+++ Eilmeldung +++

Ein Täter gefasst

Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

Bluttat: Mehrere Menschen in Finnland niedergestochen

„Terrorgefahr unterschätzt“

„Maischberger“ zum Berlin-Anschlag: War Deutschland zu naiv?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Wie konnte es zum Anschlag von Berlin kommen? Eine Frage, die am Dienstag bei „Maischberger“ im Mittelpunkt stand

Berlin - Wie konnte es zum Anschlag von Berlin kommen? Wie kann eine Wiederholung verhindert werden? Sandra Maischbergers Talk kreist um den alten Konflikt zwischen Freiheit und Sicherheit.

Die Erschütterung über den grausamen Anschlag von Berlin ist noch frisch - aber keine 48 Stunden nach dem schwarzen Abend laufen auch schon die Analysen über die Umstände der Tat. 

Etwa im Polit-Talk „Maischberger“ im Ersten. Dort wälzten die Gäste in einer Sondersendung am Dienstagabend die Frage, wie es zu dem Anschlag kommen konnte. Mehrere Diskutanten attestierten der Bundesrepublik schwere Versäumnisse in der Sicherheitspolitik. Strittig blieb allerdings, wie bessere Lösungen aussehen könnten - es geht um den alten Konflikt zwischen Sicherheit und gesellschaftlicher Freiheit.

Kritik am „sorglosen“ Deutschland

Deutliche Worte fand unter anderem der Geheimdienst- und Terrorexperte Shlomo Shpiro. „Da wird schon nichts passieren“, habe man in Deutschland zu lange gedacht, rügte der Wissenschaftler der Bar-Ilan-Universität Tel Aviv. „Deutschland hat offenbar die Terrorgefahr bisher unterschätzt“, sagte er.

Was also tun? Shpiro riet Deutschland zu zentralistischeren Strukturen in den Geheimdiensten - die düsteren Zeiten von Stasi und Gestapo seien schließlich vorbei, argumentierte er. "Warum braucht man 16 verschiedene Landesämter für Verfassungsschutz?"

Über den aktuellen Stand der Ermittlungen zum Anschlag von Berlin können Sie sich in unserem News-Blog informieren

Auch der saarländische Innenminister Klaus Bouillon stimmte in die Kritik ein. „Wir waren lange zu sorglos“, erklärte der CDU-Politiker. Beim Bekämpfen terroristischer Aktivitäten seien die Sicherheitsbehörden bisweilen „hilfos“. Noch am Dienstagmorgen hatte er davon gesprochen, Deutschland befinde sich in einem „Kriegszustand“. Diese harte Diagnose wollte er in dem TV-Talk gleichwohl nicht mehr bekräftigen.

Arbeit „wie im 18. Jahrhundert“

Dafür hatte auch Bouillon einige einfache Lösungvorschläge - die vor allem auf umfangreichere Ausstattung für die Polizei und größere Befugnisse für die Behörden hinausliefen. „Wir müssen die Polizei deutlich verstärken. Wir brauchen neue Organisationsformen in der Fläche. Wir brauchen mehr Waffen“, forderte er.

Ermittlern müsse das „Leben einfacher gemacht werden“, sagte der Landesminister weiter. „Wir hätten mit der neuen Technik viel mehr Möglichkeiten, potentielle Täter zu überwachen. Als ich mein Amt übernahm, war ich erschrocken: Ich konnte mir nicht vorstellen, dass wir im digitalen Zeitalter so tun, als wären wir noch im 18. Jahrhundert.“

Angst vor Massenüberwachung

Ein Ansatz, der natürlich auch auf Gegenwind stieß. „Man kann nicht die ganze Republik mit Videokameras überziehen“, gab etwa Welt-Herausgeber Stefan Aust zu bedenken.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt warnte vor „Massenüberwachung“. „Menschlichkeit und Offenheit bewahren und gleichzeitig für Sicherheit sorgen", lautete ihre Forderung.

Weitgehend einig waren sich die Diskutanten freilich, dass das Thema Deutschland noch länger beschäftigen wird. "Der Anschlag von Berlin ist der 11. September für Deutschland. Ab jetzt gehört der Terror zum Alltag", sagte Shpiro.

Wachmänner vor dem Restaurant?

Er prophezeite Deutschland annähernd Verhältnisse wie im terrorgebeutelten Israel. „In Israel muss ich im Restaurant 20 Cent für den Wachmann zahlen. In diese Richtung wird es auch in Deutschland gehen“, erklärte er.

Eine Vision, die so einige Bürger erschrecken könnte. Experte Shpiro hatte aber auch noch einen Vorschlag, der näher an die Wurzeln der Misere heranreichen könnte - man müsse sich auch mit den Ursachen und Mechanismen des Terrors auseinandersetzen, sagte er: „Wir verstehen noch nicht genug, wie aus einem normalen Menschen ein Terrorist wird.“

fn

Zurück zur Übersicht: Politik

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser