Harsche Kritik an Michael T. Flynn

Todenhöfer über Trump-Berater: „Tickende Zeitbombe“

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Jürgen Todenhöfer.

München - Publizist Jürgen Todenhöfer hat Donald Trumps Sicherheitschef Michael T. Flynn unter die Lupe genommen und stellt schockiert fest: Dieser Mann ist eine tickende Zeitbombe.

US-Präsident Donald Trump lässt sich von den Protesten gegen seinen Einreisestopp für Muslime aus sieben Ländern nicht beirren: Während die Großflughäfen quer durch die USA von erzürnten Demonstranten belagert werden, Politiker weltweit empört reagieren und erneut Hollywood-Stars bei einer Preisverleihung auf den Mann im Weißen Haus losgehen, hört der auf nur wenige Berater. 

Michael T. Flynn.

Vor einem der wichtigsten, Sicherheitschef Michael T. Flynn, warnt jetzt der Publizist Jürgen Todenhöfer (76). Der frühere CDU-Politiker hat Flynns Mitte 2016 erschienenes Buch „The Field of Fight“ gelesen, auf Deutsch etwa: das Schlachtfeld, der Bereich, in dem der Kampf entschieden wird. Todenhöfer ist aufs höchste alarmiert: Der Mann sei „eine tickende Zeitbombe, ein Sicherheitsrisiko!“ Dass Einflüsterer Flynn mit hinter dem Einreiseverbot steckt, ist für Todenhöfer offensichtlich.

Der gefährliche Einflüsterer

Vor zwei Wochen hatte Ex-Politiker Jürgen Todenhöfer die Hoffnung noch nicht aufgegeben, Trump werde als Präsident seine Wahlkampfparolen nicht umsetzen: „Wahl-und Regierungsprogramm sind in den USA meist zwei völlig verschiedene Paar Schuhe,“ schrieb Todenhöfer, obwohl skeptisch, auf seiner Internetseite. Es sei eine Frage demokratischer Fairness, Trumps „offizielles Regierungsprogramm abzuwarten, bevor man sich auf ihn stürzt“.

Nach der Lektüre von Flynns Buch scheint es mit der Zuversicht des Publizisten vorbei zu sein. Das Buch Flynns, quasi seine „Regierungserklärung“, versetzt Todenhöfer in tiefe Sorge. Trump habe den 58-Jährigen früheren Sternegeneral ein halbes Jahr nach dem Erscheinen dieses Werkes zum Nationalen Sicherheitsberater gekürt. „Manches in dem Buch ist chaotisch, widersprüchlich, verschwörungstheoretisch und hoch neurotisch. Fast alles ist rassistisch.“ Alles seien „Rambo-Thesen“ – Todenhöfer listet sechs davon auf:

Flynns Islamhass: Er weist den „Islamophobie“-Vorwurf liberaler Kreise an die Adresse der Islam-Kritiker zurück. Die tolerante Haltung sei offenbar als „Wiedergutmachung für eingebildete, imaginäre Sünden gegenüber Muslimen während des Kolonialismus“ gedacht. Barack Obama habe gar die „absurde Behauptung aufgestellt, der Islamische Staat habe nichts mit dem Islam zu tun.

Die USA befänden sich in einem „Weltkrieg“ gegen radikale Islamisten und „gegen eine Allianz der Staaten Iran, Syrien China, Nordkorea, Kuba, Nicaragua, Venezuela und Bolivien“. Russland gilt für Flynn erst seit November 2016 nicht mehr als zentraler Feind, notiert Todenhöfer.

Einreise in die USA: Bestimmungen und Rechtslage

„Iran ist der weltweit führende Terrorismus-Sponsor“, zitiert Todenhöfer Flynn. Selbst ein nicht-nuklear ausgerüsteter Iran sei eine „existenzielle Bedrohung Israels“.

Diplomatie werde „nicht ausreichen, um unsere Feinde zu zerschmettern. Wir müssen auch auf dem Schlachtfeld tätig werden!“

„Die Stärkung der Beziehungen zu Israel, Ägypten und Jordanien“ nennt Flynn als vordringliche Aufgabe. Gerade Israel sei „wichtig für uns, wenn wir die radikalen Islamisten und vor allem die Iraner besiegen wollen“.

Die schlimmsten Präsidenten seien Barack Obama und Jimmy Carter gewesen: „Sie ließen ,befreundete Tyrannen’ wie den Schah von Persien und Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak einfach fallen.“

Für den friedensbewegten Todenhöfer sind all das „aggressive, kriegerische und wirre Gänsehaut-Thesen“. Bei einigen „besonders widersprüchlichen Passagen habe ich ernsthaft an Flynns Verstand gezweifelt“. Selbst führende US-Politiker warnten zunehmend vor Flynn. Todenhöfer: „Frühere Militärvorgesetzte haben ihn mehrfach aufgefordert, sich maßvoller zu verhalten. Vergeblich! Flynn ist in allen sicher-heitspolitischen Fragen Trumps rechte Hand. Beängstigend!“ 

US-Einreiseverbot: Welche Deutschen betroffen sind

Das ist Sicherheitschef Michael T. Flynn

Für die Einstellung seines Wunsch-Sicherheitsberaters brauchte Donald Trump nicht die Zustimmung des Kongresses: So kommt es, dass Michael T. „Mike“ Flynn (58, Mitte) derzeit zu den wenigen Vertrauten des Präsidenten gehört. Flynn ist in Rhode Island geboren; nach seinem Studium schlug er die Militärkarriere ein. Zuletzt war er Kommandeur des Militärgeheimdienstes DIA. 2014 musste er den Posten vorzeitig verlassen. Obwohl er als Demokrat registriert ist, machte er Wahlkampf für Trump. Bemerkenswert sein Auftritt auf dem Republikaner-Parteitag: Er schrie ins Mikrofon, man solle Hillary Clinton „einsperren“. Dass er und Trumps ebenfalls umstrittener Chefstratege Steve Bannon (re.) jetzt quasi allein mit dem Präsidenten aus dem Oval Office regieren, ist für viele ein Albtraum.

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