„Kein Machtkampf“

Höcke bittet AfD um Einstellung des Ausschlussverfahrens

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Bernd Höcke

Erfurt - Björn Höcke gibt sich reuig: Seine umstrittene Dresdener Rede bezeichnet der AfD-Politiker nun als „Fehler“. Machtansprüche in der Bundespartei weist er von sich.

Thüringens umstrittener AfD-Chef Björn Höcke hat erneut Fehler eingestanden und den Bundesvorstand um den Stopp des Parteiausschlussverfahrens gegen ihn gebeten. Ein entsprechender Brief sei am Freitag an die Vorstandsmitglieder gegangen, sagte ein Parteisprecher am Freitag auf Anfrage in Erfurt. Zuerst berichtete die Thüringer Allgemeine darüber. 

In Höckes Schreiben an die Parteispitze heißt es: „Meine Dresdner Rede war ein Fehler.“ Er habe aus den Erlebnissen „vielerlei Lehren“ gezogen, schreibt der AfD-Politiker weiter. Er wolle sich künftig „noch stärker als bisher auf die Landespolitik konzentrieren“. Einen Machtkampf in der Partei gebe es nicht, versicherte Höcke - "weil niemand die Vorsitzenden und den Vorstand in Frage stellt oder gar irgendwelche Ansprüche erhebt“.

Vorstandsmitglied sieht „positives Signal“

Das Bundesvorstandsmitglied Alice Weidel sprach von einem positiven Signal. Sie sagte: „Anerkennenswert ist, dass er die Größe besessen hat, den Fehler zu erkennen und sich zu entschuldigen.“ Nun gelte es, die Streitigkeiten zu beenden und die Einheit der Partei im Wahlkampf zu wahren. Weidel ist Spitzenkandidatin der baden-württembergischen AfD für die Bundestagswahl. Sie hatte Höckes rechtsnationalen Kurs stark kritisiert.

Der Brief wurde vor einem nichtöffentlichen Bundeskonvent der AfD an diesem Samstag in Kassel verschickt. Dort sollen Höcke und Bundesvize Alexander Gauland erscheinen, weil sie sich aus Sicht des Vorstandes unzulässig in die Kandidatenaufstellung in Nordrhein-Westfalen eingemischt hatten, bestätigte der Thüringer Parteisprecher.

Weg für Partei-Rauswurf ist eigentlich frei 

Der AfD-Bundesvorstand hatte am 13. Februar mit Zwei-Drittel-Mehrheit den Weg für einen möglichen Rauswurf Höckes frei gemacht. Der Bundesvorstand reagierte mit diesem Schritt auf eine Rede des Thüringer AfD-Rechtsaußen im Januar in Dresden zum Umgang mit der deutschen Geschichte, die bundesweit auf Empörung stieß.

Höcke hatte in der Rede unter anderem offensichtlich unter Anspielung auf das Holocaustmahnmal in Berlin von einem "Denkmal der Schande" gesprochen und einen „vollständigen Sieg“ der AfD ins Auge gefasst. Auch nach dem Eklat um diese Äußerungen rissen die Querelen um Höcke allerdings nicht ab. Zuletzt wurde der frühere Geschichtslehrer vom renommierten Wall Street Journal mit Worten zitiert, die als Verharmlosung der Taten Adolf Hitlers interpretiert werden könnten.

dpa/fn

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