CDU-Politiker verließ Talkshow bei Maischberger

Exklusiv-Interview mit Bosbach: „Es war völlig unerträglich“

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Erläutert seinen abrupten Abschied aus der Sendung: Wolfgang Bosbach sah keine Basis für eine Diskussion mit Jutta Ditfurth.

Mit seinem abrupten Abschied aus der Talkshow von Sandra Maischberger hat Wolfgang Bosbach für Aufsehen gesorgt. Im Interview erklärt der CDU-Politiker den überraschenden Schritt. 

München - Wolfgang Bosbach ­gehört zu den Politikern, die sehr gerne und sehr oft in Talkshows sitzen. Der 65-Jährige scheut auch keine noch so wilde Diskussion. Am Mittwoch ist ihm allerdings der Kragen geplatzt. Sandra Maischberger wollte über die G20-Krawalle reden, neben Bosbach war unter anderen Jutta Ditfurth (65) eingeladen. Und die Ex-Grünen-Politikerin reizte den CDU-Mann so sehr, dass er die Sendung verließ.

Herr Bosbach, mit ein bisschen Abstand - was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie die Talkshow verlassen haben?

Wolfgang Bosbach: Es war eine Kombination des Verhaltens von Frau Ditfurth und ihren Inhalten. Es fing damit an, dass sie permanent dazwischengeredet hat, mal lauter, mal leiser. Es ist von der Kamera ja gar nicht alles eingefangen worden, was alles passiert ist.

Was haben die Zuschauer daheim nicht gesehen?

Bosbach: Frau Ditfurth hat mehrfach mit den Augen gerollt, gestöhnt, abfällige Gesten gemacht, so was. Es gab ihrerseits keine Bereitschaft, auf andere Argumente einzugehen. Sie hat sich mit dem neben ihr sitzenden Hauptkommissar Joachim Lenders ja fast noch mehr angelegt als mit mir - und das in einer Weise, die ich für völlig unerträglich halte. Inakzeptabel war für mich aber vor allem ihre Argumentationslinie, die im Grunde aus nur zwei Thesen bestand. Erstens: Alle Gewalt in Hamburg ging von der Polizei aus. Will heißen: Wenn die Polizei nicht vor Ort gewesen wäre, wäre es vermutlich überhaupt nicht zu Straftaten gekommen. Und zweitens - und das ist gewissermaßen der ­rote Faden ihres ganzen ­Lebens: Die ­Polizei ist selber schuld, wenn 500 verletzte Polizistinnen und Polizisten zu beklagen sind. Die Verantwortung habe mit linker Gewalt nichts zu tun.

Dass Frau Ditfurth diese Thesen vertritt, ist nicht neu. Es war klar, dass Sie beide nicht einer Meinung sein würden. Sind Sie schon mit dem Gefühl in die Sendung gegangen, hier könnte es richtig ­krachen?

Bosbach: Nein. Es ist richtig, dass wir nicht einer Meinung sein würden. Das war von Anfang an klar. Aber dass sie permanent dazwischenquasselt, dass sie nicht bereit ist, auch nur eine ganz einfache Frage zu beantworten - etwa die, ob sie Vermummung für akzeptabel hält oder nicht -, dass sie den Polizeibeamten Lenders beleidigt, das habe ich nicht wissen können.

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Wenn eine Talkshow derart eskaliert, ist das auch die ­Verantwortung einer Moderatorin. Machen Sie Sandra Maischberger Vorwürfe?

Bosbach: Ich hatte gehofft, dass sie anders einschreitet. Es ist ja so: Ich habe nichts gegen lebhafte Debatten, auch nichts gegen einen flotten Zwischenruf, das ist alles in Ordnung. Das mache ich doch selber auch mal. Aber hier war ein vernünftiger Austausch von Argumenten wegen des Verhaltens von Frau Ditfurth überhaupt nicht möglich. So wurde der Sendung der Sinn entzogen. Ich habe dann im Lauf der Sendung sinngemäß gesagt: „Langsam reicht es mir. Hier muss sich was ändern, sonst gehe ich.“ Aber es ist nichts passiert. Die Vorwürfe, das will ich aber auch klar als Antwort auf Ihre Frage sagen, sind Frau Ditfurth zu machen, nicht Frau Maischberger.

Das Ende des Diskussionsstreits: Wolfgang Bosbach erhebt sich und verlässt das Studio.

Was ist passiert, nachdem Sie das Studio verlassen ­haben?

Bosbach: Ich bin nach Hause gefahren.

Hat sich am Donnerstagmorgen aus der Redaktion bei Ihnen jemand gemeldet? Oder Frau Maischberger?

Bosbach: Nein. Damit rechne ich auch nicht.

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Sie beenden jetzt Ihre Karriere als Abgeordneter. Macht dieser Umstand einen bei so einem Auftritt „freier“?

Bosbach: Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich habe mir schon so viel bieten lassen in Talkshows. Ich habe bei Herrn Jauch einen Imam erlebt, der wie ein Wasserfall redete. Ich saß bei Frau Will einer vollverschleierten Schweizerin gegenüber. Und jetzt Frau Ditfurth … Irgendwann ist auch mal gut. Irgendwann muss man ein Zeichen setzen und sagen: Danke, das war’s. Bis hierhin und nicht weiter.

Interview: Stefanie Thyssen

Andere Aufreger

Zehn Jahre ist es her, dass schon einmal ein Gast die Talkshow von Sandra Maischberger verlassen hat. Der Abgang von ­Joachim Bublath ging als „UFO-Eklat“ in die Geschichte ein. Nina Hagen hatte „außerirdisches Geschwätz“ von sich gegeben, was der ZDF-Wissenschaftsjournalist nicht ertragen konnte.

Dass ein Gast auch unfreiwillig ­eine Diskussionsrunde verlassen muss, hatte sich ebenfalls 2007 ereignet. Die einstige ­Tagesschau-Sprecherin Eva Herman wollte sich in der ZDF-Runde von ­Johannes B. Kerner nicht von ihren verquasten Äußerungen zur NS-Familienpolitik distanzieren - und bekam die Quittung: Kerner schmiss sie raus. Senta Berger konnte nur staunen. Um Herman ist es seitdem ruhig geworden. Heute kommt sie so gut wie nur noch auf ihrer eigenen Homepage zu Wort.

Musste vorzeitig gehen: Eva Herman wurde in der Sendung "Johannes B. Kerner" vom gleichnamigen Moderator aus dem Studio geschickt.

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