FDP-Politiker mit 89 Jahren gestorben

"Er hat Deutschlands Bild maßgeblich geprägt": Reaktionen auf Genschers Tod

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Die bundesdeutsche Politik zeigt sich erschüttert über den Tod von Hans-Dietrich Genscher.

Berlin/Bonn - Bestürzt haben Politiker aller Parteien auf den Tod des langjährigen FDP-Außenministers Hans-Dietrich Genscher reagiert. Lesen Sie die Reaktionen im Überblick.

Der langjährige Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Politiker aller Parteien reagierten bestürzt auf den Tod des FDP-Politikers. Eine Auswahl von Reaktionen:


Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Ich verneige mich in Hochachtung vor der Lebensleistung dieses großen liberalen Patrioten und Europäers.“ Merkel bleibe "persönlich für all die Gespräche und Begegnungen dankbar, bei denen ich bis in die letzten Jahre von seiner Welterfahrung und Lebensweisheit schöpfen durfte".

Bundespräsident Joachim Gauck: „Mit seiner Verlässlichkeit und seinem diplomatischen Geschick hat Hans-Dietrich Genscher unserem Land in der Welt ein Gesicht gegeben und das Vertrauen bei unseren Partnern gestärkt. Beharrlich, allgegenwärtig und mit feinem Gespür für historische Momente hat er das friedliche Zusammenwachsen unseres Landes und unseres Kontinents vorangetrieben.“


FDP-Parteivorsitzender Christian Lindner: „Seine Verdienste bleiben. Für seine liberale Partei war er ein väterlicher Freund, der uns bis zuletzt mit Rat und Tat zur Seite stand.“

Hans-Dietrich Genscher (†89): Stationen seines Lebens

21. März 1927: Hans-Dietrich Genscher wird in Reideburg/Saalkreis geboren. Nach Kriegsdienst und Ergänzungsabitur nimmt Genscher 1949 sein Jura-Studium auf.
21. März 1927: Hans-Dietrich Genscher wird in Reideburg/Saalkreis geboren. Nach Kriegsdienst und Ergänzungsabitur nimmt Genscher 1949 sein Jura-Studium auf. © dpa
1952: Eintritt in die FDP.
1952: Eintritt in die FDP. © dpa
1969: Nach der Bundestagswahl ist Genscher maßgeblich an der Bildung einer sozialliberalen Koalition beteiligt und wird im Oktober als Innenminister in das Kabinett von Willy Brandt (SPD) berufen.
1969: Nach der Bundestagswahl ist Genscher maßgeblich an der Bildung einer sozialliberalen Koalition beteiligt und wird im Oktober als Innenminister in das Kabinett von Willy Brandt (SPD) berufen. © dpa
1972: Bei der Geiselnahme jüdischer Sportler während der Olympischen Spiele in München bietet sich Genscher als Austauschgeisel an, das wird aber von den palästinensischen Terroristen abgelehnt. Den tödlichen Ausgang des Dramas sieht Genscher als persönliche Niederlage und bietet seinen Rücktritt an.
1972: Bei der Geiselnahme jüdischer Sportler während der Olympischen Spiele in München bietet sich Genscher (3. von links) als Austauschgeisel an, das wird aber von den palästinensischen Terroristen abgelehnt. Den tödlichen Ausgang des Dramas sieht Genscher als persönliche Niederlage und bietet seinen Rücktritt an. © dpa
1974: Während der Spionage-Affäre um Günter Guillaume gerät auch Genscher als oberster Dienstherr des Verfassungsschutzes unter Druck. Nach dem Rücktritt Brandts übernimmt er den Posten des Außenministers und Vizekanzlers unter Helmut Schmidt (SPD). Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab.
1974: Während der Spionage-Affäre um Günter Guillaume gerät auch Genscher als oberster Dienstherr des Verfassungsschutzes unter Druck. Nach dem Rücktritt Brandts übernimmt er den Posten des Außenministers und Vizekanzlers unter Helmut Schmidt (SPD). © dpa
Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab.
Genscher löst zudem Walter Scheel als Vorsitzenden der FDP ab. © dpa
ARCHIV - Altbundespräsident Walter Scheel (l) und der FDP-Vorsitzende Hans-Dietrich Genscher am 05.10.1980 im Thomas-Dehler-Haus in Bonn. Foto: Egon Steiner/dpa (zu dpa "Ex-Außenminister Genscher ist tot" vom 01.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Genscher 1980 mit dem Alt-Bundespräsidenten Walter Scheel. © dpa
Der damalige Außenminister Genscher 1982 mit der englischen Königin Elizabeth II.
Der damalige Außenminister Genscher 1982 mit der englischen Königin Elizabeth II. © picture alliance / dpa
1982: Austritt der FDP-Mitglieder aus dem Kabinett Schmidt. Genscher unterstützt, gegen den linksliberalen Flügel seiner Partei, Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU und setzt sich für das konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt ein.
1982: Austritt der FDP-Mitglieder aus dem Kabinett Schmidt. Genscher unterstützt, gegen den linksliberalen Flügel seiner Partei, Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU und setzt sich für das konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt ein. © dpa
Oktober 1982: Nach der Wahl von Helmut Kohl (CDU) zum Bundeskanzler behält Genscher seine bisherigen Ämter. Zu seinen Zielen zählen die Weiterführung der Entspannungspolitik und des Ost-West-Dialogs mit der sich wandelnden UdSSR sowie das Zusammenwachsen Europas.
Oktober 1982: Nach der Wahl von Helmut Kohl (CDU) zum Bundeskanzler behält Genscher seine bisherigen Ämter. Zu seinen Zielen zählen die Weiterführung der Entspannungspolitik und des Ost-West-Dialogs mit der sich wandelnden UdSSR sowie das Zusammenwachsen Europas. © dpa
1985: Wegen Kritik an seinem Führungsstil gibt Genscher sein Amt als FDP-Parteivorsitzender an Martin Bangemann ab.
1985: Wegen Kritik an seinem Führungsstil gibt Genscher sein Amt als FDP-Parteivorsitzender an Martin Bangemann ab. © dpa
30. September 1989: Auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag sagt Genscher: „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Nacht ihre Ausreise...“. Das Satzende geht im Jubel Tausender DDR-Flüchtlinge auf dem Botschaftsgelände unter. Später sieht Genscher diesen Moment als Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit.
30. September 1989: Auf dem Balkon der bundesdeutschen Botschaft in Prag sagt Genscher: „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Nacht ihre Ausreise...“. Das Satzende geht im Jubel Tausender DDR-Flüchtlinge auf dem Botschaftsgelände unter. Später sieht Genscher diesen Moment als Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit. © dpa
Juli 1990: Historisches Treffen von Kanzler Kohl und dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow im Kaukasus. Im Beisein von Genscher gelingt der Durchbruch auf dem Weg zur deutschen Einheit.
Juli 1990: Historisches Treffen von Kanzler Kohl und dem sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow im Kaukasus. Im Beisein von Genscher gelingt der Durchbruch auf dem Weg zur deutschen Einheit. © dpa
Dezember 1991: Deutschland ist Ende Dezember das erste EG-Land, das Slowenien und Kroatien - wo man Genscher als Volkshelden und „Geburtshelfer“ der Souveränität feiert - anerkennt. Kritiker werfen der Bundesrepublik vor, den Balkankonflikt damit angeheizt und das Ende Jugoslawiens besiegelt zu haben.
Dezember 1991: Deutschland ist Ende Dezember das erste EG-Land, das Slowenien und Kroatien - wo man Genscher als Volkshelden und „Geburtshelfer“ der Souveränität feiert - anerkennt. Kritiker werfen der Bundesrepublik vor, den Balkankonflikt damit angeheizt und das Ende Jugoslawiens besiegelt zu haben. © picture alliance / dpa
1992: Der Vizekanzler und dienstälteste Außenminister tritt auf eigenen Wunsch von seinen Ämtern zurück und wird zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt.
1992: Der Vizekanzler und dienstälteste Außenminister tritt auf eigenen Wunsch von seinen Ämtern zurück und wird zum Ehrenvorsitzenden der FDP ernannt. © dpa
1998: Genscher scheidet nach 33 Jahren aus dem Bundestag aus.
1998: Genscher scheidet nach 33 Jahren aus dem Bundestag aus. © dpa
Hans-Dietrich Genscher 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel.
Hans-Dietrich Genscher 2007 mit Kanzlerin Angela Merkel. © dpa
Hans-Dietrich Genscher zusammen mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, Bundespräsident Joachim Gauck und dem Ex-US-Außenminister James Baker.
Hans-Dietrich Genscher zusammen mit dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, Bundespräsident Joachim Gauck und dem Ex-US-Außenminister James Baker. © dpa
Am 1.4.2016 verstarb Hans-Dietrich Genscher an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Zusammenbruchs. Zwei Wochen vor ihm war sein FDP-Nachfolger im Amt des Außenministers, Guido Westerwelle, an den Folgen eines Krebsleidens verstorben.
Am 1.4.2016 verstarb Hans-Dietrich Genscher an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Zusammenbruchs. Zwei Wochen vor ihm war sein FDP-Nachfolger im Amt des Außenministers, Guido Westerwelle, an den Folgen eines Krebsleidens verstorben. © dpa

