CSU-Rebell teilt gegen Bundesregierung aus

Herr Gauweiler, ist Angela Merkel eine Populistin?

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Peter Gauweiler im Jahr 2014 als begeisterter Redner auf dem politischen Aschermittwoch der CSU.

München - Seit der Ära Strauß polarisierte kaum ein CSU-Politiker so sehr wie Peter Gauweiler. Selbst nach dem Rückzug aus der Politik ist die Meinung des selbsternannten Populisten gefragt. Zu Kanzlerin Merkel hat er eine eigene Meinung.

Angela Merkel eine Populistin? In einer Welt der Trumps, Le Pens, Hofers und Seehofers eigentlich ein Gedanke, den viele nicht einmal zu Ende denken würden. Doch Peter Gauweiler, der Anfang 2015 seine politischen Ämter (stellvertretender CSU-Vorsitzender, Bundestagsabgeordneter) wegen Differenzen in der Euro-Politik niederlegte, hat da seine eigene Meinung.

Im Interview mit der Zeit erklärt der große CSU-Rebell vergangener Tage: Die Kanzlerin sei eine Populistin „auf ihre Art, in einer subtileren Weise“. Gauweiler: „Ihre Entsäugungsästhetik - immer bescheiden, immer zurückhaltend - ist auch eine Form der Abgrenzung.“ Und weiter: „Dem Volk Versprechungen machen, die man nicht zu halten beabsichtigt - da ist sie gefährdet.“ (Lesen Sie hier: Das hält Gauweiler von Merkels Flüchtlingspolitik.) Was Gauweiler damit konkret meint, lässt er in diesem Gespräch offen.

Gauweiler: „Das Biest in mir bekämpfen“

Einst bezeichnete sich Gauweiler selbst als „erfahrenen Populisten“, im Zeit-Interview soll er das erklären. Er sagt: „Ich trage ein leicht provokatives Element in mir.“ Wie grenzt er schlechten Populismus ab? „“Ich muss fähig bleiben, das Biest in mir zu bekämpfen. Die Wut gibt einem Kraft, aber man muss sie beherrschen.“

Gauweiler: „Le Pen ist die Kultfigur des politisch Unkorrekten“

Das Erstarken der Populisten in der westlichen Welt führt Gauweiler auf die „Erfolgsdepression“ seit dem Ende des Kalten Krieges, samt Wiedervereinigung, zurück. Der Westen habe so viele Jahre auf diese Sache hingearbeitet und befinde sich seitdem in einem Loch. Die Politik rede nur „in Schleifen, widerspricht sich, wirkt unglaubwürdig“, schimpft der 67-Jährige.

Marine Le Pen, die Rechtspopulistin aus Frankreich, nennt er „die Kultfigur des politisch Unkorrekten in Europa“. Er glaubt aber an einen Abnutzungseffekt: „Zu jeder Revolte gehört die Verkehrung des ursprünglichen Ziels. Das wird beim Front National nicht anders werden.“

Gauweiler schimpft auf Bundesregierung

Zum aufgekommenen Rechtsdruck in Deutschland, rät er, sich mit den „Rezepten“ der AfD auseinanderzusetzen. „Wenn man ihnen nur Populismus vorwirft, ist das ein bisschen dünn.“

Seine Meinung über die Bundesregierung? Um zu schauen, ob jemand „was taugt in der Politik“, müsse man sehen, was von ihm bleibe. Hat er etwa Universitäten gegründet? Einen Krieg verhindert? Sein vernichtendes Urteil: „Der Blick auf die Berliner Freunde zeigt: Sie haben das nicht mehr so richtig drauf.“

Eine andere Haltung Gauweilers hätte in diesem Punkt aber auch überrascht.

mke

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