Attentäter Amri in Mailand erschossen

Kommentar: Der Kampf geht erst los

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Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

München - Nach dem Tod des Attentäters von Berlin herrscht in Deutschland große Erleichterung. Doch der Anschlag zeigt, wie schlecht das Land auf die Terrorgefahr vorbereitet ist, meint Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.

Grazie! Am Ende waren es Carabinieri und Kommissar Zufall, die den Jägern des zwölffachen Mörders Anis Amri zu Hilfe eilten. Bei einer ganz normalen Personenkontrolle in Mailand ging der Attentäter der Polizei ins Netz. Die Italiener waren ihren deutschen Kollegen noch einen Gefallen schuldig. Von Italien aus hatte sich der im Gefängnis radikalisierte Tunesier im Jahr 2015 nach Deutschland durchgeschlagen. Warum die deutschen Behörden bei seiner Registrierung als Flüchtling zunächst nichts von seinen Vorstrafen wussten – ob die Italiener Amris Fingerabdrücke nicht in die europäische Datenbank eingepflegt hatten oder ob die deutschen Beamten bei seiner Erfassung in Kleve beim Datenabgleich geschlampt haben – zählt zu den vielen Ungereimtheiten dieses Falls, die nun zu klären sind.

Die gute Nachricht vor Weihnachten ist: Die Berliner können aufatmen. Das gilt auch für die dortige Polizei. Sie und die übergeordneten Sicherheitsbehörden werden sich aber kritischen Fragen stellen müssen. Wie konnte es sein, dass ein Gefährder, dessen Terrorabsicht bekannt war, nicht besser überwacht wurde? Und wie konnte er unbehelligt die Stadt verlassen und per Zug tagelang kreuz und quer durch Europa reisen? Viele haarsträubende Pannen werden schonungslos aufzuklären sein, damit beim nächsten Mal nicht wieder Unschuldige sterben müssen. Der Kampf gegen den Terror geht für Deutschland, seine Regierung und seine Sicherheitsapparate gerade erst los. Gefragt ist jetzt langer Atem. Und die Bereitschaft aller, unter Beiseitelassung alter Denkverbote konstruktiv mitzuwirken. Über die Abschaffung des Verfassungsschutzes müssen sich die Grünen den Kopf jedenfalls nicht mehr zerbrechen.

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