Sieben Landtagskandidaten bei SHR-Infoveranstaltung in Prutting

Beim Thema "Trinkwasser" liegen die Nerven blank

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Stellten sich den Fragen der Bürger (v.l.): Die Landtagskandidaten Michael Linnerer (FDP, RO-West), Leonhard Hinterholzer (Grüne, RO-Ost), Klaus Stöttner (CSU, MdL, RO-Ost), Josef Fortner (ödp, RO-Ost), Alexandra Burgmaier (SPD, RO-West), Mary Fischer (Freie Wähler, RO-Ost) und Sepp Lausch (Bayernpartei, Bad Tölz-Wolfratshausen). 
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Prutting - Zu einer großen Informationsveranstaltung mit dem Thema "Druck auf den ländlichen Raum: Stadt-Land-Konflikt oder unvermeidbare Notwenigkeit?" lud am Mittwochabend die Schutzgemeinschaft Hofstätter- und Rinser See (SHR) in den Dorfstadl nach Prutting. Auch sieben Landtagskandidaten stellten sich den Fragen der Bürger. Diskutiert wurde allerdings recht wenig, vielmehr war der Abend von lautstarken Zwischenrufen und gegenseitigen Vorwürfen geprägt.

Einen großen Themenkomplex hatte sich die SHR am Mittwochabend im Pruttinger Dorfstadl vorgenommen - zu groß, um für die Themen "Brenner-Nordzulauf", "A8-Ausbau" und "3. Brunnen der Rosenheimer Stadtwerke am Hofstätter See" eine vernünftige Debatte durchführen zu können. Nach rund vier Stunden endete die Diskussionsrunde mit der Erkenntnis, dass es dem Gros der rund 100 anwesenden Bürger in erster Linie um den umstrittenen Pumpversuch am Hofstätter See ging, dass die Fronten zwischen den Pruttingern und Vogtareuthern, die jetzt einen eigenen Standort für ihren eigenen Brunnen ebenfalls in der Nähe des Hofstätter Sees gefunden haben, sowie den Stadtwerken Rosenheim ziemlich verhärtet sind und dass kein Konsens für das Problem gefunden werden konnte.

Streitpunkt 3. Brunnen am Hofstätter See

Der Streit um den geplanten dritten Brunnen der Stadtwerke Rosenheim schwelt schon seit 20 Jahren. Um für den Notfall gerüstet zu sein, sei ein dritter Brunnen unabdingbar, so die Begründung der Stadtwerke. Massiver Widerstand regt sich allerdings über den geplanten Standort, der sich im Bereich des Naturschutzgebietes des Hofstätter Sees, des Rinser Sees und des Burger Mooses befindet.

Die Standpunkte der SHR

SHR-Infobroschüre:

Die Informationsveranstaltung im Pruttinger Dorfstadl begann mit zahlreichen Vorträgen von SHR-Mitgliedern, Experten und Unterstützern aus den Nachbarlandkreisen. Ausführlich stellten die Redner ihre Standpunkte vor: Warum ein dritter Brunnen das Naturjuwel am Hofstätter See und die Existenz der angrenzenden Landwirte aufgrund der Ausweitung der Wasserschutzzonen gefährde und warum es keine neuen Trassen für den Brenner-Nordzulauf brauche. (Siehe SHR-Infobroschüre und Fotostrecke)

SHR-Infoveranstaltung: Druck auf den ländlichen Raum

Hat MdL Stöttner den SHR-Mitgliedern gedroht?

Neben den ständigen Zwischenrufen aus dem Publikum und den lautstarken Diskussionen und Streitereien unter den Pruttinger und Vogtareuther Zuschauern selbst, kam es beim Vortrag von SHR-Mitglied Barbara Stein zu einem kleinen Eklat. Stein warf dem Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner (CSU) vor, er habe vor einiger Zeit gesagt, Prutting solle sich nicht querstellen, sonst werde man ihnen alle Brunnen schließen. Pruttings Bürgermeister Hans Loy, der die Veranstaltung moderierte, habe diese Drohung auch gehört und könne sie bestätigen, so Stein. 

