Entscheidung in zwei Wochen

Macron gegen Le Pen: Die beiden Kandidaten im Porträt

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Das Resultat auf TV-Geräten: Die Wahl 2017 in Frankreich entscheidet sich zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen.

München - Die Wahl 2017 in Frankreich entscheidet sich zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen: Hier finden Sie Porträts zu beiden Kandidaten.

Etappensieg für "Madame Frexit"

Der Triumph steht Marine Le Pen ins Gesicht geschrieben: Als "historisches Ergebnis" wertet die französische Rechtspopulistin am Sonntagabend ihren Einzug in die Stichwahl um das Präsidentenamt am 7. Mai. Auch wenn ihr Meinungsforscher dort eine deutliche Niederlage gegen den parteilosen Pro-Europäer Emmanuel Macron voraussagen, hat Le Pen Geschichte geschrieben. Das Ergebnis der 48-Jährigen ist mit Abstand das beste für ihre Front National bei einer Präsidentschaftswahl.

Überzeugte Europäer fürchten Le Pen als "Madame Frexit": Sie hat "den Tod der EU" vorausgesagt und will als erste Präsidentin Frankreichs ein Referendum zum Austritt des Gründerstaats abhalten. Zudem will sie den Franc wieder einführen. Und das, obwohl sich in Umfragen eine deutliche Mehrheit der Franzosen dagegen ausspricht.

Dafür hat sie offenbar mit ihrem harten Kurs in der Sicherheits- und Einwanderungspolitik überzeugt. Le Pen verspricht ihrem von Terroranschlägen gebeutelten Land die sofortige Ausweisung aller "Gefährder" und die Einstellung tausender Sicherheitskräfte. Zudem will sie die legale wie illegale Einwanderung nach Frankreich stoppen. Und "im Namen des Volkes", so ihr Wahlslogan, will sie Franzosen bei der Vergabe von Arbeitsplätzen oder bei Sozialleistungen bevorzugen.

Le Pens Erfolg ist auch eine Ohrfeige für die Politiker des "Systems", das die Rechtspopulistin unermüdlich geißelt. Darin ähnelt sie Donald Trump. Der US-Präsident lobte Le Pen erst vor wenigen Tagen als "stärkste" Kandidatin für die Präsidentschaft. Mit Trump und dem russischen Staatschef Wladimir Putin, der sie im März in Moskau empfing, will Le Pen eine Allianz schmieden und ihre "neue Vision" der französischen Außenpolitik verwirklichen. Nicht nur deshalb warnte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer Woche recht deutlich vor einer Wahl der Rechtspopulistin.

Mit ihrem Erfolg macht Marine Le Pen auch der Familie alle Ehre - 15 Jahre nachdem ihr Vater Jean-Marie Le Pen in die zweite Runde der Stichwahl eingezogen, dort aber dem Konservativen Jacques Chirac unterlegen war.

Seit die großgewachsene, blonde Anwältin mit der tiefen Stimme Anfang 2011 von ihrem Vater die Parteispitze übernahm, hat sie die Front National zu einer Reihe von Wahlerfolgen geführt. Unter ihr wurden die Rechtspopulisten bei den Europawahlen 2014 erstmals stärkste Kraft in Frankreich.

Damit ist Le Pens Strategie einer "Entteufelung" aufgegangen: Sie hat der Front National mit einer Abkehr von den antisemitischen und offen rassistischen Parolen ihres Vaters ein respektableres Image verpasst und so neue Wähler gewonnen, darunter viele Frauen, Schwule und Juden. Le Pen scheute nicht einmal davor zurück, den FN-Gründer 2015 aus der Partei zu werfen, als dieser erneut die NS-Gaskammern als "Detail" der Geschichte verharmloste.

Dabei hat die zweimal geschiedene Mutter von drei Kindern, die mit dem FN-Vize Louis Aliot zusammenlebt, politisch ähnliche Ansichten wie ihr Vater: An dem ausländerfeindlichen Kurs der Partei hält sie fest und geißelt die "totalitäre Ideologie" der Islamisten. Kurz vor der Wahl griff sie noch einmal ganz tief in die Themenkiste der Front National und leugnete eine Mitverantwortung Frankreichs für die Massenfestnahme von Juden im Jahr 1942.

"Die Tochter des Teufels kann verführerisch sein", sagte ihr Vater einmal in einer Dokumentation über seinen jüngsten Spross. Ob eine Mehrheit der Franzosen wirklich den Verführungskünsten von Marine Le Pen erliegt, wird sich am 7. Mai zeigen.

