Loyalitätsshow im Weissen Haus

Kabinettssitzung von Trump: Wie in Nordkorea

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Loyalitätsshow im Weissen Haus: Die Kabinettssitzung von US-Präsident Trump

Fast täglich hagelt es Hiobsbotschaften für US-Präsident Trump. Jetzt ließ der Attackierte seine Minister zur Jubelsitzung antreten – für die eigene Regierung.

Washington – Die Präsidentschaft des Donald Trump hatte seit dem 20. Januar diesen Jahres viele Gesichter. Ärgerliche Tweets mit vielen Ausrufezeichen, manchmal zu nächtlicher Stunde ohne jedes Gegenlesen eines Beraters abgefeuert und nicht immer zum Vorteil des Absenders und seiner Absichten. Faktenferne Übertreibungen wie bei der legendären Feststellung: Kein Präsident habe eine größere Besuchermenge bei der Amtseinführung gesehen. Oder bei der Zahl der angeblich von ihm geschaffenen Arbeitsplätze.

Dann schlagzeilenträchtige und wohl impulsive Personalentscheidungen wie das Feuern von FBI-Chef James Comey, das die Russland-Kontakte von Trumps Team noch weiter in den Vordergrund gerückt und ihm den Vorwurf der Justizbehinderung eingebracht hat. Auch Sonderermittler Robert Mueller könnte nun Berichten zufolge von Trump entlassen werden.

Kabinettssitzung wie in einer Monarchie

Doch jetzt ist das Erscheinungsbild des untraditionellsten amerikanischen Präsidenten der letzten Jahrzehnte um eine weitere Facette bereichert worden: Eine Kabinettssitzung, die von Inhalt und Verlauf wohl eher in eine Monarchie gepasst hätte, bei der ein Regent die Höflinge zu Ehrerbietungen nach dem Motto drängt: Sag was Gutes – oder der Kopf rollt. Einige Medienvertreter durften ausnahmsweise im Raum bleiben, als Trump nach seinen einführenden Worten plötzlich seine Minister aufforderte, sich reihum vorzustellen und etwas über die Arbeit seiner Regierung zu sagen.

Da ergaben sich kurios-bizarre Szenen. Vizepräsident Mike Pence, von Trump einst zwei Wochen lang über eine Lüge des entlassenen Sicherheitsberaters Michael Flynn im Dunkeln gelassen, sprach von „dem größten Privileg meines Lebens“, Trump dienen zu können. Justizminister Jeff Sessions, der in der Russlandaffäre auf dem Kapitol aussagte und dem unzufriedenen Chef seinen Rücktritt angeboten hatte, sprach von „einer Ehre, hier zu sein“. Der wankende Stabschef Reince Priebus, der nach einem Ultimatum Trumps am 4. Juli seinen Job verlieren könnte, bedankte sich schließlich für den „Segen“, Trump und den US-Bürgern dienen zu können.

„Wie in Nordkorea“, lästerte am Abend CNN-Moderator Anderson Cooper über die beispiellose Loyalitätsshow im Weißen Haus. Und der demokratische Senator Charles Schumer stellte mit Mitarbeitern die Kabinettssitzung in einem Satire-Video nach – nur um am Ende in schallendes Gelächter auszubrechen. Was beweist: Einmal mehr ist der größte Feind von Donald Trump – dessen Popularitätsquote bei nur 36 Prozent liegt – Trump selbst.

Parteifreunde von Trump: „Redet sich um Kopf und Kragen“

Parteifreunde des Republikaners können nicht begreifen, dass sich der Präsident täglich neu so angreifbar macht. „Er redet sich um Kopf und Kragen, und seine Probleme in der Russland-Untersuchung würden verschwinden, wenn er nur den Mund hält“, empfiehlt beispielsweise Ex-Präsidentschaftskandidat und Senator Lindsay Graham. Ari Fleischer, der frühere Pressesprecher von George W. Bush, hält für Trump den Ratschlag parat: „Einfach mal schweigen“. Und: Er werde sich bei den Russland-Untersuchungen in eine „gigantische Meineid-Falle“ reden, wenn er tatsächlich, wie vom Präsidenten angeboten, der Justiz Rede und Antwort stehe.

Doch niemand im Beraterkreis Trump kann sagen, ob dieser sich solche Ratschläge auch zu Herzen nimmt. Das Politik-Magazin „The National Interest“ sprach deshalb jetzt von „selbstzerstörerischen Tendenzen“ des ehemaligen Immobilien-Jongleurs, der durch die Entlassung des FBI-Direktors jeden Kredit verspielt habe, den er bis dahin aufgebaut hatte. Trump habe Probleme, sich selbst zu kontrollieren, und noch größere Schwierigkeiten, sich auszudrücken und zu erklären.

Doch das Magazin kommt dann zu einem Schluss, den auch manch andere in Washington teilen: Trump sei auch im Wahlkampf immer wieder für tot erklärt worden, nur um am Ende die Nase vorn zu haben. Ihn nach sechs Monaten Präsidentschaft bereits auszuzählen, sei deshalb leichtsinnig.

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