Wegen Stasi-Affäre

Ex-Staatssekretär Holm verliert Uni-Posten

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Studenten der Humboldt-Universität halten Plakate hoch, auf denen sie gegen die Kündigung Holms protestieren. 

Berlin - Die Stasi-Affäre hat für Andrej Holm weitere Konsequenzen: Nach dem Staatssekretärs-Posten in Berlin verliert er auch den Job an der Humboldt-Universität. Er habe seinen Arbeitgeber „arglistig“ getäuscht, befand die Uni.

Nach Rücktritt von Staatssekretär Andrej Holm

Der wegen einer Stasi-Affäre nach nur fünf Wochen zurückgetretene Berliner Staatssekretär Andrej Holm ist auch seine Uni-Stelle los. Das Arbeitsverhältnis an der Humboldt-Universität werde „ordentlich gekündigt“, gab Präsidentin Sabine Kunst am Mittwoch unter lautstarkem Protest von Studenten bekannt. Der 46-jährige Stadtsoziologe habe die Hochschule hinsichtlich seiner Biografie getäuscht - und dies auch nachträglich nicht eingeräumt.

Holm, der wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität war, hatte 2005 in einem Personalfragebogen verneint, hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein, und lediglich auf seinen Wehrdienst verwiesen. Die falsche Angaben begründete er nach seiner Ernennung zum Bau-Staatssekretär im Dezember mit Erinnerungslücken.

Der Vorgang hatte wochenlangen Streit im rot-rot-grünen Bündnis zur Folge. Der mündete schließlich am Wochenende in einen handfesten Koalitionskrach, weil Regierungschef Michael Müller (SPD) Holms Entlassung ankündigte. Die Linke, die den parteilosen Wissenschaftler in den Senat entsandt hatte, war empört. Holm trat schließlich am Montag zurück.

Als Konsequenz wollen die Koalitionäre künftig intensiver miteinander sprechen. SPD, Linke und Grüne hätten verabredet, „besser miteinander zu kommunizieren“ sagte Regierungschef Michael Müller (SPD) am Mittwoch nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses. Ziel sei, Konflikte frühzeitig auszuräumen. „Das hätten wir besser machen sollen in der zurückliegenden Zeit.“

Ähnlich äußerten sich die Linken-Vorsitzende Katina Schubert und Grünen-Chefin Nina Stahr. „Wir müssen uns gegenseitig schneller und früher informieren“, erklärte Schubert. Stahr betonte: „Es ist wirklich Zeit für diese Stadt, dass wir endlich die inhaltliche Arbeit fortsetzen und vorantreiben, und das wollen wir jetzt tun.“

HU-Präsidentin Kunst sagte, Holms Entlassung sei ein „Verlust für die Humboldt-Universität, weil sie einen anerkannten Stadtsoziologen mit großem wissenschaftlichen Renommee verliert“. Die Kündigung beruhe ausdrücklich nicht auf Holms kurzer Tätigkeit für die Stasi in der Wendezeit. Vielmehr habe er zu verschleiern versucht, dass er Offiziersschüler war. „Dies ist arbeitsrechtlich eine arglistige Täuschung.“ Das Arbeitsverhältnis endet am 30. Juni.

dpa

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