Der Aufruhr unter den Zuschauern war enorm. Stöttner selbst wehrte sich gegen diese Behauptung vehement und stellte die Frage: "Ist das euer neuer Stil? Die Barbara sagt hier etwas, das nicht stimmt!"

Pruttings Bürgermeister wollte sich zu den Behauptungen nicht äußern und verwies darauf, dass diese Diskussion nicht in die Öffentlichkeit gehöre. Der Aufschrei im Publikum war groß, man solle endlich mit der Wahrheit herausrücken. Was aber nicht geschah.

Am Ende der Veranstaltung blieben beim neutralen Zuschauer mehr Fragezeichen als Antworten. Es wurde aber eines ganz deutlich: Dieser Konflikt wird so schnell nicht beendet sein - und auch bei den Landtagskandidaten hörte man im anschließenden Gespräch nicht nur einmal, dass dieser Konflikt, bei dem die Nerven offensichtlich blank liegen, wohl nur mit Hilfe eines Zweckverbands oder eines Mentors gelöst werden könne.

Die Standpunkte der Landtagskandidaten zum "Stadtwerke-Streit"

  • Sepp Lausch (Bayernpartei, Direktkandidat Stimmkreis Bad Töz-Wolfratshausen, Garmisch-Partenkirchen): "Beim Stadtwerke-Streit liegen sich die beteiligten Personen persönlich über Kreuz und es geht nichts weiter. Der Chef der Stadtwerke kann provozieren und man sollte sich fragen, ob man nicht die Verhandlungspartner austauscht. Man muss hier aber auch beide Seiten sehen, die Stadt muss sich für Notfälle absichern. Warum nicht als Kompromiss, dass man vertraglich festhält, dass der dritte Brunnen nur in Notfällen genutzt wird? Und komplett gegen den Bürgerwillen wird es nicht gehen. Warum also keine Alternative? Und der Heimat- und Naturschutz muss hier natürlich eine wichtige Rolle spielen."
  • Mary Fischer (Freie Wähler, Direktkandidatin Stimmkreis Rosenheim-Ost): "Das Wasserwitschaftsamt und die Stadtwerke arbeiten hier nicht vernünftig. Und ich muss mich schon fragen, was hier schief läuft. Scheinbar ist der Bürger nicht mehr wichtig. Er muss sich für seine Belange und Interessen aufopfern, obwohl es gewählte Vertreter gibt - das geht aus meiner Sicht gar nicht."
  • Alexandra Burgmaier (SPD, Direktkandidatin Stimmkreis Rosenheim-West): "Ich bin hier auf der Seite der Landkreis-Kommunen. Die Kommunen würden ihre Grundlage nie zerstören. Und dass die Stadtwerke auf Augenhöhe mit den Kommunen agieren? Nein, denn es geht hier um unseren Grund! Und warum hält man an dem Standort Hofstätter See seit 20 Jahren fest? Warum sucht man nicht nach anderen geeigneten Standorten? Und was, wenn jetzt der Notfall eintritt? Dann gibt es auch keine Lösung."
  • Josef Fortner (ödp, Direktkandidat Stimmkreis Rosenheim-Ost): "20 Jahre wurde der dritte Brunnen nicht gebraucht und für den Notfall müsste bereits ein anderer Brunnen da sein. Man müsste in anderen Gebieten eine einfachere Lösung suchen. Gebiete, die nich in einem so sensiblen Schutzgebiet liegen. Für den reinen Notfall gäbe es auch andere Standorte. Da ist zwar die Wasserqualität nicht so hoch, aber mit einer UV-Behandlung würde das für den Notfall ausreichen."
  • Klaus Stöttner (CSU, MdL, Direktkandidat Stimmkreis Rosenheim-Ost): "Ziel ist, jede Stadt und jede Gemeinde mit gutem Trinkwasser zu versorgen. Ich hätte mir deshalb einen Zweckverband mit der Stadt und den Gemeinden gewünscht, was aber nicht gemacht wurde. Damit wären wir dem Ziel einer guten Wasserversorgung für alle Gemeinden bereits viel weiter." Und in Richtung Rosenheimer Stadtwerke: "Viele Fragen sind hier nicht beantwortet worden. Man muss die Leute besser informieren, dass der dritte Brunnen nur im Notfall für ca. 100.000 Menschen genutzt wird, wenn zum Beispiel der Brunnen in Willing ausfällt. Die Leitungen würden also nur im Notfall betrieben werden, sonst sind sie voll mit Stickstoff."
  • Leonhard Hinterholzer (Grüne, Direktkandidat Stimmkreis Rosenheim-Ost): "Ich habe mit den Stadtwerken und dem Bund Naturschutz gesprochen. Die Wasserversorgung ist für das Allgemeinwohl sehr wichtig und die Stadt begründet den dritten Brunnen damit, dass sie Reserven brauche. Ich bin bei dem Thema kein Experte, aber laut Stadt mache die Bohrung Sinn. Und ich stimme hier mit Klaus Stöttner überein, dass hier ein Zweckverband Sinn machen würde."
  • Michael Linnerer (FDP, Direktkandidat Stimmkreis Rosenheim-West): "Die Untersuchungsergebnisse und die Bedenken von Herrn Ringler, welche negativen Auswirkungen ein Brunnen auf das Burger Moos hätte, klingen einleuchtend. Jetzt müsste man diese Aussagen noch von einem externen Experten verifizieren lassen und mit den Fakten dann eine Entscheidung treffen. Es macht aber keinen Sinn, wenn das Leute tun, die keine Ahnung haben."

