Weitere Posten im Trump-Kabinett besetzt

Klimawandel-Leugner wird Chef der US-Umweltbehörde

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Scott Pruitt ist als Kohlefreund und Klimwandel-Leugner bekannt. ausgerechnet er soll sich um die Umweltbelange der USA kümmern.

Washington - Das Kabinett des designierten US-Präsidenten nimmt Formen an. Mit drei neu besetzten Posten gibt Donald Trump klar die Richtung an - und empört die Demokraten. 

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat einen energischen Befürworter der fossilen Energien als Chef der mächtigen Umweltbehörde EPA nominiert. Der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Oklahoma, Scott Pruitt, soll die Behörde leiten, wie Vertreter von Trumps Übergangsteam laut US-Medien mitteilten.

Pruitt hat einen Großteil seiner sechsjährigen Amtszeit als oberster Strafverfolger des westlichen Bundesstaats darauf verwendet, gegen eben jene Behörde anzukämpfen, die er künftig leiten soll. Er wollte die Auflagen der EPA für den Energiesektor reduzieren. Im Rahmen einer noch anhängigen Klage mehrerer Bundesstaaten focht er zudem dafür, das Programm des scheidenden Präsidenten Barack Obama zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes aus Kraftwerken aufzuhalten.

Pruitt hat auch den menschengemachten Klimawandel in Zweifel gezogen. In einer Zeitungskolumne schrieb er, die Debatte darüber sei "noch lange nicht vorbei". Auch Trump hat den Klimawandel angezweifelt. Allerdings räumte er nach seinem Wahlsieg in einem Interview der "New York Times" ein, dass es wohl "eine gewisse Verbindung" zwischen dem menschlichen Handeln und der Erderwärmung gebe.

Der künftige Präsident hat gleichwohl eine Abkehr von Obamas Energiewende und eine Rückkehr zur Förderung fossiler Energieträger angekündigt. Damit wolle er "viele Millionen gut bezahlter Jobs schaffen". Seine Wahl für den künftigen EPA-Chef löste nun bei den Demokraten sowie Umweltorganisationen helle Empörung aus.

Der Generalstaatsanwalt sei nicht nur ein Leugner des Klimawandels, sondern auch jemand, der eng mit dem fossilen Energiesektor zusammengearbeitet habe, "um dieses Land nicht weniger, sondern stärker abhängig" von diesen Energieträgern zu machen, erklärte der in den Vorwahlen der Demokraten unterlegene Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders. Die Umweltorganisation Sierra Club kritisierte, die Nominierung Pruitts sei vergleichbar damit,

Hardliner: General Kelly wird Heimatschutzminister

Und noch ein General: Auch für den Posten des Heimatschutzministers soll der künftige US-Präsident Donald Trump einen pensionierten Militär ausgewählt haben, wie US-Medien berichten. Es handelt sich demnach um den 66-jährigen John Kelly, der Kampftruppen im Irak kommandierte und einen Sohn beim Militäreinsatz in Afghanistan verlor.

Kelly wäre ein weiterer Hardliner in Trumps Kabinett. Er tritt für eine rigorose Absicherung der US-Außengrenzen ein und hat auch - in unverblümter Opposition zu den letztlich fehlgeschlagenen Plänen des scheidenden Präsidenten Barack Obama - die Schließung des US-Gefangenenlagers in Guantanamo auf Kuba abgelehnt. Die Kritik von Menschenrechtlern an den dortigen Haftbedingungen tat er als "Torheit" ab.

Der zu Beginn dieses Jahres in den Ruhestand getretene Vier-Sterne-General war auf seinem letzten Posten direkt für Guantanamo verantwortlich: Der Marineinfanterist leitete das Südkommando der US-Streitkräfte, das die Militäreinsätze und -Kooperationen in Lateinamerika und der Karibik steuert.

Als Trumps mutmaßlicher Mann für das Heimatschutzministerium ist er nun voraussichtlich bereits der dritte pensionierte General, den sich der Immobilienmogul ins Regierungsteam holt: Ex-General James Mattis hat Trump als Verteidigungsminister, den ehemaligen General Michael Flynn als seinen Sicherheitsberater nominiert.

