Es wird brenzlig

Kommentar zur Regierung Trump: Realität krasser als Fiktion

Politik-Redakteurin Barbara Wimmer.

Täglich verlauten aus dem Weißen Haus haarsträubende Nachrichten, die von denen des Folgetages übertroffen werden. Langsam wird es für Präsident Trump brenzlig, meint Politik-Redakteurin Barbara Wimmer in ihrem Kommentar.

In den Neunzigern lief in den USA eine populäre und vielfach preisgekrönte TV-Serie mit dem Titel West Wing. Wie der Name vermuten lässt, spielte sie im Machtzentrum des Weißen Hauses, dem Oval Office, den Büros des Stabschefs, der Pressesprecherin, der Politprofis dort – alle hoch qualifiziert und dazu noch unterhaltsam. 

Der Präsident, verkörpert von Martin Sheen: eine Respektsperson, von seinen Leuten verehrt. Seine Handlungen (nicht immer ganz astrein) wägte er ab und besprach sie oft mit seinen Vertrauten. An diese dem Vernehmen nach recht realistische Darstellung früherer US-Regierungen sei hier aus Nostalgie-Gründen erinnert, denn die Gegenwart in Washington ist so furchteinflößend anders. Präsident Trump ließ bisher nicht erkennen, mit welchen seiner drakonischen Erlasse er das Schicksal der „vergessenen“ Amerikaner verbessern will. 

Täglich verlauten aus seinem Haus haarsträubende Nachrichten, die von denen des Folgetages übertroffen werden. Der Nationale Sicherheitsberater tritt zurück, weil er schon vor seiner Ernennung den Russen die Aufhebung von Sanktionen versprach? Kalter Kaffee! Inzwischen ist klar, dass eine ganze Reihe von Trump-Wahlkampfleuten munter mit Vertretern Moskaus verhandelt hat. 

Langsam wird es für den Präsidenten brenzlig. Abrupt vollführt der selbst deklarierte Putin-Freund eine 180-Grad-Wende, zeigt plötzlich Härte und fordert von Russland die Rückgabe der Krim an die Ukraine. Was derzeit im realen Washington abgeht, wäre für den fiktiven „West Wing“ zu krass und unglaubwürdig gewesen.

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