Im Porträt

Landtagswahl im Saarland: An der Spitze bleiben zwei Frauen

+
Wahlkampf beendet: SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger (li.) umarmt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Saarbrücken - Annegret Kramp-Karrenbauer mag klare Worte, vor allem auf Saarländisch. Anke Rehlinger ist eine Kämpferin. Die eine siegt, die andere bleibt wahrscheinlich Saarlands Nummer zwei.

Annegret Kramp-Karrenbauer bleibt auch bei ihrem bisher größten Triumph auf dem Boden. Sie hat die Wahl im Saarland gewonnen. „Ich bin platt“, räumt die amtierende saarländische Ministerpräsidentin am Sonntagabend bei der Wahlparty ein, wird dann aber gleich wieder sachlich und blickt schon auf die Arbeit der nächsten Tage. Die 54-Jährige ist immer wieder für höchste politische Ämter in Berlin im Gespräch, doch bisher ist „AKK“, wie sie im Saarland genannt wird, ihrer Heimat treu geblieben.

Alle aktuellen Informationen zur Landtagswahl im Saarland in unserem Live-Ticker.

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer.

Und das will sie auch weiterhin - mit dem Rückenwind ihres Ergebnisses der Landtagswahl am Sonntag. Im kleinsten Flächenland der Republik ist sie geboren und aufgewachsen, da lebt ihre Familie und dort spricht man Saarländer Dialekt: „Für mich ist, wenn ich mich wirklich daheim fühlen will, es absolut notwendig, dass ich Platt rede“, sagt sie.

Ihre steile Politik-Karriere hat sie nicht geplant. „Viele glücklichen Zufälle haben mir dabei geholfen“, sagt die Mutter von drei Söhnen, seit 2011 erste Ministerpräsidentin des Saarlandes. Eigentlich wollte sie vor dem Abitur Hebamme werden, danach Lehrerin. Als 18-Jährige trat sie in die CDU ein und studierte Jura und Politik. Ihre politische Leidenschaft hatte sie da bereits entdeckt - für ihr Heimatland im Südwesten Deutschlands. „Ich fühle mich hier im Saarland ungeheuer wohl.“

Sie begann als Stadtratsmitglied in Püttlingen, seit 1999 sitzt sie im Landtag. Im Jahr 2000 berief sie der damalige Ministerpräsident Peter Müller (CDU) zur ersten Innenministerin in Deutschland. Danach war sie Bildungs-, Kultus- und Sozialministerin, bevor sie 2011 Regierungschefin einer schwarz-gelb-grünen „Jamaika“-Koalition aus CDU, FDP und Grünen wurde. Anfang 2012 beendete sie das Bündnis und regiert seitdem nach einer Neuwahl mit den Sozialdemokraten. Alles sieht so aus, dass das auch in den nächsten fünf Jahren so bleibt.

Die Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel pflegt einen nüchtern-analytischen Politikstil, wirkt stets überlegt und unaufgeregt. Die Begeisterung um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sah sie gelassen. Sie gilt als durchsetzungsstark, auch bei Saar-Angelegenheiten in Berlin und sitzt seit 2010 für die CDU im Bundespräsidium.

Sie kann gut mit den Leuten „schwätzen“. „AKK“ ist beliebt: Gesprächspartner loben ihre „offene, kommunikative Art“. Und sie kann auch witzig sein: Zu Karneval tritt sie seit Jahren als „Putzfrau Gretel vom Landtag“ auf und zieht Politiker aller Couleur durch den Kakao, sich selbst eingeschlossen: „Man muss sich auch auf die Schippe nehmen können.“

Wahlziel verfehlt: Anke Rehlinger bleibt Juniorpartnerin

Während Annegret Kramp-Karrenbauer ein hervorragendes Ergebnis für ihre Partei einfährt, muss Anke Rehlinger eine Niederlage einstecken. Wenn es bei einer großen Koalition bleibt, ist sie die Nummer zwei im Saarland. Die Enttäuschung steht Anke Rehlinger ins Gesicht geschrieben. Als einzige Spitzenpolitikerin betritt sie die Saarlandhalle wortlos. In den dort aufgebauten Fernsehstudios muss sie ihre deutliche Niederlage eingestehen, geschlagen mit rund elf Prozentpunkten Abstand.

Gefasst, aber sichtlich bedrückt steht sie später vor Parteimitgliedern in der Congresshalle von Saarbrücken. Die Sprechchöre mit ihrem Namen können ihr kein Lächeln entlocken. „Ein bisschen traurig dürfen wir sein“, ruft sie den Genossen zu. „Ich hätte gern ein besseres Ergebnis mitgebracht. Es sollte nicht sein.“

SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger.

Aber Rehlinger wäre nicht die Kämpferin, die sie als Kugelstoßerin und Diskuswerferin gewesen ist, wenn sie nicht wieder nach vorn schauen würde. Bei den nächsten Wahlen in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen könne dieser Amtsbonus ja mal den Sozialdemokraten zugute kommen, sagt sie trotzig. Und im Saarland will sie weiter auf eine gute Zukunft hinwirken, wie sie sagt. Die Zusammenarbeit in der gemeinsamen Regierung hat verhindert, dass Rehlinger und die CDU-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer im Wahlkampf heftiger aneinander geraten sind - anders als etwa vor einem Jahr im benachbarten Rheinland-Pfalz mit dem Duell zwischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner. „Die Anke hat gekämpft wie ein Tier“, sagt Bildungsminister Ulrich Commerçon auf der SPD-Wahlparty. Mit der Forderung nach einer gebührenfreien Kita, der Wahlfreiheit für „G9“ zur Dauer des Schulunterrichts an Gymnasien hatte sich Rehlinger zwar von der CDU abgesetzt. Und mit ihrem Plädoyer für eine Reform des mit der Agenda 2010 geschaffenen Systems demonstrierte sie den engen Schulterschluss mit Kanzlerkandidat Martin Schulz. Am Schluss aber gab dann wohl doch die Präferenz der bodenständigen Saarländer für das Bewährte den Ausschlag.

Dabei ist auch Rehlinger innig mit dem Saarland verbunden, schon im Namen: Sie begann ihre Karriere in Rehlingen, als Sportlerin. Im Westen des kleinsten Flächenlands der Bundesrepublik, startete sie mit 22 Jahren auch ihre politische Laufbahn nach dem Beitritt zur SPD. Merzig, Wadern und Nunkirchen heißen die im übrigen Deutschland kaum bekannten Orte, in denen die Juristin anfing, Politik zu gestalten.

2004 wurde sie in den Landtag gewählt. Mit Bildung der großen Koalition wurde sie 2012 erst Ministerin für Justiz, Umwelt und Verbraucherschutz, bevor sie mit dem Wechsel des SPD-Landesvorsitzenden Heiko Maas ins Bundesjustizministerium dessen Aufgaben übernahm: Ob sie weiterhin Wirtschaftsministerin und stellvertretene Ministerpräsidentin bleibt, werden die anstehenden Koalitionsverhandlungen zeigen.

Gewinner und Verlierer: Der Saarland-Wahltag in Bildern

dpa

Zurück zur Übersicht: Politik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser