Talk zum Thema Syrien bei Maybrit Illner

Wagenknecht: Trumps Aussagen „an Heuchelei nicht zu überbieten“

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Bei Maybrit Illner ging es am Donnerstagabend politisch wieder hoch her.

Berlin - Beim Polit-Talk mit Maybrit Illner ging es am Donnerstagabend hoch her. Die Gäste diskutierten über das politische Bündnis zwischen Trump und Putin, das seit dem Giftgas-Anschlag in Syrien gelitten hat.

In der Polit-Talksendung von Maybrit Illner ging es am vergangenen Donnerstagabend um den verheerenden Giftgas-Anschlag in Syrien mit Dutzenden Toten, darunter etwa 20 Kinder. Während Kreml-Chef Wladimir Putin weiter betonte, im Syrien-Konflikt auf der Seite des dortigen Machthabers Baschar al-Assad zu stehen, verurteilten andere Regierungschefs, wie auch Angela Merkel, den Anschlag aufs Schärfste. US-Präsident Donald Trump reagierte am Donnerstag mit einem Luftwaffenangriff auf einen Flughafen der syrischen Armee.

Zuvor hatte er eine Reaktion der USA auf den Giftgasanschlag angekündigt und heftigeVorwürfe gegen Assad und somit auch gegen Waffenbruder Putin erhoben, der alle Vorwürfe gegen Assad und die eigene Regierung in Bezug auf den Anschlag zurückgewiesen hatte. Nun droht ein großer Streit zwischen den ehemaligen „Freunden“ Trump und Putin.

Bei Maybrit Illner diskutierte die auserwählte Runde Donnerstagabend nun die Frage, ob der Syrienkonflikt das Band zwischen Trump und Putin zerreißen könnte. Ihre Gäste waren die Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht, Kanzleramtschef Peter Altmaier, Vizepräsident der Trump-Truppe „Republicans Overseas“ Ralph Freund, ZDF-Vize-Chefredakteur Elmar Theveßen und CNN-Reporter Frederik Pleitgen, der bereits live aus dem Irak, Libyen und Syrien berichtet hat.

Bei Maybrit Illner: Wagenknecht nennt Trump einen Heuchler

Die unterschiedlichen politischen Ansichten zu dem Thema sorgten natürlich, wie gewollt, für hitzige Diskussionen. Während Altmaier bedacht sachlich und abwägend die Situation bewertete, schoss Wagenknecht streitlustig gegen Trump, dessen Vorwürfe gegen Assad „an Heuchelei nicht zu überbieten“ seien. Seit den Änderungen seiner Regularien für Kriegsbomber im Februar seien bereits mehr als hundert Zivilisten in Mossul getötet worden. Eine Verwicklung Putins in Anschläge in Syrien sei immer ein „Kriegsverbrechen“, während man bei Todesopfern durch Angriffe westlicher Mächte stets nur von einem „Unglück“ sprechen würde.

Diese Haltung wies Altmaier zurück: „Ich bin überzeugt, dass es nicht das Ziel (in Mossul, Anm. d. Red.) war, Zivilisten zu bombardieren. Aber wenn man Giftgas einsetzt und vom Flugzeug abwirft, dann nimmt man damit billigend in Kauf, dass auch Zivilisten sterben!“Auch die Befürchtungen Pleitgens, Trump könnte nun einen dauerhaften kämpferischen Konflikt mit Syrien suchen, sah Altmaier eher gelassen: „Trump hat Berater und Minister ernannt, die sehr vernünftig agieren. Der Präsident ist offenbar lernfähig. In relativ kurzer Zeit ist er wieder in die klassischen Bahnen der amerikanischen Außenpolitik zurückgekehrt.“

Wagenknecht mauserte sich derweil zur Sprecherin im Namen Putins - und Assads: „So blauäugig zu sagen, ‚Hauptsache, Assad kommt weg‘, ist im Grunde eine verantwortungslose Strategie, wenn man keine seriöse und wirklich auch wünschenswerte Alternative hat.“ Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Diktaturen sei Syrien immerhin „religiös tolerant“. So könne sie sich ein Bündnis mit Putin vorstellen.

Altmaier: Putin soll Finger von Bundestagswahl lassen

Auch hier wirkte Altmaier wieder diplomatisch dagegen. Man solle das Gespräch mit Putin suchen. Allerdings sei klar, dass Putin stets versuche, „demokratische Prozesse in anderen Ländern zu beeinflussen“. Von der Bundestagswahl solle er aber besser die Finger lassen. Sollte der Verdacht aufkeimen, dass Putin versuche, sich in das politische Geschehen Deutschlands einzumischen, würde der Staat “wenn es Anlass dazu gibt, keine Sekunde zögern, darauf zu reagieren und die notwendigen Schritte zu ergreifen“.

Einig wurden sich die Gäste Illners natürlich nicht. Der Konflikt Assad-Putin-Trump wird wohl auch die deutsche Politik noch weitreichend beschäftigen und zu Auseinandersetzungen führen.

kah

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