Emmanuel Macron: Mit 39 Jahren vor einem historischen Triumph

Emmanuel Macron steht kurz vor einem beispiellosen Triumph: Mit nur 39 Jahren könnte der sozialliberale Ex-Wirtschaftsminister als jüngster französischer Präsident in den Elysée-Palast einziehen - und das als unabhängiger Kandidat ohne etablierten Parteiapparat im Rücken. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahl hat er die meisten Stimmen erzielt und ist jetzt Favorit in der Stichwahl, in der er gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen antreten dürfte. Der Politik-Jungstar hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, der ihn bis ins höchste Staatsamt tragen könnte.

Macron ist nicht nur in Frankreich für viele zum Hoffnungsträger geworden: Auch in vielen europäischen Hauptstädten gibt es große Sympathien für den jungen Reformpolitiker. Denn mehr als jeder andere französische Präsidentschaftskandidat ist Macron ein überzeugter Pro-Europäer, der in diesen für die EU stürmischen Zeiten unerschütterlich an dem Gemeinschaftsprojekt festhält. Zu einem Zeitpunkt, zu dem Rechtspopulisten mit Anti-EU-Parolen auf Stimmenfang gehen, wirbt er unverdrossen für eine Vertiefung der EU und der Eurozone. Auch die Beziehungen zu Deutschland will er verbessern.

Der Ärztesohn aus dem nordfranzösischen Amiens hat eine rasante Karriere hingelegt. Nach den lähmenden Jahren unter Staatschef François Hollande fühlen sich viele Franzosen zu dem Strahlemann hingezogen, der Aufbruchstimmung verbreitet und mit seinem sozialliberalen Reformprogramm "Freiheit" für Unternehmen und "Schutz" für Arbeitnehmer miteinander versöhnen will. Das Lagerdenken zwischen Links und Rechts hält er für überholt. Er präsentiert sich an der Spitze seiner Bewegung En Marche! (In Bewegung!) als Anti-System-Kandidat, der für den "Fortschritt" steht.

Das gefällt vielen Franzosen, die von den häufig ideologisch erscheinenden Kämpfen zwischen Links und Rechts die Nase voll haben. "Wir brauchen jemanden, der eine neue Vision von Politik hat", sagt ein Weinhändler in Paris. "Und vor allem jemanden, der über den alten Parteien steht."

Macron verkörpert so eine moderne und pragmatische Mitte - und profitierte im Wahlkampf davon, dass die regierenden Sozialisten mit Benoît Hamon einen sehr linken und die Konservativen mit François Fillon einen sehr rechten Kandidaten aufstellten. Eine Reihe von Politikern, insbesondere Sozialisten, liefen zu dem immer mehr als Retter empfundenen Macron über.

Doch viele stimmten am Sonntag nicht aus Begeisterung für Macron: Er wurde auch zu einem Sammelbecken für viele verunsicherte Wähler. Ein Konsenskandidat, mit dem man nicht viel falsch machen kann. Der ein bei vielen Linkswählern befürchtetes Stichwahl-Duell zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen und Fillon verhindern konnte. Der bei seinen Wahlversprechen häufig schwammig blieb, um niemanden zu verprellen.

Seine Rivalen warfen ihm immer wieder vor, dass er blumige Reden schwingen könne - und am Ende keiner wisse, was er eigentlich gesagt habe.

Ohnehin hatten seine Konkurrenten die Attacken verschärft, je mehr Macron in den Umfragen aufstieg: Sie warfen dem 39-Jährigen, der noch nie in ein politisches Amt gewählt wurde, fehlende politische Erfahrung vor. Sie fragen spöttisch, wie sich ein Absolvent der Elitekaderschmieden Sciences Po und ENA ernsthaft als Anti-System-Kandidat präsentieren kann.

Sie schmähen den einstigen Rothschild-Investmentbanker als Kandidaten der Finanzwelt. Oder sie machen ihn für die magere Bilanz von Staatschef Hollande mitverantwortlich - schließlich war Macron unter dem unpopulären Präsidenten zwei Jahre lang Wirtschaftsberater und weitere zwei Jahre, von 2014 bis 2016, Wirtschaftsminister. "Emmanuel Hollande" schimpfte Fillon den Jungpolitiker gar und warnte, dieser werde Hollandes Politik fortführen.

Doch der mit seiner 24 Jahre älteren früheren Lehrerin Brigitte verheiratete Macron wehrte die Angriffe ab. Und während viele vorhergesagt hatten, die "Blase" Macron werde bald platzen, wurde sie immer größer. Jetzt ist der 39-Jährige kurz davor, Geschichte zu schreiben.

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