Geboren im Geiseldrama: 40 Jahre GSG 9

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Oktober 1977: In der somalischen Hauptstadt Mogadischu befreien GSG-9-Beamte 86 Geiseln aus der von Palästinensern entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“.

Berlin - Nie wieder wollte Deutschland so schutzlos Terroristen ausgeliefert wie beim Olympia-Attentat 1972. Seit den Münchner Spielen kommt die Spezialeinheit GSG 9 bei besonders schwerer Kriminalität zum Einsatz.

Ulrich Wegener stand auf dem Tower im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, als im September 1972 zwei Hubschrauber in Flammen aufgingen. Vor den Augen des Verbindungsoffiziers im Bundesinnenministerium endete die Geiselnahme jüdischer Olympia-Sportler durch eine palästinensische Terrorgruppe in einem Blutbad. Die deutsche Polizei war auf eine derartige Situation nicht vorbereitet.

Drei Wochen später, am 26. September 1972, verkündete der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher die Bildung der Grenzschutzgruppe (GSG) 9 im nordrhein-westfälischen Sankt Augustin. Wegener wurde ihr erster Kommandeur. „Nach diesen Ereignissen habe ich mich sofort bereiterklärt, die neu gegründete Einheit GSG 9 zu übernehmen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

GSG 9: Hier kam die Antiterroreinheit zum Einsatz

GSG 9: Das waren die spektakulärsten Einsätze

Die Spezialeinheit zur Terrorismusbekämpfung wurde am Anfang von Fachleuten aus Israel und der US-Polizeibehörde FBI trainiert. Bis heute durchlaufen Polizisten nach ihrer herkömmlichen Ausbildung ein Training von rund neun Monaten für eine der drei Einsatzeinheiten: Präzisionsschützen, Fallschirmspringer und Taucher.

Die Gruppe ist behördlich der Bundespolizei - dem ehemaligen Bundesgrenzschutz - unterstellt, die Einsatzentscheidung liegt aber beim Bundesinnenministerium. Seit 40 Jahren tritt sie dann in Aktion, wenn Terroristen oder andere Schwerkriminelle Menschenleben bedrohen. Die Beamten sind zudem auf Geiselnahmen spezialisiert.

Einer der bekanntesten Einsätze war die Erstürmung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Oktober 1977. Ein palästinensisches Kommando hatte das Flugzeug mit mehr als 90 Menschen in die somalische Hauptstadt Mogadischu entführt. Während der „Operation Feuerzauber“ drangen GSG-9-Beamte nachts in die Maschine ein und töteten drei der vier Entführer. Kein Polizist und keine der Geiseln kamen bei der Befreiungsaktion ums Leben. Die GSG 9 umweht seither ein Mythos.

Genährt wird dieser durch das Grundprinzip der Verschwiegenheit. Die Zahl der Beamten unterliegt der strikten Geheimhaltung, Frauen sollen keine darunter sein. Die Beamten agieren meist im Verborgenen - bis heute mehr als 1500 Mal. Die GSG 9 operiert auch im Ausland. Anders als das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr benötigt sie dafür kein Bundestagsmandat.

Im Juni 1993 geriet die Einheit wegen eines verunglückten Einsatzes im mecklenburgischen Bad Kleinen in die Kritik. Bei der Festnahme von RAF-Mitglied Birgit Hogefeld leistete ihr Komplize Wolfgang Grams Widerstand, erschoss einen GSG-9-Beamten und starb in der anschließenden Schießerei selbst. Zu den bekanntesten Aktionen zählen die Festnahmen der RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt und der Mitglieder der islamistischen Sauerland-Gruppe.

Zuletzt geriet die Einheit im April 2009 wegen des abgebrochenen Einsatzes gegen Piraten vor Somalia ins Scheinwerferlicht. Daraufhin habe, berichtete der „Spiegel“, das Bundesinnenministerium die alleinige Entscheidungsgewalt über Einsätze an sich gezogen.

Im Rückblick auf 40 Jahre GSG 9 zieht der mittlerweile pensionierte Wegener eine positive Bilanz: Das Olympia-Drama von 1972 sei zwar das schlimmste Ereignis seiner Laufbahn gewesen - zugleich aber „der Beginn einer Erfolgsstory mit der GSG 9“.

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser