Nach angeblichem Luftschlag

Eskalation zwischen Indien und Pakistan

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Kampfjet der indischen Luftwaffe. Indien hat nach eigenen Angaben ein Terroristencamp in Pakistan angegriffen. Foto: Prabhat Kumar Verma/ZUMA Wire

Die beiden Atommächte Indien und Pakistan gehen wieder auf Konfrontationskurs. Hintergrund sind zwei Anschläge im indischen Kaschmir. Nach einem indischen Luftangriff kündigt Pakistan eine Überraschung an.

Neu Delhi (dpa) - In einer weiteren Eskalation der Spannungen mit Pakistan hat Indien am Montag nach eigenen Angaben ein Terroristencamp im Nachbarland angegriffen.

Dabei sei "eine sehr große Anzahl" Angehöriger der islamistischen Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed getötet worden, unter ihnen auch einige Anführer, teilte das indische Außenministerium am Dienstag mit.

Der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan rief daraufhin seine Streitkräfte und Landsleute dazu auf, auf alle Möglichkeiten vorbereitet zu sein. Armeesprecher Asif Ghafoor sagte, für Indien sei es nun an der Zeit, auf die Antwort zu warten. Es solle sich auf eine Überraschung einstellen.

Die derzeitige Eskalationsspirale begann vor rund zwei Wochen, nachdem die aus Pakistan stammende Terrorgruppe Jaish-e-Mohammed, die seit Jahren in Indien aktiv ist, den schwersten Angriff auf indische Sicherheitskräfte in Kaschmir seit Beginn des Aufstandes von Separatisten und Islamisten vor 30 Jahren für sich reklamierte. Ein Autobombenanschlag hatte am 14. Februar 40 Angehörige einer indischen paramilitärischen Polizeitruppe getötet.

Seit der Unabhängigkeit des früheren Britisch-Indien und seiner Spaltung in Indien und Pakistan im Jahr 1947 beanspruchen die beiden Länder das Himalaya-Tal Kaschmir für sich. Sie kontrollieren jeweils einen Teil und haben bereits zwei Kriege um das Gebiet geführt. Ein dritter Teil Kaschmirs gehört zu China.

Indien hatte Pakistan für den Anschlag verantwortlich gemacht und eine "gebührende Antwort" angekündigt. Die Regierung in Islamabad wies alle Vorwürfe zurück. Bereits nach dem Anschlag hatten Kommentatoren gewarnt, dass schon ein begrenzter Militärschlag Indiens die Gefahr eines schnell wachsenden Konflikts zwischen beiden Atommächten erhöhen würde.

Das indische Außenministerium sprach am Dienstag nach dem Angriff von einer "nicht-militärischen Präventivaktion". Es bestätigte nicht, dass die Luftwaffe diese ausgeführt hatte. Es habe glaubwürdige Informationen gegeben, dass Jaish-e-Mohammed weitere Anschläge in Indien plane, hieß es aus Neu Delhi. Daraufhin sei das größte Ausbildungslager der Gruppe im Ort Balakot angegriffen worden. Balakot liegt in der Nähe der Kontrolllinie, gehört aber nicht zu Kaschmir, sondern zur pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa.

Indien habe Pakistan wiederholt aufgefordert, etwas gegen die Terrorgruppe zu unternehmen, damit Dschihadisten nicht mehr in Pakistan ausgebildet und bewaffnet würden, hieß es weiter. Das Nachbarland habe aber keine konkreten Schritte ergriffen.

Laut einer Mitteilung des Büros von Premier Khan kam das Nationale Sicherheitskomitee am Dienstag in Islamabad in einer Dringlichkeitssitzung zu dem Schluss, dass Indien eine ungerechtfertigte Aggression begangen habe. Darauf wolle Pakistan zu einem Zeitpunkt und Ort seiner Wahl reagieren.

Pakistan wies in der Mitteilung die Angaben Indiens zurück, es habe ein Terroristenlager angegriffen und den Islamisten schwere Verluste zugefügt. Die indische Regierung habe sich "wieder einmal einer eigennützigen, verwegenen und fiktiven Behauptung" bedient. Die Maßnahme sei für die indische Bevölkerung bestimmt gewesen und im Umfeld anstehender Wahlen erfolgt. In Indien finden in den nächsten Monaten Parlamentswahlen statt.

Armeesprecher Ghafoor hatte lediglich eine Verletzung des pakistanischen Luftraumes bestätigt. Pakistanische Kampfflieger hätten "rechtzeitig und effektiv" darauf reagiert. Das habe dazu geführt, dass die indischen Flieger hastig ihre Ladung abgeworfen hätten. Es habe keine Verluste oder Schäden gegeben.

Seit dem Bangladesch-Krieg von 1971 hat es keinen indischen Luftangriff auf pakistanischem Gebiet gegeben. Auf einen Angriff auf einen Militärstützpunkt im indischen Teil Kaschmirs mit 19 toten Soldaten hatte Indien im September 2016 nach eigenen Angaben mit einem "chirurgischen Schlag" von Bodentruppen auf pakistanischer Seite der sogenannten Kontrolllinie geantwortet - diese trennt die jeweils von Indien und Pakistan beherrschten Teile Kaschmirs von einander.

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