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70. Jahrestag der Befreiung

Kanzlerin dankt Überlebenden des KZ Dachau

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Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer bei der Gedenkfeier auf dem ehemaligen KZ-Gelände in Dachau.

Dachau - Erinnern - gegen neuen Rassismus und Antisemitismus. Das verlangen Überlebende und Vertreter des Judentums zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Dachau. Erstmals ist auch eine amtierende Bundeskanzlerin gekommen.

Viele junge Menschen sind da. Schüler aus Dachau tragen weiße Rosen, als Symbol für die vielen Widerstandskämpfer aus ganz Europa, die im Konzentrationslager Dachau inhaftiert waren. Und sehr alte Menschen sind gekommen: Sie haben hier unter der Willkür der SS-Schergen gelitten. Max Mannheimer zum Beispiel. Im Rollstuhl wird der 95-Jährige in ein Zelt vor dem früheren Krematorium geschoben. Nach den christlichen Gottesdiensten und der jüdischen Feier geht das Gedenken an dem Ort weiter, an dem die Nazis tausende Leichen verbrennen ließen.

Bei der Gedenkfeier harren auch im Freien viele bei strömendem Regen aus. Anschließend geht es zu einem Gedenkmarsch: die Lagerstraße entlang, vorbei an den leeren Betonsockeln, die heute die Standorte der langen Barackenreihen rechts und links des Weges markieren. Es regnet und regnet, immer wieder schlägt eine Glocke, während die Menschen schweigend zum Appellplatz ziehen. Sie stapfen unter bunten Regenschirmen durch tiefe Pfützen oder stützen alte Menschen, die es mit Rollatoren oder Rollstühlen nur mühsam über den Schotter schaffen, bevor das Gedenken auf dem Appellplatz fortgesetzt wird.

130 Überlebende sind teils von weit her mit ihren Familien angereist, auch einige Befreier von damals sind dabei, viele von ihnen 85 Jahre und älter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) richtet in ihrer Rede als allererstes ihren „tief empfundenen Dank“ an die Zeitzeugen, die bis ins hohe Alter nicht müde werden, von dem Grauen zu berichten - auf dass es nie wieder geschehe. „Es ist ein großes Glück, dass Menschen wie Sie bereit sind, uns ihre Lebensgeschichten zu erzählen, das unendliche Leid, das Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus über Sie gebracht hat.“

Merkel nimmt als erste Kanzlerin an dem Gedenken teil. Schon 2013 war sie hier, allerdings nicht zum Jahrestag der Befreiung. Nach der Zeremonie legt sie vor dem Internationalen Mahnmal den ersten von mehr als hundert Kränzen für die Opfer nieder.

Rund 200 000 Menschen waren in Dachau von 1933 bis 1945 inhaftiert: Juden, Sinti und Roma, Sozialisten, Kommunisten, Geistliche, Homosexuelle, später Widerstandskämpfer und Kriegsgefangene. Mindestens 41 500 starben: an Hunger, Entkräftung, Krankheit. Oder sie wurden ermordet. Außerdem wurden hier Nazi-Schergen im Töten unterrichtet, das KZ galt als „Mörderschule der SS“.

„Kein Tier ist mir bekannt, das sich einem anderen Tier gegenüber so bestialisch verhält, wie es ein Mensch einem anderen Menschen gegenüber offensichtlich kann“, sagt der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller. Das erschüttert auch Abba Naor aus Israel, der mit zwei kleinen Urenkeln angereist ist: „Selbst KZ-Kommandanten waren liebevolle Familienväter“, schildert der Überlebende. Sie hätten mit ihren Kindern gespielt, nachdem sie Tausende in den Tod geschickt hätten. „Sie waren Menschen wie Sie und ich, und das ist ja das Furchtbare daran.“

Am 29. April 1945 setzten in Dachau US-Truppen dem entsetzlichen Treiben ein Ende. „Wir konnten aufatmen, wir waren nicht nur eine Nummer jetzt, wir waren auch Menschen“, schilderte Vladimir Feierabend seine Gefühle damals. Der 90-jährige Mediziner aus Prag war als politischer Häftling mit Vater und Großvater nach Dachau gebracht worden. Auch für die US-Truppen war die Befreiung bewegend: „Wir werden nie vergessen, wie überwältigt wir waren, als sie uns umarmt haben“, beschreibt Alan Lukens, Veteran und ehemaliger US-Botschafter. Seine Botschaft: „Wir wollen erinnern, dass das Gute das Böse überwinden kann.“

Gerade darüber aber machen sich heute manche Sorgen. Vor allem Vertreter des Judentums in Deutschland äußern sich beunruhigt. „Wenn ich darauf blicke, wie heute einige Bürger gegen Flüchtlinge hetzen, oder wie abwertend über Juden gesprochen wird - dann frage ich mich: Wie sehr ist das hohe Gut der Menschenwürde eigentlich noch in den Köpfen verankert?“, sagt der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

Dennoch: Die meisten Opfer von damals seien nicht voller Rache, sie wollten Wege der Versöhnung gehen und eine Zukunft ohne Hass bauen, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx. „Uns verblüfft das.“

KZ-Gedenkstätte

Podcast der Kanzlerin

KZ-Gedenkstätte zu Stanislav Zámecnik

dpa

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