Philipp Rösler, ehemaliger FDP-Parteivorsitzender: „In tiefster Trauer und voll von unendlichem Respekt vor Hans-Dietrich Genschers Leistungen für Deutschland, Europa und die Welt.“

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker: „Genscher hat aufgerufen, für Europa einzutreten. Sein Vermächtnis ist Auftrag, weiter für Europas Frieden zu arbeiten.“

SPD-Vorsitzender und Vizekanzler Sigmar Gabriel: „Mit ihm verliert unser Land einen der ganz großen Liberalen, einen Anwalt der Verständigung und der steten Annäherung und eine einzigartige Persönlichkeit.“

Außenminister Franz-Walter Steinmeier (SPD): „Hans-Dietrich Genscher hat in seinem langen und bewegten Leben buchstäblich Geschichte geschrieben: die Geschichte unseres Landes, Deutschland, und Geschichte in Europa. Sein Platz in den Geschichtsbüchern ist ihm gewiss.“

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD): „Er war ein kluger und strategischer Politiker, der sich mit seinem Einsatz für die deutsche und die europäische Einigung selbst ein Denkmal gesetzt hat.“

Bundestagspräsident Norbert Lammert: „Mit Hans-Dietrich Genscher verlieren wir einen der großen Liberalen unserer Zeit, eine herausragende Persönlichkeit, die eine ganze Epoche deutscher und europäischer Geschichte entscheidend mitgestaltet hat.“

CSU-Vorsitzender Horst Seehofer: „Mit Hans-Dietrich Genscher geht einer der ganz Großen.“

CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder: „Wir sind dankbar für den Dienst, den er unserem Land erwiesen hat.“

Grünen-Parteivorsitzender Cem Özdemir: „Unser Mitgefühl gilt seinen Angehörigen. Mit H.-D. Genscher verlieren wir einen großen Staatsmann. Er stand wie Brandt für die Öffnung Deutschlands.“

CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt: „Er hat Deutschlands Bild maßgeblich geprägt. Wie kaum ein anderer verkörperte er im Kalten Krieg den Einsatz für Freiheit und Frieden.“

"Genscher formte Deutschlands Rolle in der Welt"

Grünen-Parteivorsitzende Simone Peter: „Die FDP trifft es wirklich hart in diesen Tagen. Unser Beileid und Verneigung vor einem großen Politiker, Hans-Dietrich.“

Linken-Parteivorsitzender Bernd Riexinger: „Mit Hans-Dietrich Genscher verlieren wir einen großen Staatsmann. Seine Verdienste um die Wiedervereinigung und Europa werden bleiben.“

Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD): „Genscher war ein großer deutscher Politiker, der Deutschlands Rolle in der Welt geformt und gefestigt hat. Der friedliche Ausgleich von Interessen mit den Mitteln der Diplomatie war seine Mission.“

Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm (CDU): „Er war kein Zyniker der Macht, kein Funktionär, kein Dogmatiker, sondern vom Grunde seines Herzens freundlich und zugewandt.“

Stellvertretender CDU-Vorsitzender Armin Laschet: „Ein großer Staatsmann, ein großer Liberaler, ein großer Europäer - er stand für das Beste der Bonner Republik.“

dpa/Afp

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