Man ermittelt „in alle Richtungen“ 

Generalbundesanwalt: Zweifel an Schuld von Verdächtigem

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Am Dienstagnachmittag fand eine Pressekonferenz zum Anschlag in Berlin statt. 

Berlin - Generalbundesanwalt Peter Frank hat die Zweifel an der Schuld des nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt festgenommenen Pakistaners bestätigt.

Update vom 21. Dezember 2016: Die Ereignisse vom Mittwoch lesen Sie im aktuellen News-Ticker zum Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin.

Die Ermittler müssten sich "mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Festgenommene eventuell nicht der Täter war oder zur Tätergruppe gehörte", sagte Frank am Dienstagnachmittag in Berlin. Auch sei unklar, ob es einen oder mehrere Täter gebe. Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, es sei „nicht zwingend notwendig“, dass mehr als ein Mensch an dem Anschlag beteiligt war. Die Tat sei logistisch „nicht so anspruchsvoll“ gewesen.

Ein Bekennervideo gibt es bislang nicht 

Auf die Frage, weshalb sich die Polizei nun unsicher sei, ob der zunächst geschnappte Verdächtige das Fahrzeug in die Menge gesteuert habe, erklärten die Behörden, der Mann, den Zeugen aus dem Fahrzeug hätten springen sehen, sei später von den Passanten und der Polizei nicht „lückenlos“ verfolgt worden.

"Wir gehen derzeit von einem Anschlagsgeschehen mit terroristischem Hintergrund aus", sagte der Generalbundesanwalt weiter. Er verglich den Hergang mit dem islamistischen Anschlag im französischen Nizza vom Sommer. Ein Bekennervideo gebe es allerdings bislang nicht, insofern könnten zur Hintergrund des Verbrechens in Berlin "noch keine endgültigen Aussagen" gemacht werden. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch. 

Appell: Weihnachtsmärkte nicht zu Burgen ausbauen

Die allgemeine Terrorgefahr sei bundesweit heute aber nicht größer als vor der Tat, erklärte der Berliner Polizeipräsident. Sie habe sich nur am Montag manifestiert. „Ich bin der Überzeugung, dass wir weiterhin unser freies Leben leben sollten“, fügte er hinzu. Man könne Weihnachtsmärkte nicht zu Burgen ausbauen.

Am Montagabend war ein Lastwagen in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast. Dabei wurden elf Menschen getötet, zudem wurde ein Mann erschossen in der Fahrerkabine aufgefunden. Die Zahl der Verletzten gab Frank mit 45 an, davon 30 Schwerverletzte. Zuvor war von 48 Verletzten die Rede gewesen. Sechs der Toten wurden laut BKA bislang identifiziert, sie seien alle deutsche Staatsbürger.

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afp/dpa

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