Vor Frankreich-Stichwahl

Hollande ruft zur Mobilisierung gegen Le Pen auf

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Mit dem Ruhen ihres Amtes will Le Pen "alle Franzosen zusammenbringen" und "über den Parteiinteressen stehen". Foto: Michel Spingler

Alle Umfragen sehen die Rechtspopulistin Marine Le Pen klar hinter Emmanuel Macron, wenn es am 7. Mai in die Stichwahl geht. Doch Staatschef Hollande warnt: Noch ist nichts geschafft.

Paris (dpa) - Die Rechtpopulistin Marine Le Pen versucht, vor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt am 7. Mai ihre Wählerbasis zu verbreitern. Le Pen kündigte an, ihr Amt als Vorsitzende der rechtsextremen Front National (FN) vorübergehend ruhen zu lassen.

Sie wolle "alle Franzosen zusammenbringen" und "über den Parteiinteressen stehen". Frankreichs scheidender Staatschef François Hollande rief im Gegenzug zur Mobilisierung gegen Le Pen auf. Trotz des Vorsprungs des Sozialliberalen Emmanuel Macron in den Umfragen betonte der Sozialist, noch sei nichts geschafft: "Es geht darum, dass die Front National so schwach wie möglich ist."

Le Pen wirbt um Anhänger von Kandidaten, die im ersten Wahlgang ausgeschieden waren. So äußerte sie bei einem Wahlkampfauftritt "einen Gedanken" für die Wähler des Konservativen François Fillon. Die 48-Jährige warf dem Ex-Premierminister "Verrat" seiner Anhänger vor, weil er schnell angekündigt hatte, in der Stichwahl am 7. Mai für Macron zu stimmen. Ihre Ankündigung, ihr Amt als FN-Vorsitzende vorübergehend ruhen zu lassen, wurde von französischen Medien als Versuch gewertet, sich vom für viele Wähler negativen Image der FN zu lösen.

Das Wahlfinale zwischen der EU-Feindin Le Pen und Macron ist eine Entscheidung über Europa. Der 39-Jährige hatte die erste Runde am Sonntag mit 24 Prozent gewonnen, Le Pen kam auf 21,4 Prozent. Sie hatte sich unmittelbar danach wieder in den Wahlkampf gestürzt und ihren Kontrahenten scharf angegriffen. Der 39-jährige Macron liegt in Umfragen klar vorn. Er will am Mittwoch in Nordfrankreich um Stimmen werben, wo Le Pen viel Unterstützung hat.

Staatschef Hollande warnte nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP vor Journalisten: "Das ist keine Kleinigkeit, dass die extreme Rechte in der zweiten Runde einer Präsidentschaftswahl ist." Macron sagte im Sender France 2, dass der Einzug Le Pens in die Stichwahl gravierend sei. "Aber ich bin heute vor Marine Le Pen. Und ich will diesen Vorsprung festigen."

Der stellvertretende FN-Chef Florian Philippot äußerte im Sender Franceinfo die Hoffnung, dass auch viele Wähler des ausgeschiedenen Linkskandidaten Jean-Luc Mélenchon für Le Pen stimmen könnten. "Ich weiß, dass viele seiner Wähler in jedem Fall ablehen würden, für Macron zu stimmen." Mélenchon hatte seinen Wählern am Sonntag keine Wahlempfehlung gegeben. Mélenchon hatte sowohl Le Pen als auch Macron im Wahlkampf hart kritisiert. Er hatte im ersten Wahlgang rund 19,6 Prozent erhalten.

Umfragen sehen Macron für die Stichwahl gegen Le Pen bei 60 Prozent oder mehr. Auch die im ersten Wahlgang unterlegenen Sozialisten und Konservativen wollen Le Pen aufhalten. Die wichtige Gewerkschaft CGT rief zwar dazu auf, Le Pen zu verhindern - warb aber nicht für Macron, dessen wirtschaftsfreundliche Linie sie scharf kritisiert.

"Le Pen könnte einige Stimmen aus dem Lager des gescheiterten konservativen Kandidaten François Fillon bekommen, aber das wird die Wahl nicht zu ihren Gunsten entscheiden können", sagte der deutsch-französische Publizist und Politikwissenschaftler Alfred Grosser der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). Le Pen habe viele potenzielle Sympathisanten verprellt "durch aggressivere Töne in den letzten Tagen, Rassismus und Islamfeindlichkeit und durch den Vorwurf, die Regierung trage für die Terroranschläge Verantwortung".

France-2-Interview mit Le Pen, Frz.

Mitteilung der Gewerkschaft CGT, Frz.

Interview FN-Vize Philippot bei Franceinfo, Frz.

Video von Le Pens Besuch auf dem Großmarkt Rungis, Frz.

Artikel "Libération" zum Ruhen des Vorsitzes, Frz.

Bericht "Le Figaro", Frz.

Offizielle Wahlergebnisse - frz. Innenministerium

Pressedossier des Innenministeriums zur Wahl, Frz.

Zahlen des Innenministeriums: Wahlberechtigte 2017, Frz.

Wahlprogramm von Emmanuel Macron, Frz.

Wahlprogramm von Marine Le Pen, Frz.

Analyse der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik zur Bedeutung für Deutschland

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