TV-Talk im ZDF bei Maybrit Illner 

Früherer Haider-Sprecher verrät: So ticken Populisten

Ex-Sprecher von FPÖ-Politiker Jörg Haider warnte bei Maybrit Illner vor den Tricks der Rechtspopulisten

Berlin - Kurz vor der französischen Präsidentschaftswahl wurde bei Maybrit Illner über die beiden Kandidaten diskutiert. Ein Gast erklärte dabei auch die Tricks der Rechtspopulisten.

Der Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron oder Marine Le Pen vom Front National - wer von beiden wird am kommenden Wochenende bei der Wahl um die französische Präsidentschaft das Rennen machen?

Genau dieses Thema wurde in der Talkrunde von Maybrit Illner diskutiert, auch wenn dabei zeitweise der Eindruck entstand, Macron hätte die Wahl schon längst gewonnen. Doch diese Annahme war kaum verwunderlich. Denn in der Talkrunde bei Maybrit Illner saßen dieses Mal nur Unterstützer von Macron: Kanzleramtschef Peter Altmaier, der französische Republikaner Brund La Maire, ZDF-Frankreich-Korrespondent Theo Koll, die Linken-Parteichefin Katja Kipping und Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot. Zusätzlich war der Politikberater und ehemaliger Sprecher von FPÖ-Chef Jörg Haider, zum Einzelgespräch eingeladen.

Alle wollen Macron - wirklich begeistert ist jedoch keiner

Das Emmanuel Macron die besser Wahl sei, darüber waren sich die Teilnehmer bei der Talkrunde einig. Dennoch wurden auch vorsichtige Töne angeschlagen: Peter Altmeier gab an, Macron viel Glück bei der anstehenden Wahl zu wünschen. Weniger begeistert formulierte es der Republikanische Politiker Le Maire: „Zwischen mir und Macron gibt es Unterschiede, aber zwischen mir und Le Pen eine Unmöglichkeit.“

Die Linken-Chefin Kipping fand kritische Worte für den Kandidaten: „Er hätte auch den linken Wählern ein politisches Angebot machen müssen." Gemeint sind vor allem die von Macron geplanten Verschärfungen der Arbeitnehmerrechte. In einem Sieg Macrons sieht auch die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot lediglich eine „Gefahrenabwehr“. 

Theo Koll, der Frankreich-Korrespondent des ZDF, sprach seine Besorgnis vor der Zukunft Frankreichs deutlich aus: „Reformen sind wichtig“, sagte er und betonte, dass Frankreich wirtschaftlich nicht sehr gut dastehe. Auch die Arbeitslosigkeit im Land sei hoch. Im Falle eines Sieges von Macron stände der auch vor einem großen Problem: Denn ohne die Unterstützung der Republikaner, wird Macron keine parlamentarische Mehrheit haben, so der Korrespondent. 

Petzner: Macron ist letzte Chance für eine nicht extreme Politik

Der Politikberater und ehemaliger Sprecher des FPÖ-Chef Jörg Haider, Stefan Petzner, äußerte sich schließlich im Einzelgespräch zu der Diskussion und verriet, wie Populisten ticken. Zum einen würden diese als Spiegel für die eigenen Ängste und Sorgen dienen. „Sie lösen diese Ängste, den Frust, aber nicht auf, sondern versuchen sie zu verstärken und erst recht zu schüren, um damit Stimmung zu machen.“

In der sehr komplexen und globalisierten Welt, würden Populisten zudem die Rückgewinnung der Kontrolle versprechen, so der Politikberater. Und genau dieses Gefühl sei für die Bürger wichtig. „Denn die Leute haben das Gefühl, dass sie nicht nur die Kontrolle über das eigene Leben verloren haben, sondern dass auch die klassische Politik, die Kontrolle verloren hat.“ Der Front National von Marine Le Pen würde den Wählerngenau das versprechen, zusammen mit einem „kunterbunten Mix aus rechter Sicherheitspolitik und linker Sozialpolitik.“

Zuletzt warnte Stefan Petzner in einem feurigen Appell: „Macron ist die letzte Chance des französischen Wählers für eine nicht extreme Politik. Sollte er scheitern, werden wir spätestens 2022 mit einer Präsidentin vom Front National konfrontiert sein." Stattdessen brauche das Land Reformen, die durch die Unterstützung von Deutschland durchgesetzt werden müssten.

Wie Sie Stichwahl zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen am kommenden Wochenende im Fernsehen verfolgen können, erfahren Sie hier.

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