Talk bei Maybrit Illner

Söder wettert gegen Erdogan: „Am besten, wir beenden das Kapitel EU“

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Markus Söder war beim Talk von Maybritt Illner auf Attacke gestimmt.

Berlin - Markus Söder (CSU) wählte bei Maybritt Illner harte Worte gegen Erdogans Gebahren in der Türkei. Nur ein einsamer Klatscher sorgte für einen Schuss Komik in der Sendung.

„Deutschland und die Türkei - was erlaubt sich Erdogan?“, lautete die Frage beim Illner-Talk am Donnerstabend. Seit dem gescheiterten Putschversuch gilt in der Türkei der Ausnahmezustand: Tausende Richter, Lehrer, Beamte, Politiker und Journalisten wurden suspendiert oder verhaftet, zuletzt auch der deutsche Journalist Deniz Yücel. Zwei Bürgermeister reagierten schon und untersagten in Gaggenau und in Köln Auftritte von türkischen Politikern. Die Folge war am Freitag eine Bombendrohung in Gaggenau. Wird Deutschland jetzt einen härteren Kurs gegenüber Erdogan fahren? Das fragte sich Moderatorin Maybrit Illner zu Beginn ihrer Talkshow.

Söder genervt von „innertürkischen Wahlkämpfen“

Erdogan erlaube sich „starken Tobak“, ärgerte sich der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU): „Die Türkei geht seit dem Putsch den falschen Weg.“ Dass derFlüchtlingsdeal mit der EU als Blanko-Scheck verwendet werde „um immer überzogen zu reagieren“, sei inakzeptabel. „Das war ja schon im Fall Böhmermann so.“ Die Konsequenz ist für Söder klar: „Wenn die Türkei so weitermacht, halte ich es für das Beste, wir beenden das Kapitel Europäische Union.“ Zudem gab sich Söder reichlich genervt davon, dass in Deutschland ständig „innertürkische Wahlkämpfe“ ausgetragen würden. „Das muss in der Türkei bleiben.“

Erdogan Fan findet Deutschlands Haltung „überheblich“

Mustafa Yeneroglu, Abgeordneter der türkischen Regierungspartei AKP, spielte den Beleidigten: Die Aufregung um die Verhaftung des deutschen Korrespondenten Yücel wirke auf ihn arrogant. „Es ist extrem befremdend, dass hier gedacht wird, dass Erdogan darüber entscheidet und nicht die Justiz.“ Auch der deutsch-türkische Unternehmer und bekennende Erdogan-Fan Yahya Kilicaslan fand es „überheblich, sich hinzustellen und zu sagen, wir müssen ihn freilassen“, wo noch nicht einmal die Vorwürfe bekannt seien.

Dass niemand - und offenbar nicht einmal Deniz Yücel selbst - wisse, was ihm vorgeworfen wird, sei ja gerade der Skandal, wetterte Söder: „Die Türkei hat seit dem Putsch jedes Maß an Verhältnismäßigkeit verloren.“ Für Aydan Özoguz, Integrationsbeauftragte der Bundesregierung (SPD), ist dagegen völlig klar, weshalb der Welt-Reporter verhaftet wurde: „Er ist in Haft, weil er seine Arbeit als Journalist gemacht hat.“ 

Die Justiz in der Türkei sei seit zwei Jahren im Dienste er politischen Macht, bestätigte der türkische Oppositionspolitiker Mithat Sancar, „die Regierung kann alles machen ohne Grenzen und Kontrolle.“ Die Verhaftung Yücels sei nicht zuletzt ein Signal an Europa und gleiche einer „politischen Geiselnahme“: „Erpressung ist eine Methode von Erdogans Politik.“

Ein einsamer Fan irritierte die Talker

Bei all dem Ernst und der Härte der Diskussion gab es auch einen, der unfreiwillig komisch wirkte: Ein einzelner Zuschauer, der bei jeder Äußerung der Pro-Erdogan-Vertreter lautstark und penetrant applaudierte. „Da gibt es einen einsamen Fan“, bemerkte Maybrit Illner, und Markus Söder amüsierte sich jedes Mal königlich, wenn der Klatscher wieder auf den Plan trat. Sogar Yeneroglu selbst wandte sich am Ende der Sendung an seinen penetranten Fan und sagte genervt: „Ich komme wirklich nicht zum Reden.“

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