Abkommen lade die Kosten bei den amerikanischen Bürgern ab, sagte Trump. Es müsse klar sein, dass ein neuer Vertrag besser für die amerikanischen Arbeiter sei. „Der Rückzug liegt im ökonomischen Interesse und wird für das Klima keine Rolle spielen.“

US-Präsident Donald Trump und Emmanuel Macron bei einem Fototermin im Rahmen des G7-Gipfels.

Der Republikaner löst damit ein zentrales Wahlkampfversprechen ein und setzt seine harte Linie unter der Devise „Amerika zuerst“ fort. Er hatte immer wieder beteuert, Arbeitsplätze in der Kohleindustrie erhalten und neue schaffen zu wollen.

Der wegen der Russland-Affäre schwer angeschlagene Präsident verspricht sich von seiner Ankündigung auch innenpolitischen Rückenwind. Man müsse den amerikanischen Arbeiter wieder in den Mittelpunkt stellen, sagte Trump. „Ich wurde gewählt, um Pittsburgh zu repräsentieren, nicht Paris.“

Es ist die bislang folgenschwerste Entscheidung Trumps

Es ist seine bislang folgenschwerste Entscheidung. Der Klimapakt von Paris sieht vor, die gefährliche Erderwärmung in einem weltweiten Kraftakt in den nächsten Jahrzehnten zu bremsen - und damit auch dramatische Folgen wie Dürren und einen Anstieg der Weltmeere. Das Abkommen gilt als historisch, weil sich erstmals fast alle Länder beteiligen wollen. Der Ausstieg der USA - weltweit nach China zweitgrößter Produzent von Treibhausgasen - ist ein schwerer Rückschlag. Das internationale Echo fiel verheerend aus.

UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete Trumps Ankündigung als „große Enttäuschung“. Der für Klimafragen zuständige EU-Kommissar Miguel Arias Cañete sprach von einem „traurigen Tag für die Weltgemeinschaft“. Macron sagte in einer Fernsehansprache: „Heute Abend haben die Vereinigten Staaten der Welt den Rücken zugekehrt.“

Merkel, Macron und Gentiloni betonten, an dem Abkommen festhalten zu wollen. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert telefonierte die Kanzlerin mit dem US-Präsidenten und drückte dabei ihr Bedauern über dessen Entscheidung aus. Auch Großbritanniens Premierministerin Theresa May und Kanadas Premier Justin Trudeau reagierten enttäuscht.

Trump sicherte Merkel sowie anderen Staats- und Regierungschefs in Telefonaten eine führende Rolle seines Landes im Umweltschutz zu. Amerika sehe sich weiter der transatlantischen Partnerschaft verpflichtet und werde unter Trumps Ägide das sauberste und umweltfreundlichste Land der Erde sein, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses.

US-Firmen-Chefs von Disney und Tesla beenden Berater-Tätigkeit

Hunderte US-Unternehmen haben in einem offenen Brief US-Präsident Donald Trump für seine Entscheidung kritisiert, sich aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzuziehen. Technologiefirmen wie Intel, Hewlett-Packard und Tesla sowie große Lebensmittelkonzerne und Kleidungsunternehmen unterzeichneten den Brief. Die Firmen unterstrichen, sie fühlten sich dem Klimaschutz weiterhin „zutiefst verpflichtet“. Ihr Ziel sei eine energieeffiziente und wenig Treibhausgase ausstoßende US-Wirtschaft.

Tesla-Chef Elon Musk: „Keine andere Wahl“.

„Kosteneffiziente und innovative Lösungen können uns dabei helfen, diese Ziele zu erreichen“, heißt es in dem Brief. „Sich vom Ziel einer emissionsarmen Wirtschaft zu verabschieden, setzt den amerikanischen Wohlstand aufs Spiel.“

Zuvor hatten der Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, Robert Iger, und Tesla-Chef Elon Musk ihre Tätigkeit als Berater Trumps beendet. „Aus Prinzip bin ich nach dem #ParisAgreement-Rückzug aus dem Beraterkreis des Präsidenten ausgeschieden“, schrieb Iger auf Twitter. Musk ließ mitteilen, er habe „keine andere Wahl“, als seine Beratertätigkeit zu beenden.

Auch Anhänger Obamas üben scharfe Kritik an Regierung

Innenpolitisch zeigte sich einmal mehr der tiefe Spalt zwischen den beiden Parteien in den USA. Trumps Republikaner begrüßten die Ankündigung fast geschlossen. Die Demokraten kritisierten sie scharf.

Auch Trumps Vorgänger Barack Obama äußerte sich deutlich. „Diese Regierung schließt sich einer kleinen Handvoll Nationen an, die die Zukunft verleugnen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Trump letztlich unterlegene Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sprach von einem „historischen Fehler“ ihres Rivalen.

Der Schauspieler und Politiker Arnold Schwarzenegger (69) rief in einem Instagram-Video zu einer Revolution an der Basis auf, „um unseren Planeten zu retten“. Man könne schon auf lokaler Ebene viele Schadstoffemissionen kontrollieren. An Trump gerichtet meinte Schwarzenegger: „Bitte, Mister Präsident: Wählen Sie die Zukunft“.

Zwar wollen neben China auch andere wichtige Länder den Vertrag weiter befolgen. Es wird aber befürchtet, dass Trumps Alleingang eine Kettenreaktion auslöst und sich auch andere der 195 Unterzeichnerstaaten vom Klimaschutz verabschieden.

kg/dpa

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