er macht „Business as usual“ 

Gabriel spricht mit US-Außenminister über alles - nur nicht über Trump

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Außenminister Sigmar Gabriel (l, SPD) und US-Außenminister Rex Tillerson trafen sich am Mittwoch in Washington.

US-Präsident Trump stolpert von einer Krise in die nächste. Bundesaußenminister Gabriel macht bei seinem Washington-Besuch trotzdem „Business as usual“. Mit seinem Kollegen Tillerson spricht er über alles Mögliche - nur nicht über Trump.

Washington - An dieses Bild muss man sich erst einmal gewöhnen: Der deutsche Außenminister steht nach einem Gespräch mit seinem US-Kollegen in Washington ganz alleine vor dem US-Außenministerium, und berichtet den Journalisten, was gerade passiert ist. Früher war eine gemeinsame Pressekonferenz beider Minister im State Department ganz selbstverständlich. Die Zeiten sind vorbei.

US-Außenminister Rex Tillerson hält nichts davon, gemeinsam mit seinen Gästen Fragen der Medien zu beantworten. In den ersten dreieinhalb Monaten seiner Amtszeit gab es das nicht ein einziges Mal. Lediglich bei zwei seiner Auslandsreisen - eine davon ausgerechnet mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow - stellte er sich nach einem bilateralen Gespräch den Journalisten.

Gabriel und Tillerson ignorieren Frage eines Journalisten nach Affäre um Trump und Russland

Mit dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel gibt es am Mittwochnachmittag nur einen 35-sekündigen Foto-Termin in dem Raum, in dem früher einmal die Pressekonferenzen stattfanden. Ein Journalist ruft eine Frage nach der Weitergabe geheimer Informationen an Russland durch US-Präsident Donald Trump in den Raum. Keine Reaktion. Nur ein kurzes Winken und ein „Danke“. Das war's.

Das Gespräch dauert länger als geplant, fast eineinhalb Stunden statt 45 Minuten. Die Flut von Vorwürfen, mit denen sich Trump derzeit konfrontiert sieht, wird mit keinem Wort erwähnt. Tillerson geht nicht darauf ein, Gabriel erst recht nicht. Business as usual. Gespenstisch.

Als Gabriel anschließend alleine vor die Kameras tritt, spricht er von einem „ausgesprochen guten Gespräch“. Man habe über die Ukraine, Syrien, Irak, Russland gesprochen. Über Geheimdienstkooperation aber „ausnahmsweise nicht“, sagt der Minister. Es gebe auch keinen Grund, die enge Kooperation der Dienste beider Länder in Frage zu stellen. Einer der Vorwürfe gegen Trump betrifft die Weitergabe sensibler Informationen des israelischen Geheimdienstes an Russland.

Gabriels zweiter Termin in Washington führt ihn in die Redaktion der „Washington Post“. Er spricht mit einigen der renommiertesten Journalisten des Landes. Die „Post“ hat eine stolze Geschichte. Zwei Reporter des Blattes deckten Anfang der 70er-Jahre den Watergate- Skandal um den damaligen Präsidenten Richard Nixon auf - bis heute einer der größten Scoops des investigativen Journalismus überhaupt.

Heute werden Medien wie die „Post“ von Trump wahlweise als „Fake News Media“ oder „Feinde des amerikanischen Volkes“ bezeichnet. Gabriel liebt es, mit Terminen wie diesem jenseits der offiziellen Regierungsgespräche mehr oder weniger verschlüsselte Botschaften zu senden. Auch wenn er diesmal sagt, er sei nur zur „Post“ gegangen, weil er eingeladen wurde. Ganz zufällig ist die Terminwahl wohl nicht.

Gabriel hat es schon bei seinem Antrittsbesuch Anfang Februar vermieden, auf Konfrontation zur Trump-Regierung zu gehen. Stattdessen setzt er auf eine „Politik der ausgestreckten Hand“ und respektvollen Zusammenarbeit. Bereits vor seiner Reise warb er für eine „neue transatlantische Agenda“, um die Beziehungen zu vertiefen. Und er will sich für ein „deutsch-amerikanisches Jahr“ 2018/19 stark machen, mit zahlreichen vor allem kulturellen Veranstaltungen.

Bei vielen harten Themen scheinen die Differenzen aber derzeit unüberwindbar: Militärausgaben, Freihandel, Klimaschutz sind nur die Prominentesten. Bei den Gipfeln der Nato und der G7 in der kommenden Woche werden sie wieder offen zu Tage treten.

dpa

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