Wohin mit 1,85 Mio. Menschen?

Wachstumsschmerzen in München - Doch der Zuzug wird munter weitergehen

Ohne Zweifel benötigt München mehr bezahlbaren Wohnraum - nur wie soll der geschaffen werden? Wir erklären die Pläne der Politiker vor der Kommunalwahl im März.

  • Trotz Wohnungsnot und hoher Mieten herrscht reger Zuzug nach München.
  • 2040 sollen etwa 350.000 Menschen zusätzlich in der Stadt wohnen.
  • Hier gibt‘s die Lösungsansätze der OB-Kandidaten bei der Kommunalwahl 2020.

München - Mehr als 1,5 Millionen Menschen leben in München, genauer gesagt in 801.816 Wohnungen, die sich auf 142.568 Gebäude verteilen. Im Jahr 2040 werden einer Prognose des Planungsreferates zufolge voraussichtlich 1,85 Millionen Menschen in München leben. Das bedeutet ein Bevölkerungswachstum von 18,8 Prozent. Eine entscheidende Frage ist: Wo sollen diese Menschen alle wohnen?

Wie das Planungsreferat auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, gibt es in München derzeit noch Potenzial für 72.500 Wohnungen. Das hat eine Potenzialabschätzung 2018 ergeben. Die Zahlen seien aber laut Referatssprecher nicht statisch. „2015 sind wir noch von rund 60.000 Wohnungen ausgegangen. Zur Abschöpfung des vorhandenen Potenzials werden fortlaufend neue Areale erschlossen, die dichter bebaut werden als zunächst vorgesehen. Außerdem können inzwischen auch komplexere Flächen mobilisiert werden.“

Wohnungsnot München: Lösungsansätze der OB-Kandidaten bei der Kommunalwahl 2020

Egal, wer nach der Kommunalwahl am 15. März im Rathaus auf dem Chefsessel sitzt: Die Frage nach neuen Wohnungen wird sich für den neuen Amtsinhaber stellen. Die Kandidaten haben hier ganz unterschiedliche Lösungsansätze. OB Dieter Reiter (SPD) will beispielsweise nicht um jeden Preis nachverdichten. „Ich will auch keine Grünflächen ver- oder gar die Gartenstädte zubauen. Vielmehr müssen wir dort, wo wir bauen, auch höher bauen, wobei ich nicht an Hochhäuser denke.“ Echte Hochhäuser könnten vielleicht architektonisch interessant sein, bezahlbare Wohnungen entstünden darin aber sicher nicht. „Entscheidend ist, dass möglichst viele günstige Wohnungen entstehen. Deshalb will ich beispielsweise eine Anpassung unserer SoBoN-Regelung erreichen und so den Anteil an preisgebundenen Wohnungen in Neubaugebieten erhöhen.“

Bauen, bauen, bauen – wie hier in Freiham – oder lieber nachverdichten? Die OB-Kandidaten haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll.

CSU-OB-Kandidatin Kristina Frank will „innovativ und verantwortungsbewusst bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig unsere Grünflächen schützen. Das Potenzial für neuen Wohnraum in München ist endlich. Deswegen darf es keine Denkverbote für kreative Baulandschaffung geben.“ Frank bringt etwa Aufstockungen ins Spiel. Innerhalb des Mittleren Rings sollen Gebäude um zwei Stockwerke erhöht werden. „Dadurch könnten wir Platz für bis zu 100.000 Menschen schaffen. Gleichzeitig können wir Verkehrsachsen deutlich besser nutzen, indem wir sie überbauen. Etwa die A96 oder die Stammstrecke.“

Kommunalwahl 2020 in München: Werden Freiflächen im Nordosten geopfert?

Die OB-Kandidatin der Grünen, Katrin Habenschaden, sieht noch Potenzial für Wohnungsbau – vor allem bei den Freiflächen im Norden und Nordosten der Stadt. In beiden Fällen will sie an den städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen festhalten. „Eine SEM ermöglicht es, 90 Prozent der Wohnungen preisgedämpft zu gestalten und darüber hinaus die Investoren an den Kosten der Infrastruktur zu beteiligen. Die SEM-Gebiete würden über großflächige Natur- und Freizeitflächen verfügen, das ist mir besonders wichtig.“ Zudem sollten bereits versiegelte Flächen, die aus der Zeit gefallen sind, neu genutzt werden, beispielsweise der Euro-Industriepark.

Im Interview mit dem Münchner Merkur hat Ministerpräsident Markus Söder im Sommer 2019 über seine Agenda bei Klimaschutz, Verkehr und Wohnungsbau geredet und sagte: „München darf kein Metropolis werden“.

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