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Gentiloni zum neuen Regierungschef Italiens ernannt

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Gentiloni wurde zuletzt als Favorit für die Nachfolge von Matteo Renzi gehandelt.

Rom - Italiens bisheriger Außenminister Paolo Gentiloni ist zum neuen Ministerpräsidenten des Landes ernannt worden. Er steht für einen anderen Stil als sein Vorgänger Renzi.

Staatspräsident Sergio Mattarella beauftragte den 62 Jahre alten Sozialdemokraten mit der Bildung einer neuen Regierung. Das teilte der Sekretär des Präsidentenpalasts, Ugo Zampetti, mit. Die neue Regierung werde mit größter Entschlossenheit die dringendsten internationalen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen angehen, sagte Gentiloni.

Mattarella hatte am Samstagabend nach der Beendigung der Konsultationen mit den verschiedenen politischen Kräften im Land eine schnelle Lösung der Regierungskrise angekündigt. Italien brauche in kürzester Zeit eine voll funktionsfähige Regierung. Es gebe Verpflichtungen und Fristen, die eingehalten würden. "Es handelt sich um interne, europäische und internationale Verbindlichkeiten, Verpflichtungen und Fristen", hatte Mattarella gesagt.

Gentiloni muss nun eine Liste von Ministern zusammenstellen und zur Vereidigung zu Mattarella zurückkehren, bevor er von beiden Parlamentskammern in einem Vertrauensvotum bestätigt werden muss. Mattarella hatte seit Donnerstagabend mögliche Kandidaten und Mehrheiten geprüft. Das Prozedere dürfte nun innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein. Beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag in Brüssel könnte der neue Regierungschef dann sein Debüt geben.

Beobachter gehen davon aus, dass Gentiloni eine ähnliche Politik, aber einen anderen Stil als sein Vorgänger Renzi pflegen wird. Er gilt als besonnen und diplomatisch. Gentiloni müsste das Land voraussichtlich zu vorgezogenen Wahlen führen, die laut Staatspräsident Mattarella aber erst stattfinden können, wenn das Wahlrecht für Abgeordnetenhaus und Senat angeglichen ist. Die nächsten regulären Parlamentwahlen wären im Frühjahr 2018.

Paolo Gentiloni: Der zurückhaltende Adelige im Politikbetrieb Roms

Paolo Gentiloni ist nicht der Typ, der viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Der 62-Jährige tritt im teils turbulenten Politikbetrieb in Rom besonnen auf, ist einigen gar zu wenig Ellenbogenmensch, zu schüchtern und blass.

Der Adelsfamilie Gentiloni Silveri entstammend, hat sich der „proletarische Graf“ nach seinem Studium der Politikwissenschaft zum Kommunikationsexperten gemausert. Er arbeitete als Journalist und wurde in den 90er Jahren Sprecher des Bürgermeisters in Rom. Unter dem früheren Ministerpräsidenten Romano Prodi war er Kommunikationsminister. Gentiloni spricht neben Englisch und Französisch auch Deutsch.

Der gebürtige Römer wurde streng katholisch erzogen und politisierte sich früh. Als Jugendlicher soll er von Zuhause ausgerissen sein, um an einer Demonstration in Mailand teilzunehmen, und er engagierte sich fortan vor allem in linksgerichteten Bewegungen und Parteien. Schließlich fand er seinen Weg in den politischen Mainstream, war 2007 Teil des Gründerkreises des sozialdemokratischen Partito Democratico (PD), dem er noch heute angehört.

Gentiloni ist verheiratet, hat aber keine Kinder und spielt in seiner Freizeit gerne Tennis. Er gilt als Politiker, der sich auf das Wesentliche konzentriert und keine Spielchen treibt. Dass er im Kabinett Renzi 2015 das Außenministerium von Federica Mogherini erbte, als diese EU-Außenbeauftragte wurde, galt als Überraschung. Dank seines bisherigen Postens ist er mittlerweile auch über die Grenzen Italiens hinaus kein Unbekannter mehr.

dpa

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