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Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

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Ex-Innenminister Merk wird 90

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Bruno Merk wird 90

Günzburg - Er lebt mit der Erinnerung an das Olympia-Attentat 1972. Sein Handeln im Krisenstab findet Ex-Innenminister Merk auch rückblickend richtig. Am 15. April feiert er seinen 90. Geburtstag.

Bruno Merk will loslassen. Er halte es da mit dem Rat der Alterswissenschaftler, nicht mehr zu sehr an früheren Aufgaben zu hängen, sagt der ehemalige bayerische CSU-Innenminister. Am Sonntag (15. April) wird er 90 Jahre alt. “Mit 90 ist man froh, wenn man keine Verantwortung mehr tragen muss.“ Wer Merks Vita kennt, denkt bei diesem Satz auch an das Blutbad der Olympischen Spiele vor 40 Jahren in München - wohl die schwerste Prüfung in seiner Zeit als Innenminister. Merk gehörte mit dem damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) dem Krisenstab an, dem später oft vorgeworfen wurde, mit der Situation überfordert gewesen zu sein.

Im kürzlich ausgestrahlten Fernsehfilm “München 72 - Das Attentat“ agiert der Stab erschreckend hilflos. Am 5. September 1972 stürmten bewaffnete Palästinenser ins olympische Dorf und nahmen israelische Sportler als Geiseln. Elf Athleten und ein Polizist starben beim Versuch, die Gefangenen zu befreien. Auch die Attentäter wurden getötet. Die Erinnerung daran habe ihn nie ganz losgelassen, sagt Merk. “So etwas kann man nicht einfach runterschlucken. Ich lebe damit.“ Fehler in seinem Verhalten könne er rückblickend nicht erkennen. “Ich bin überzeugt, dass wir das uns Mögliche getan haben.“

Wenn Merk von seiner politischen Laufbahn erzählt, stehen für ihn andere Themen im Vordergrund, etwa die Landkreis- und Gemeindegebietsreform, die er gegen den anfänglichen Widerstand auch von Parteifreunden durchsetzte. “Das war eine strapaziöse Aufgabe“, erinnert er sich. Die Folge sei ein Hörsturz gewesen. “Den konnte ich nicht auskurieren, wegen der Vorbereitungen für Olympia.“ Auch die Verstaatlichung der Polizei und der Aufbau eines flächendeckenden Rettungsdienstes gehen auf sein Konto. Merk galt damals als liberaler CSU-Mann, der auch Auseinandersetzungen mit Parteichef Franz Josef Strauß nicht aus dem Weg ging.

Vor einigen Jahren sei er aus der CSU ausgetreten, sagt Merk, der von 1966 an elf Jahre lang das Innenressort des Freistaats leitete. Die Landespolitik verfolgt er mit gemischten Gefühlen. Er wolle sich aber nicht mehr einmischen, auch nicht in die Bundespolitik. “Mir gefällt schon lange nicht mehr alles, was geschieht und wie es geschieht.“ Gewurmt hat ihn jüngst vor allem der beschlossene Atomausstieg. “Das kann ich mit meinem Verstand und meinen Erfahrungen, die ich gesammelt habe, nicht vereinbaren“, kritisiert er. “Ohne Kernenergie wäre Bayern heute nicht das, was es ist.“

Merk versucht, sich durch Bewegung fit zu halten. Jeden Tag gehe er zwei bis drei Stunden spazieren, erzählt der gebürtige Schwabe, der mit seiner ein Jahr jüngeren Frau in Günzburg lebt. Er fühle sich recht fit, wenn auch nicht mehr so fit wie vor fünf Jahren. “Bis 85 habe ich von Alter gar nichts gewusst - jetzt bekommt man mit jedem neuen Jahr zu spüren, dass man nicht mehr so frisch ist.“ Er höre schlecht und auch sein Gedächtnis lasse nach. “Da muss ich mich dann im Kalender vergewissern, was wann war.“

dpa

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