Katastrophe vor Libyen

Flüchtlingsboot kentert: Viele Kinder unter den Toten

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Flüchtlinge treiben vor Libyen im Wasser. Drei Boote waren mit insgesamt rund 1500 Menschen unterwegs. Eines kenterte - viele Menschen bezahlten ihre Flucht mit dem Leben. Foto: Chris Catrambone/MOAS.EU

Das Boot sieht man kaum noch, wie kleine Punkte treiben Menschen im Wasser. Viele Kinder überleben das neue Flüchtlingsunglück auf dem Mittelmeer nicht. Helfer erheben schwere Vorwürfe gegen Libyer.

Rom (dpa) - Ein Flüchtlingsboot mit zahlreichen Kindern an Bord ist auf dem Mittelmeer gekentert. Bisher wurden 34 Leichen geborgen, die meisten davon kleine Kinder. Nach Angaben einer Sprecherin der Hilfsorganisation MOAS waren drei Holzschiffe mit rund 1500 Menschen vor der libyschen Küste unterwegs.

Eines der Boote sei gekentert. Rund 200 Menschen seien ins Wasser gefallen, darunter zahlreiche Kinder und Frauen. "Das ist keine Szene aus einem Horrorfilm, das ist die Wirklichkeit vor den Toren Europas", erklärte der Gründer der Hilfsorganisation MOAS, Chris Catrambone. Auf Bildern sieht man, wie viele Menschen im Wasser treiben. Die italienischen Küstenwache ging nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa auch von 34 Toten aus; das Unglück sei vor der westlibyschen Hafenstadt Suwara geschehen.

Erst am Vortag war bekannt geworden, dass am vergangenen Freitag möglicherweise mehr als 150 Migranten gestorben sein könnten. Überlebende hätten von 156 Vermissten berichtet, hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitgeteilt. In diesem Jahr sind bei der Überfahrt über das Mittelmeer bereits mehr als 1340 Menschen ums Leben gekommen. Derzeit setzen vermehrt Boote in Richtung Italien über, weil das Wetter gut ist.

Derweil wurde die deutsche Hilfsorganisation Jugend Rettet Zeuge eines weiteren Zwischenfalls. Von Booten der libyschen Küstenwache sei während einer Rettungsaktion auf Flüchtlingsboote geschossen worden. Zudem seien Migranten geschlagen worden, hieß es in einer Mitteilung. Zwei Boote seien wieder zurück nach Libyen gebracht worden. "Über 100 Menschen sind aus Panik ins Wasser gesprungen. Zum Glück hatten die meisten Rettungswesten an, die wir schon verteilt hatten", erklärte der Kapitän des Schiffs Juventa der Mitteilung zufolge. "Für uns selber war die Situation äußerst kritisch: Wir sind hier, um zu helfen, waren aber gezwungen tatenlos zuzusehen, um nicht selber eine Kugel einzufangen."

Die Organisationen Ärzte ohne Grenzen (MSF) und SOS Méditerranée berichteten, Männer der Küstenwache hätten mit vorgehaltener Waffe Flüchtlingen Geld, Handys und anderen Besitz abgenommen. Dies habe zu einer Panik geführt und mehr als 60 Migranten seien ins Meer gesprungen. Die Männer der Küstenwache hätten sich kaum für das Wohlergehen der Flüchtlinge interessiert.

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