Erste klimaneutrale Parteizentrale?

Markus Söder verordnet die „grüne Null“: Darum geht auf der CSU-Toilette bald das Licht aus

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CSU-Chef Markus Söder im Bayerischen Landtag.

Bis zum Jahresende will Markus Söder seine CSU-Parteizentrale klimaneutral betreiben können. Statt Kugelschreiber und Luftballons verteilt die CSU jetzt Jutebeutel und Bleistifte. 

  • Plastik und Luftballons sind bereits gestrichen. Der Fanshop der CSU in der Landesleitung ist neuerdings umweltbewusst.
  • CSU-Chef Markus Söder will sich zum Jahresende für die erste klimaneutrale Parteizentrale feiern. 
  • Der Fuhrpark wurde mit drei Elektro-BMW verstärkt. Und wer zu lange auf Toilette sitzt, muss sein Geschäft bald im Dunkeln verrichten.

München – Die alte CSU gibt’s nicht mal mehr zu kaufen. Keine Plastik-Kugelschreiber mehr, die Luftballons sind gestrichen, die knappen Rauten-Bikinis aus dem Werbemittel-Sortiment verbannt. Stattdessen: Sommerblumensamen (0,65 Euro), Jutetaschen mit Söder-Logo (3,99 Euro) und Bleistifte aus Zedernholz (0,55 Euro), sogar der Einkaufswagenchip (0,99 Euro) ist jetzt ganz aus Birke.

Der neuerdings eisern umweltbewusste Fanshop der bayerischen Staatspartei ist kein Zufall, sondern Teil eines Gesamtkonzepts. Die CSU will sich zum Jahresende für die erste klimaneutrale Parteizentrale in Deutschland feiern. Heute erhält Generalsekretär Markus Blume ein Zertifikat dazu von „Climate Partner“. Es geht der Partei vor allem um ein Signal, die Reduktion des CO2-Ausstoßes ernst zu nehmen. Die CSU will Vorbild für Privathaushalte sein, dass Umwelt- und Klimaschutz im Kleinen beginnt. „Wir versuchen so weit möglich unseren CO2-Fußabdruck zu minimieren“, sagt Blume.


Markus Söder will zum Jahresende eine klimaneutrale Parteizentrale

Der Fuhrpark wurde mit drei Elektro-BMW verstärkt, neue Dienstwägen sollen auf Hybrid-Basis fahren. Das CSU-Team wird gebeten, auf Dienstreisen die Bahn statt das Flugzeug zu nehmen. Mitarbeiter berichten, dass jetzt in der Parteizentrale im Münchner Norden konsequent Bewegungsmelder installiert sind, um (Öko-)Strom zu sparen. Selbst wer länger reglos auf der Toilette verharrt, sitzt dann im Dunkeln. Kapsel-Kaffeeautomaten sollen aus dem Areal verschwinden, ebenso Wegwerfbecher.

„Klimaneutral“ heißt allerdings: in der Summe null Emissionen. In der Praxis ist das kaum machbar. Wer den Terminkalender von Ministerpräsident Markus Söder näher inspiziert, stellt fest: Die Termindichte in Berlin und München als Partei- und Regierungschef ist ohne Flüge, manchmal auch per Charter, kaum zu erfüllen. Um rechnerisch auf null CO2 zu kommen, hat die Partei zwei Kompensations-Projekte gestartet. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter zog aus, um nördlich von München 100 Bäume zu pflanzen. Söder kündigte sogar einen radikalen Umbau des Stadtwaldes an. Und: In Peru investiert die Parteizentrale in ein „nachhaltiges Waldschutzprojekt“, um den Baumbestand im Amazonas-Grenzgebiet zu erhalten.

Markus Söder (links) und Markus Blume 

CSU verordnet sich die „grüne Null“: Söder will erste CO2-neutrale Parteizentrale

Der Öko-Effekt der Teilmaßnahmen ist unterschiedlich groß. Vermeintliche Kleinigkeiten wie der Verzicht auf Plastik-Stifte mit Parteilogo haben aber eine größere Wirkung – vor allem in Straßenwahlkämpfen verteilten alle Parteien bisher bundesweit zehntausende davon, die spätestens nach der Wahl im Müll landen. „Diesen Weg der Klimaneutralität werden wir auch in den nächsten Jahren fortsetzen“, sagt Blume, „wir wollen da mit gutem Beispiel für eine nachhaltige Politik vorangehen.“

Auf Regierungsebene soll es weitere Schritte geben. Ministerpräsident Söder arbeitet an der klimaneutralen Staatskanzlei, bis 2030 soll Bayerns komplette Verwaltung dieses Ziel erreichen, beschloss das Kabinett vor vier Wochen. Für Bayern insgesamt soll das ab einem Korridor von 2040 bis 2050 gelten. Für ganz Deutschland peilt die Bundesregierung 2050 an.

Im großen Interview mit merkur.de* sprach Markus Söder über die Zukunft der GroKo, eine mögliche neue Greta-Thunberg-Partei und die Zeit nach Angela Merkel.

Söder lobte außerdem den erzielten Klimakompromiss zwischen Bund und Ländern:

Den Grünen geht diese Einigung aber nicht weit genug

Weil der Freistaat Bayern ein rechtsgültiges Urteil über mögliche Fahrverbote nicht umgesetzt habe, hatte die Deutsche Umwelthilfe Zwangshaft für Markus Söder beantragt. Als nächstes schwebt Söder ein Projekt vor, dass in Bayern tiefgreifende Umwälzungen nach sich ziehen könnte.

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