Lieblingssender des Präsidenten in Not

Belästigungsvorwürfe: Trump verteidigt Moderator

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Bill O'Reilly.

New York - Fox ist Donald Trumps bevorzugter TV-Sender, auf den er sich gerne und oft beruft. Jetzt hat ein bekannter Moderator sich und seinen Arbeitgeber in Bedrängnis gebracht. Der Präsident springt ihm zur Seite. 

Nach Enthüllungen über die mutmaßliche sexuelle Belästigung mehrerer Frauen durch den konservativen US-Fernsehmoderator Bill O'Reilly hat seine populäre Sendung beim Sender Fox News zahlreiche zahlungskräftige Werbekunden verloren.

Die "New York Times" hatte am Samstag berichtet, O'Reilly und sein Sender Fox News hätten insgesamt 13 Millionen Dollar (12,2 Millionen Euro) als Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt, die dem 67-jährigen Moderator Belästigung vorgeworfen hätten. Im Gegenzug mussten sich die Frauen demnach verpflichten, die Vorwürfe nicht öffentlich zu machen und keine Klagen einzureichen. Es handle sich bei ihnen um Frauen, die entweder für O'Reillys Show arbeiteten oder dort regelmäßig zu Gast waren, hieß es in dem Bericht.

Unter anderem die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Toyota und Hyundai setzten ihre Aufträge für Werbespots während der Sendung "The O'Reilly Factor" aus. Zuletzt zogen auch die US-Versicherung Allstate und der französische Pharmakonzern Sanofi ihre Werbeaufträge zurück. Medienberichten zufolge trafen insgesamt zwölf Marken diese Entscheidung. Fox News erklärte, der Sender arbeite mit seinen Partnern zusammen, "um den Sorgen zu begegnen". Die Werbeaufträge seien auf andere Sendungen von Fox News umgebucht worden, erklärte der Vize-Chef für den Werbespot-Verkauf, Paul Rittenberg.

Das sagt Bill O‘Reilly 

Der Moderator reagierte mit einem knappen schriftlichen Statement, in dem er die Vorwürfe nicht ausdrücklich bestritt. Wegen seiner Prominenz ziehe er "Klagen von Personen an, die von mir Geld wollen, um negative Berichterstattung zu vermeiden", erklärte O'Reilly.

In seinen 20 Jahren bei Fox sei er nie verklagt worden. Das Wichtigste seien aber seine Kinder, erklärte O'Reilly: Um sie zu schützen, habe er alle Kontroversen beendet.

Der Moderator ist eines der bekanntesten TV-Gesichter in den USA, seine allabendliche rechtskonservativ ausgerichtete Talk-Sendung ist ein wichtiger Quotenbringer für Fox News und spielt für die Anhänger von US-Präsident Donald Trump eine wichtige Rolle.
Im Schnitt hat sie fast vier Millionen Zuschauer.

Mercedes-Sprecherin: „Verstörende Vorwürfe“

Auch wenn die Vorwürfe gegen O'Reilly noch nicht geklärt seien, seien sie verstörend, erklärte Mercedes-Benz-Sprecherin Donna Boland am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. "Angesichts der Bedeutung von Frauen für unser Geschäft in jeder Hinsicht, empfinden wir das nicht als gute Umgebung, um jetzt für unsere Produkte zu werben."

Im Juli war Fox-News-Chef Roger Ailes wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Am Montag reichte eine weitere Frau Klage wegen sexueller Belästigung gegen Ailes ein.

Trump streut Fake News mit Hilfe von Fox News

Der US-Präsident, der mit vielen US-Medien im Clinch liegt, hatte sich im Februar auf einen fehlerhaften Fox-Bericht berufen, als er in einer Rede mutmaßliche Zustände in Europa anprangerte und dabei auf einen Vorfall mit Einwanderern in Schweden anspielte - dabei war nichts dergleichen passiert.

Als Donald Trump in März bei auf Twitter seinen Amtsvorgänger Barack Obama kritisierte und dabei falsche Zahlen zu den aus dem Gefangenenlager Guantanamo entlassenen Häftlingen nannte, war Fox News seine Quelle gewesen.

Trump: „Bill O‘Reilly ist ein guter Mensch“ 

Trump war bereits in der gleichen Situation wie Ailes und Bill O‘Reilly. Auch ihn hatten mehrere Frauen der sexuellen Belästigung bezichtigt. So verwundert es kaum, dass der US-Präsident beiden zur in der Sache zur Seite sprang. Der Moderator sei "ein guter Mensch", sagte Trump der "New York Times" vom Mittwoch. "Ich glaube nicht, dass Bill irgend etwas Falsches gemacht hat", fügte er hinzu. "Er ist ein Mensch, den ich gut kenne - er ist ein guter Mensch", sagte Trump. Allerdings hätte er an Stelle O'Reillys keiner außergerichtlichen Einigung mit den betroffenen Frauen zugestimmt.

AFP/dpa

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