Bisher keine Immigrationspolitik

Japan fehlt es an Arbeitskräften - Zaghafte Öffnung für Gastarbeiter 

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Arbeiter in Japan in der KFZ-Produktion.

Tokio - Japan ist stolz auf seine Homogenität, für Ausländer ist die Nummer Drei der Weltwirtschaft relativ verschlossen. Doch Überalterung führt zu zunehmendem Arbeitskräftemangel. So kommt auch Japan nicht darum herum, sich für Arbeitsmigranten zu öffnen - zumindest ein wenig.

Während US-Präsident Donald Trump mit seiner Einreisepolitik weltweit für Empörung sorgt, hält sich Japan mit Kommentaren auffallend zurück. Jedes Land müsse selbst entscheiden, wie es Immigration kontrolliert, wurde Japans rechtskonservativer Regierungschef Shinzo Abe kürzlich zitiert. Schließlich macht es Japans eigener Umgang mit diesem Thema für das Land schwierig, Kritik an anderen zu üben.

So zahlt Tokio zwar dem UN-Flüchtlingswerk hohe Summen, nimmt aber kaum Flüchtlinge auf: Von rund 11.000 Asylanträgen gab Tokio im vergangenen Jahr ganzen 28 statt. Und obgleich Japan ähnlich wie Deutschland oder andere europäische Länder mit einer rasanten Überalterung seiner Gesellschaft konfrontiert ist, betreibt die Nummer Drei der Weltwirtschaft anders als diese keine aktive Immigrationspolitik.

„Japan ist zwar kein Einwanderungsland, will aber mittelfristig Engpässe im Arbeitsmarkt abmildern“, erklärt Martin Schulz, Ökonom am Fujitsu Research Institute in Tokio, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Denn die Lage wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Angesichts der rasanten Überalterung und niedrigen Geburtenrate dürfte die Bevölkerungszahl Schätzungen zufolge in den nächsten 30 Jahren auf unter 100 Millionen fallen - und damit auch die Zahl derer im arbeitsfähigen Alter.

Branchen wie die Bauindustrie, die Gastronomie und der Pflegesektor leiden schon heute unter einem akuten Personalmangel. Japans Wirtschaftsdachverband Keidanren fordert denn auch schon seit langem eine Öffnung des Landes für mehr ausländische Arbeitskräfte. Rund 2,3 Millionen Ausländer leben in dem fernöstlichen Inselstaat, das ist ein Anteil an der Gesamtbevölkerung von gerade einmal 1,8 Prozent - verglichen mit durchschnittlich 12 Prozent im Raum der OECD-Staaten.

Doch der demografische Druck zwingt Japan, seine Tore für Arbeitsmigranten nun weiter zu öffnen, wenn auch nur zaghaft. Die Zahl ausländischer Arbeitskräfte hat sich immerhin von rund 486 000 im Jahr 2008 auf mehr als 900 000 im Jahr 2015 deutlich erhöht. Viele kommen dabei vorübergehend als „Trainees“ ins Land. Die Grundidee dieser Praktikumsvisa ist es, junge Ausländer aus Entwicklungsländern nach Japan zu holen und sie durch Arbeitserfahrung weiterzubilden.

Nachdem es dabei in der Praxis wiederholt zu Fällen von Ausbeutung gekommen war, hat die Regierung schärfere Kontrollen eingeführt. Jetzt will sie das Traineeprogramm zum Beispiel auf Arbeitskräfte im Pflegebereich, der Bauwirtschaft und im Agrarsektor noch ausweiten.

Daneben will die Regierung verstärkt hoch qualifizierte Ausländer anwerben, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Zu diesem Zweck plant Japan, das „weltweit schnellste“ Verfahren zum Aufenthaltsrecht einzuführen. Demnach sollen Ausländer, die über spezielle Kenntnisse in Bereichen wie Technik oder Wissenschaft verfügen, künftig bereits nach einem Jahr das Daueraufenthaltsrecht (eijuken) erhalten können. Normalerweise dürfen Ausländer erst nach zehn Jahren das eijuken beantragen.

Ausländische Unternehmer, Technologie-Experten, Wissenschaftler oder andere Ausländer mit Spezialkenntnissen konnten zwar schon nach Ablauf von fünf Jahren prinzipiell einen Antrag auf einen ständigen Wohnsitz in Japan beantragen. Diese Mindestdauer will die rechtskonservative Regierung jetzt zumindest deutlich absenken.

Doch bei all diesen Bemühungen achtet die Regierung Abe peinlich darauf, lediglich von Gastarbeitern zu sprechen, auf keinen Fall aber von Immigranten. Auch wenn der Druck von Unternehmensseite groß ist, versucht die Regierung weiter, eine umfassende Immigration wie beispielsweise in Deutschland zu vermeiden. Zum Beispiel dadurch, dass man die Älteren länger arbeiten lässt und mehr Frauen in den Arbeitsmarkt integriert. Und indem Japan vor allem die Automatisierung der Wirtschaft mit Hochdruck vorantreibt.

So ist Japan bei der Automatisierung in der Bauindustrie schon heute weltweit führend. Auch selbstfahrende Lastwagen oder Roboter als Helfer im Pflegebereich sind in Japan keine Zukunftsvisionen mehr. „Doch bei all der Automatisierung hat man inzwischen gelernt, dass man die Menschen mitnehmen muss“, erklärt Ökonom Schulz. „Große Beachtung finden daher Themen wie Industrie 4.0 und die Einbindung von älteren Arbeitnehmern.“ Ob sich durch all diese Maßnahmen auf Dauer eine verstärkte Immigration vermeiden lässt, bleibt abzuwarten.

dpa

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