Doppelanschlag

Istanbul: 38 Tote und viele Verletzte

Polizisten stehen nach dem Anschlag in einem Bus. Im Zusammenhang mit den Attentaten wurden 13 Menschen festgenommen. Foto: Sedat Suna
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Polizisten stehen nach dem Anschlag in einem Bus. Im Zusammenhang mit den Attentaten wurden 13 Menschen festgenommen. Foto: Sedat Suna
Tief getroffene Polizisten umarmen einander nach dem Anschlag, bei dem viele ihrer Kollegen verletzt wurden. Foto: Sedat Suna
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Tief getroffene Polizisten umarmen einander nach dem Anschlag, bei dem viele ihrer Kollegen verletzt wurden. Foto: Sedat Suna
Ermittler machen sich nach den beiden Explosionen an die Sicherung der Spuren. Foto: Sedat Suna
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Ermittler machen sich nach den beiden Explosionen an die Sicherung der Spuren. Foto: Sedat Suna
Alarmstimmung nach dem Anschlag in dem beliebten Istanbuler Viertel Besiktas. Foto: Sedat Suna
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Alarmstimmung nach dem Anschlag in dem beliebten Istanbuler Viertel Besiktas. Foto: Sedat Suna
Polizei an der Vodafone-Arena in Istanbul. Foto: Sedat Suna
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Polizei an der Vodafone-Arena in Istanbul. Foto: Sedat Suna

Zahlreiche Tote und mehr als Hundert Verletzte - zwei schwere Anschläge erschüttern Istanbul. Ziel war offenbar die Polizei. Wer hinter der Tat steckt, bleibt weiter unklar.

Istanbul (dpa) - Die Zahl der Toten bei dem Doppelanschlag in Istanbul ist nach Angaben des türkischen Innenministers Süleyman Soylu auf 38 gestiegen. Nach neuesten Angaben seien weit über 100 Menschen bei einem Autobombenanschlag und einem Selbstmordanschlag kurz danach verletzt worden.

Das sagte Soylu in Istanbul. Ob das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug ebenfalls von einem Selbstmordattentäter gesteuert oder per Fernzünder in die Luft gejagt wurde, war zunächst nicht klar.

30 Opfer seien Polizisten, sieben Zivilisten. Die Identität von einer Person sei noch nicht festgestellt worden. Die Regierung geht davon aus, dass der zweite Anschlag am Samstagabend von einem Selbstmordattentäter ausgeführt wurde.

Erste Hinweise deuteten auf eine Täterschaft der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK hin, sagte Soylu weiter. Diese bekannte sich jedoch zunächst nicht. Im Zusammenhang mit den Attentaten wurden nach Angaben von Soylu 13 Menschen festgenommen.

Die erste Bombe wurde nach Angaben Soylus am Samstagabend in der Nähe des Stadions des Fußballclubs Besiktas im gleichnamigen Viertel gezündet. Es habe sich um eine Autobombe gehandelt, die nach ersten Erkenntnissen gegen die Sondereinsatzpolizei gerichtet war. Auf Bildern vom Tatort waren die Leichen von Polizisten und Leichensäcke zu sehen. 

Nur 45 Sekunden nach dem ersten Anschlag sprengte sich nach Angaben Soylus ein Selbstmordattentäter im Macka Park neben dem Stadion in die Luft. Auch dieses Attentat sei gegen Polizisten gerichtet gewesen, die die Gegend wegen eines Spiels der Erstligisten Besiktas und Bursaspor abgesichert hatten.

Das Spiel war etwa eineinhalb Stunden vor der ersten Explosion zu Ende gegangen. Die Zuschauer hatten sich zu dem Zeitpunkt schon zerstreut, es waren jedoch noch viele Polizisten vor Ort.

Das Match zwischen den verfeindeten Mannschaften galt als Hochrisikospiel, bei dem die Polizei Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen verhindern sollte. Ein Reporter sagte dem Sender CNN Türk, an diesem Samstagabend seien besonders viele Polizisten zur Absicherung des Spiels im Einsatz gewesen, weil die Fans von Bursaspor wegen einer Strafe überhaupt das erste Mal seit Jahren wieder zu einem Besiktas-Spiel zugelassen worden waren.

Die Behörden sprengten in der Nacht zum Sonntag außerdem ein verdächtiges Fahrzeug in der Nähe des Fußballstadions von Besiktas.

Vize-Ministerpräsident Kurtulmus sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, die Tatsache, dass eine Autobombe verwendet wurde, deute auf die PKK. Es seien außerdem zwischen 300 und 400 Kilogramm Sprengstoff verwendet worden. "Wo das Auto in die Luft gesprengt wurde, ist ein Graben entstanden und das Auto gibt es nicht mehr", sagte Kurtulmus. "Es ist völlig zerstört worden. Es ist ein riesiger Krater entstanden."

Präsident Erdogan erklärte, sein Land werde weiter gegen den Terror kämpfen. "Wann immer die Türkei einen positiven Schritt in Richtung Zukunft macht, ist die Antwort sofort Blut, Leben, Brutalität, Chaos mit den blutigen Händen von Terrororganisationen", hieß es in der auf der Webseite des Präsidenten verbreiteten Erklärung.

Der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge auf das Schärfste. "Wir stehen der Türkei zur Seite, unserem Nato- Verbündeten, gegen alle Terroristen, die die Türkei, die USA und den Weltfrieden und die Stabilität bedrohen", sagte Sicherheitsrats- Sprecher Ned Price in Washington. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kondolierte in einem Schreiben an ihren türkischen Kollegen. "Mein Gedanken sind mit Ihnen und allen, die unter diesem unmenschlichen Terror leiden."

Auf Fernsehbildern waren in der Nacht Rettungswagen zu sehen, die zur Unfallstelle rasten. Mehrere zerstörte Autos wurden gezeigt, darunter ein Minibus und ein von der Explosion getroffener Wasserwerfer. Die Explosionen waren mehrere Kilometer weit zu hören. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel und am Wochenende sehr belebt. Zunächst wurde von den Behörden eine Nachrichtensperre verhängt, die sich aber nicht auf öffentliche Verlautbarungen bezieht. 

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder deren Splittergruppe TAK verüben in der Türkei immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. Die türkische Armee geht seit Juli vergangenen Jahres in einer Militäroffensive gegen die PKK vor allem im Südosten des Landes vor. Damals war ein Waffenstillstand nach mehr als zwei Jahren gescheitert. Die PKK verübte seitdem wieder zahlreiche Anschläge im Land.

Die türkische Regierung macht aber auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für Attentate verantwortlich. Die türkische Armee und syrische Rebellen waren am Vortag nach heftigen Kämpfen in die syrische IS-Bastion Al-Bab vorgedrungen. Die Stadt unweit der Grenze zur Türkei ist die letzte IS-Hochburg in der nordsyrischen Provinz Aleppo. Türkische Jets hätten den Angriff aus der Luft unterstützt, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Die Türkei hatte im August eine Bodenoffensive in Syrien begonnen, mit der sie Rebellen unterstützt. Seitdem haben die Verbündeten im Zuge der Operation "Schutzschild Euphrat" den IS bereits von der türkisch-syrischen Grenze verdrängt. Die Türkei bekämpft in Nordsyrien zugleich die Kurdenmiliz YPG, die eng mit der PKK verbunden ist.

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