Treffen in Schloss Bellevue

Steinmeier und Parteichefs loten Regierungschancen aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel verlässt nach dem Spitzentreffen mit Bundespräsident Steinmeier das Schloss Bellevue in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka
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Bundeskanzlerin Angela Merkel verlässt nach dem Spitzentreffen mit Bundespräsident Steinmeier das Schloss Bellevue in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßt SPD-Chef Martin Schulz vor dem Schloss Bellevue. Foto: Kay Nietfeld
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier begrüßt SPD-Chef Martin Schulz vor dem Schloss Bellevue. Foto: Kay Nietfeld
Christian Schmidt versucht, die Aufregung über seinen Glyphosat-Alleingang zu dämpfen. Foto: Michael Kappeler
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Christian Schmidt versucht, die Aufregung über seinen Glyphosat-Alleingang zu dämpfen. Foto: Michael Kappeler
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will mit den Vorsitzenden von CDU, CSU und SPD Möglichkeiten einer Regierungsbildung ausloten. Foto: Bernd von Jutrczenka
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will mit den Vorsitzenden von CDU, CSU und SPD Möglichkeiten einer Regierungsbildung ausloten. Foto: Bernd von Jutrczenka
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) begrüßt den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schloss Bellevue. Foto: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) begrüßt den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Schloss Bellevue. Foto: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa

Der Bundespräsident will die nach dem Scheitern von Jamaika unterbrochenen Gespräche über eine Regierungsbildung wieder in Gang bringen. Ob das gelingt?

Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mehr als zwei Stunden lang mit den Spitzen von Union und SPD die Chancen einer Regierungsbildung ausgelotet.

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, der SPD-Vorsitzende Martin Schulz und CSU-Chef Horst verließen nacheinander das Schloss Bellevue, den Amtssitz Steinmeiers in Berlin. Über den Inhalt der Beratungen hatten alle Seiten Stillschweigen vereinbart. Die Vorsitzenden wollen am Freitag zunächst ihre Parteigremien informieren.

Der Bundespräsident wollte mit dem Treffen erreichen, dass nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen offizielle Gespräche zwischen CDU, CSU und SPD in Gang kommen. Die Unionsspitze befürwortet eine Fortsetzung der großen Koalition, um angesichts der Probleme in Deutschland und der internationalen Krisen rasch eine stabile Regierung zu bilden.

Die SPD hatte sich nach ihren dramatischen Verlusten bei der Bundestagswahl zunächst auf die Oppositionsrolle festgelegt. Inzwischen schließt sie die Duldung einer Minderheitsregierung der Union oder eine Fortsetzung von Schwarz-Rot nicht mehr aus.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht seine Partei nicht unter Zeitdruck. "Keiner darf erwarten, dass das schnell geht", sagte er am Rande eines Besuchs in Washington im ZDF-"heute Journal". Union, Grüne und FDP hätten bei ihren Jamaika-Sondierungen nichts zu Stande gebracht. "Da werde ich doch ein bisschen um Verständnis dafür bitten dürfen, dass jetzt nicht der Druck bei uns liegt." Der frühere SPD-Chef forderte die Union auf, jetzt zu zeigen, "was sie denn will". Niemand dürfe von der SPD erwarten, dass sie nach dem Scheitern von Jamaika "nur, damit sie ein paar Jobs in der Regierung behält, sofort sagt: wunderbar, wir machen weiter".

In den vergangenen Tagen war der Druck auf Union und SPD gestiegen, mit einer Neuauflage der großen Koalition für eine stabile Regierung zu sorgen. Im Ausland wird die Hängepartie bei der Regierungsbildung im wirtschaftlich stärksten Land der EU mehr und mehr mit Besorgnis wahrgenommen. Eine Mehrheit der Bundesbürger (61 Prozent) ist einer Umfrage zufolge dafür, dass die SPD in Gespräche über eine Koalition mit der Union eintreten sollte. Diese Ansicht vertreten auch 58 Prozent der SPD-Anhänger, wie die Erhebung des Allensbach-Instituts für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ergab.

Schulz muss, nachdem er die SPD zunächst auf die Oppositionslinie eingeschworen hatte, nun in den eigenen Reihen ausloten, inwieweit auch andere Optionen möglich sind - eine Neuauflage der großen Koalition oder eine Duldung einer CDU/CSU-Minderheitsregierung. Nach wie vor sei alles offen, sagte er wiederholt.

Die Kanzlerin steht unter Druck, weil sie endlich eine Regierungskoalition zustande bringen muss. Merkel will unbedingt eine Minderheitsregierung und eine Neuwahl vermeiden - auch deshalb, weil sie ihren innerparteilichen Kritikern keine neue Nahrung geben will.

Die Situation ist unter anderem schwierig, weil Seehofer in Bayern gedrängt wird, entweder sein Ministerpräsidentenamt oder das des Parteischefs oder beide Ämter abzugeben.

Auch die Gewerkschaften dringen darauf, dass endlich eine stabile Regierung zustande kommt. Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, verlangte im Südwestrundfunk eine stabile Regierung. Dabei spreche für eine große Koalition aus Union und SPD, dass es einen riesigen Modernisierungsbedarf in Deutschland und Europa gebe, etwa in den Bereichen Energie, Verkehr und Bildung. Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet endlich ernsthafte Sondierungen zwischen den Parteien mit dem Ziel einer stabilen Regierung. Der "Passauer Neuen Presse" sagte er, aus seiner Sicht wären Verbesserungen bei der Rente, ebenfalls eine paritätische Finanzierung der gesetzlichen Krankenkasse sowie eine Stärkung des Tarifsystems wichtige Punkte.

Unterdessen belastet der Alleingang von Agrarminister Christian Schmidt (CSU) bei der erweiterten Zulassung des Unkrautvernichters Glyphosat in der EU weiter das Klima zwischen Union und SPD. Schmidt versuchte, die Aufregung zu dämpfen und traf sich mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD): "Werden gemeinsam an Lösung arbeiten, um den Einsatz von Glyphosat künftig restriktiver zu gestalten", kündigte er danach via Twitter an. Schmidt hatte gegen den ausdrücklichen Willen der SPD und von Hendricks in Brüssel für die weitere EU-Zulassung von Glyphosat gestimmt.

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Noch ist nichts entschieden - aber die Chancen auf eine erneute große Koalition sind größer als noch vor wenigen Wochen. Sollten sich CDU, CSU und SPD einigen, wäre diese große Koalition die bisher kleinste unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Regierungspartner hätten 399 von 709 Sitzen im Bundestag (rund 56 Prozent). Ohne die CSU (rund 6,5 Prozent der Sitze) hätten sie also keine Mehrheit.

Früher waren die Mehrheitsverhältnisse klarer. Die erste große Koalition unter Merkel von 2005 bis 2009 konnte sich auf etwa 73 Prozent aller Abgeordneten im Bundestag stützen. In der vergangenen Wahlperiode brachte es die "GroKo" auf 504 Sitze, was knapp 80 Prozent der Mandate entspricht. In beiden Fällen besaß Schwarz-Rot also noch die Zweidrittelmehrheit; sie ist zum Beispiel für Änderungen des Grundgesetzes erforderlich.

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