Portrait

Jeremy Corbyn - der unterschätzte Labour-Parteirebell

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Jeremy Corbyn am Donnerstag beim Gang an die Wahlurne. 

Entgegen alle Erwartungen hat Jeremy Corbyn die britische Labour-Partei bei der Parlamentswahl der ersten Prognose nach zu einem Erfolg geführt. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Altlinke alle überrascht.

London - Jeremy Corbyn ist kein Mann großer Gesten. Ein hochgereckter Daumen, ein Lächeln. Das ist alles, was er gewöhnlich im Moment des Triumphs sehen lässt. Dabei wird Corbyn von seinen vor allem jungen Anhängern schon lange verehrt wie ein Popstar - ein Phänomen, das nun wohl auch in der Parlamentswahl Wirkung gezeigt hat. Ein überwältigender Sieg der Konservativen scheint abgewendet.

Abzusehen war das nicht: Umfragen vor der Wahl zufolge traute dem 68-Jährigen nur eine Minderheit der Briten das Amt des Regierungschefs zu. Doch Corbyn wurde nicht zum ersten Mal von seinen Gegnern unterschätzt.

In unserem Live-Ticker zur Neuwahl in Großbritannien halten wir sie über den aktuellen Stand auf dem Laufenden. 

Der dreifache Vater und in dritter Ehe verheiratete Politiker gilt als ehrliche Haut, als einer, der nicht mit schmutzigen Tricks kämpft. Persönliche Angriffe und Schmähungen beantwortet er nicht. „Das ist nicht mein Stil“, sagt Corbyn. Er konzentriert sich auf soziale Themen wie Wohnungsnot, den schlechte Zustand des Gesundheitssystems, Bildung und die Renten.

Corbyn gilt als absolut prinzipientreu. Dafür liebt ihn die Labour-Basis. Doch dazu muss man wissen: Viele seiner Anhänger sind der Labour-Partei erst vor Kurzem beigetreten. Manche gehen soweit zu sagen, Corbyn habe die Partei mit seiner Graswurzel-Bewegung gekapert.

Mehr als 30 Jahre lang ist er ein Hinterbänkler bei Labour im britischen Parlament. Corbyn macht sich als Parteirebell einen Namen. Seine Chancen darauf, in der Regierung zu gestalten, stehen lange Zeit gleich null.

Das ändert sich, als Labour 2015 krachend gegen die Konservativen verliert: Corbyn tritt für den Posten des Parteichefs an. Obwohl ihm nur Außenseiterchancen eingeräumt werden, gewinnt er mit deutlicher Mehrheit. Noch klarer ist sein Sieg ein Jahr später - als er in einer von der Fraktion erzwungenen Urwahl erneut triumphiert.

Die Neuwahlen in Großbritannien in Bildern

dpa

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