„Raketensysteme nicht nötig“

Experte behauptet: Nordkorea könnte mit Atombombe weltweit zuschlagen

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Kim Jong Un begutachtet sein Militär

Canberra - Mit Raketentests und Säbelrasseln beunruhigt Kim Jong Un die USA. Australische Analysten warnen nun: Für Atomangriffe in aller Welt braucht Nordkorea keine Raketen.

Momentan rangiert er in der westlichen Welt in der Liste der meistgefürchteten Polit-Schurken wieder ganz oben: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un. Das mag auch mit der Aufmerksamkeit zu tun haben, die US-Präsident Donald Trump dem Führer der Partei der Arbeit Koreas widmet - aber nicht nur. 

Denn Nordkorea arbeitete zuletzt mit Hochdruck - wenn auch anscheinend erfolglos - an neuen Raketensystemen. Und auch Atomtests will das Land offenbar wieder forcieren: Fünf solcher Tests hat Nordkorea nach eigenen Angaben seit 2006 durchgeführt. Am Montag drohte Pjöngjang, "zu jeder Zeit und an jedem Ort" zu einem neuen Atomtest bereit zu sein. Als jüngst US-Bomber Südkorea überflogen, hieß es aus dem Norden, die Aktion bringe die Halbinsel „näher an den Rand eines Atomkriegs“ - nicht das erste Säbelrasseln Kim Jong Uns.

Da passt es auf eher makabere Weise außerordentlich gut, dass eine australische Denkfabrik ausgerechnet am Dienstag warnte: Die Option Atomschlag könne für Nordkorea wesentlich greifbarer sein, als bisher angenommen. 

Container statt Raketen als „Trägersystem“?

„Nordkorea hat bereits ein System, um Atomwaffen überall in der Welt an ihr Ziel zu bringen - es handelt sich dabei nur nicht um Raketentechnologie“, schreibt der Experte Chris Douglas auf der Homepage des staatlich finanzierten „Australian Strategic Policy Institute“. Das Mittel der Wahl könnten stattdessen ganz gewöhnliche Transport-Container sein, erklärt er.

Für ein Land, das seit Jahren Wirtschaftsembargos umgehe, sollte es machbar sein, Container auf Schiffe zu schmuggeln und in befreundeten oder korrupten Ländern umdeklarieren zu lassen, meint Douglas. Auf diese Weise könnten Atomsprengköpfe in Häfen der USA oder ihrer Verbündeten gelangen, oder sogar bereits gelangt sein - dort würden sie potenziell genug psychologischen Schaden anrichten, um die Weltwirtschaft ins Taumeln zu bringen. Als geografisch nahe an Nordkorea gelegener US-Verbündeter sieht sich Australien offenbar besonders bedroht. 

„Wenn sie nichts mehr zu verlieren haben...“

Ob die Lage tatsächlich derart ernst ist, scheint indes zumindest fraglich. Konkrete Indizien für nordkoreanische Waffen im Westen fehlen offenbar. Auch allzu viel Erfolg hatte Nordkorea bei der Umgehung von Wirtschafts-Embargos zuletzt nicht. Und selbst der Freundschaft des kommunistischen Verbündeten China konnte sich das Land zuletzt nicht mehr sicher sein - ein Kinderspiel dürfte es also nicht werden, Nuklearwaffen zu exportieren. So oder so weist der Fachmann für organisierte Kriminalität und Terrorfinanzierung auf zwei wichtige Punkte hin:

Zum einen betont Douglas, die USA seien keinesfalls sicher, solange Nordkorea über keine Langstreckenrakete verfüge. Zum anderen warnt der Analyst davor, Kim Jong Un zu provozieren. Die Trump-Regierung tue gut daran, mögliche Angriffspläne nicht darauf zu stützen, dass Nordkorea „wie ein Feind aus dem Lehrbuch“ reagieren werde. Glaubt man Gerüchten, war ein Militärschlag auf Nordkorea kürzlich in den USA schon im Gespräch.

„Die nordkoreanische Führung hat gezeigt, dass sie, auch wenn sie irrational erscheint, smart und skrupellos vorgeht“, schreibt der Experte. „Wenn sie nichts mehr zu verlieren haben, macht es für die Nordkoreaner strategischen Sinn, auf jede Attacke in einer Art und Weise zu reagieren, die nicht nur die USA trifft, sondern auch die Welt-Ökonomie.“

fn

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