Guttenbergs Rückkehr

Kommentar: Seehofers Gedankenspiele

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MM-Autor Mike Schier.
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CSU-Chef Horst Seehofer hält früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wieder für ministrabel. Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Mike Schier.

München - Was für ein Schauspiel: Ein wohlhabender Privatier, eingeflogen aus den USA, hält in bayerischer Provinz zu Hardrock-Klängen eine konservative politische Rede und wird dafür von Tausenden euphorisch gefeiert. Der Testballon, den Horst Seehofer mit der zwanglosen Einbindung des tief gefallenen Karl-Theodor zu Guttenberg in den Wahlkampf startete, steigt höher, als selbst der CSU-Chef zu träumen wagte. Man könnte meinen, die peinliche Plagiatsaffäre und den noch peinlicheren späteren Umgang mit ihr habe es nie gegeben.

Die Botschaft der ersten beiden Auftritte von „KT“ lautet: Zumindest in Bayern ist er voll rehabilitiert – obwohl er sich nicht gerade demütig in der zweiten Reihe anstellen will. Stattdessen pflegt die CSU mit Guttenberg jenes Modell des angeblich unabhängigen Quereinsteigers, das in Frankreich Emmanuel Macron, in den USA Donald Trump und in Österreich Sebastian Kurz nach oben spülte. Wo Angela Merkel, Martin Schulz, aber auch Joachim Herrmann für bodenständige, aber eben langweilige Kontinuität stehen, beflügelt der Adelige plötzlich (wieder) die Fantasie. Ob der Doktor a. D. einhält, was sich andere von ihm versprechen, steht auf einem anderen Blatt.

Die CSU mag fürs Erste von ihm profitieren. Spannender aber ist, wie es nach dem 24. September weitergeht. Seehofer dürfte es jedenfalls prima gefallen, dass er in Interviews plötzlich nicht mehr nach Markus Söder gefragt wird, um den es derzeit auffallend ruhig ist. Vielleicht gelingt es dem CSU-Chef sogar, Guttenberg auch dauerhaft wieder in der ersten Reihe der CSU zu etablieren. Ob es Söder dann noch bereuen wird, die Spitzenkandidatur für Berlin so übereilt abgelehnt zu haben?

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