Die Standpunkte der Landtagskandidaten zum "Brenner-Nordzulauf"

  • Sepp Lausch (Bayernpartei): "Als Tattenhausener bin ich selber betroffen und ich sehe keinen Bedarf. Wir müssen den Zulauf mit allen legalen Mitteln verhindern. Das wäre die größte Katastrophe aller Zeiten!"
  • Mary Fischer (Freie Wähler): "So lange die Maut und der Diesel so günstig sind, gibt es keinen Bedarf, denn die Schiene ist weiterhin zu teuer. Um den Lkw-Verkehr auf die Schiene zu bringen, brauchen wir politische Maßnahmen, die die Wirtschaft unter Druck setzen. Aber selbst dann reicht es, die Bestandsstrecken herzurichten. Warum wertvolle Heimat aufgeben?"
  • Alexandra Burgmaier (SPD): "Ich bin aus Raubling und kenne das Thema seit 20 Jahren. Damals hieß es, der Tunnel werde nie kommen. Jetzt ist er da, aber ich gebe hier den Experten Recht, der Südtrassenzulauf wird nicht funktionieren. Warum sollten also wir voranschreiten? Ich bin gegen oberirdische Hochgeschwindigkeitstrassen. Ich möchte meine Heimat nicht hergeben. Zudem kriegt es die Bahn eh nicht hin, den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern."
  • Josef Fortner (ödp): "Aus meiner Sicht sollten hier keine neuen Trassen entstehen, sondern der Bestand optimiert werden. Mehr Züge sind auf den bestehenden Gleisen möglich."
  • Klaus Stöttner (CSU, MdL): "Ich bin froh, dass wir darüber reden. Aktuell fahren 2,5 Millionen Lastwagen über den Brenner, im Inntal staut es sich. Aber was ist die richtige Lösung? Ein höherer Bedarf auf der Schiene ist fraglich und die aktuellen Pläne sind in vielen Punkten nicht akzeptabel. Wir brauchen den Dialog und ein Bestreben, den Bestand auszubauen."
  • Leonhard Hinterholzer (Grüne): "Ich habe Zweifel, ob es einen neuen Brenner-Nordzulauf braucht. Vielmehr würde eine Alpen-Transit-Börse Sinn machen, um den Brenner zu entlasten."
  • Michael Linnerer (FDP): "Ich bin für Ausbau vor Neubau. Und allgemein müsste bei Großprojekten das Management verbessert werden. Dafür bräuchte es frühzeitige Informationen, einen neutralen Schiedsrichter, der die Hoheit hat, die Fakten müssten auf den Tisch, man müsste miteinander reden und die Fragen nach dem Ob und das Wie klären und letztendlich bräuchte es ein Infrastrukturgesetz für eine schnelle Umsetzung."

Das Thema "A8-Ausbau" wurde bei der Veranstaltung letztendlich nur am Rande gestreift. Nicht alle Landtagskandidaten trafen hierzu eine Aussage.

vod

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