An der Spitze des nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gegründeten Heimatschutzministeriums wäre Kelly für die Umsetzung zentraler Vorhaben des designierten Präsidenten verantwortlich. Das Mammutministerium mit 240.000 Beschäftigten und 22 Unterbehörden ist unter anderem für die Bekämpfung des Terrorismus im Inland, die Sicherung der Grenzen und das Vorgehen gegen illegale Einwanderung zuständig.

Die von Trump angekündigte Abschiebung von Millionen von "Illegalen", die einen massiven Einsatz von Personal und Logistik erfordert, wird vom künftigen Heimatschutzminister zu steuern sein. Auch wird er für ein weiteres Lieblingsvorhaben des künftigen Präsidenten, den Mauerbau an der Grenze zu Mexiko, zuständig sein. Dieses Projekt wird allerdings wohl nicht ganz so gigantisch ausfallen, wie Trump im Wahlkampf getönt hat: Der gewählte Präsident hat zuletzt gesagt, dass die "Mauer" in manchen Abschnitten auch nur aus Zäunen bestehen könnte.

Kelly soll sich durch seine Erfahrungen im Südkommando in den Augen Trumps für den Ministerjob qualifiziert haben, wie die Zeitung "Washington Post" berichtete. Der General war dort auch für die Bekämpfung des Drogenhandels und der Schleuserkriminalität zuständig. Er warnte damals, dass die Routen der Drogenhändler potenziell von Terroristen für die Infiltrierung in die USA genutzt werden könnten.

Der aus der Ostküstenmetropole Boston stammende Kelly diente mehr als vier Jahrzehnte lang in der Marineinfanterie. Während der US-geführten Invasion im Irak im Jahr 2003 kommandierte er Truppen, die in heftige Kämpfe verwickelt waren - während dieses Einsatzes wurde er zum General befördert. Kelly kehrte später noch zwei Mal zu Einsätzen in den Irak zurück.

Der Ex-General ist allerdings nicht durchweg ein Hardliner. So hat er etwa - im scharfen Gegensatz zu Trumps anti-islamischen Tönen im Wahlkampf - für die Rechte religiöser Minderheiten plädiert. Die US-Soldaten "respektieren und kämpfen sogar für das Recht Deines Nachbarn, jeglichen Gott anzubeten", zitiert ihn die "Washington Post".

Ex-Wrestling-Managerin wird Trumps Mittelstands-Beauftragte

Vor neun Jahren rasierte er ihrem Ehemann die Haare ab - jetzt hat der künftige US-Präsident Donald Trump die Wrestling-Unternehmerin Linda McMahon in sein Kabinett berufen. Die 68-Jährige soll in der Regierung für den Mittelstand zuständig sein, wie Trump am Mittwoch bekanntgab.

Linda McMahon.

Als Leiterin der Behörde für kleine und mittlere Unternehmen unterstützt McMahon künftig rund 28 Millionen Firmen, die zusammen fast die Hälfte der Arbeitsplätze in den USA ausmachen. Ihr Posten ist dem eines Kabinettsmitglieds gleichgestellt. McMahon hatte von 1994 bis 2010 das auf Wrestling-Showkämpfe spezialisierte Unternehmen World Wrestling Entertainment (WWE) geführt.

In einer Mitteilung würdigte Trump McMahon als "eine der besten weiblichen Führungskräfte des Landes". Sie habe WWE "von einem bescheidenen Betrieb mit 13 Mitarbeitern zu einem internationalen Unternehmen mit mehr als 800 Mitarbeitern und Büros auf der ganzen Welt" gemacht. McMahon erklärte, sie fühle sich "geehrt", dass Trump sie ausgewählt habe.

Trump hatte im Wahlkampf drastische Steuersenkungen für Unternehmen versprochen. Außerdem hatte er angekündigt, bestimmte Vorschriften abzuschaffen, die nach seiner Ansicht das Wirtschaftswachstum behindern.

McMahon ist seit 50 Jahren mit dem Milliardär Vince McMahon verheiratet, mit dem Trump eine persönliche Fehde verbindet. Diese gipfelte 2007 im "Kampf der Milliardäre": Bei dem Show-Kampf stiegen stellvertretend für die beiden Unternehmer Kämpfer in den Ring. Nachdem Trumps Kämpfer gewonnen hatte, rasierte der Immobilienmilliardär seinem Rivalen aus der Wrestling-Branche live im Fernsehen den Schädel.

afp

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