ZDF-Sendung zu Verlierern in der Gesellschaft

Illner-Talk: Gabriel witzelt über Kanzler-Frage

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Sigmar Gabriel in der Talkrunde „Maybrit Illner“.

München - Maybrit Illner hat genau eine spannende Frage in ihrem Talk. Ansonsten wollte man besprechen, wer sich um die Verlierer der Gesellschaft kümmert. Über eine viel zu brave Talkrunde.

„Gewinne steigen, Jobs verschwinden – wer kümmert sich um die Verlierer?": Ein griffiges Thema, das viele Menschen in der Gesellschaft betrifft und doch in der Talkshow von Maybrit Illner wenig kontrovers diskutiert wurde.

Schon die Auswahl der Gäste war ein Fingerzeig - wenn nicht der möglicherweise künftige Kanzlerkandidat der SPD den ein oder anderen unbeherrschten Spruch raushauen würde. Doch Sigmar Gabriel gab sich betont ruhig. In fast schon staatsmännischer Manier stellte er klar, wofür die Sozialdemokraten stehen und betrieb so mehr Wahlkampf als dass er zur Aufklärung des Themas beitrug.

Neben Gabriel lud Illner Katja Kipping (Parteivorsitzende der Linken), Horst von Buttlar (Chefredakteur „Capital“), Matthias Wissmann (Präsident der Autoindustrie), Guido Machowski (Betriebsratschef eines sächsischen Porsche-Zulieferers) und Sebastian Dullien (VWL-Professor) in ihren Talk.

Illner schlug einen großen Bogen um an den Kern ihres Themas zu kommen. Mögliche Steuerreform? Journalist von Buttlar will eine Steuersenkung, denn die Leute müssten was von dem Kuchen abbekommen. „Der Staat ertrinkt gerade im Geld.“ Gabriel gibt kontra: „Das Falscheste, was man machen kann. Das ist ökonomischer Unsinn.“ Viel eher wolle er das Geld Familien für Kitas geben. Da war er fast - so etwas wie ein Zwist in der Show.

Zu VW: Der Konzern muss in den USA mehr als 13 Milliarden Euro Strafe für die Manipulationen an den Dieselautos zahlen und will nun über 20.000 Arbeitsplätze einsparen. Boni werden selbstverständlich weiter wie gewohnt gezahlt. Ein Zukunftspakt, der für viele keine große Zukunft verspricht.   

Wissmann findet, wenn „schwere Fehler gemacht worden sind, dann muss das Konsequenzen haben für die Einkommen derer, die die Fehler gemacht haben“. Ein Mann der Autoindustrie stellt sich gegen die Bonizahlungen für die Auto-Chefs. Dem kann Kipping nur beipflichten und stellt das Konzept der Linken vor: „Wir wollen eine Regel, dass das maximale Einkommen eines Vorstandsmitglieds nicht mehr als das 20-fache eines Einkommens in der untersten Gehaltsklasse eines Unternehmens beträgt.“ Derzeit sei es dass 57-fache. 

Und Gabriel? Der spielt die Bedeutung des Dieselskandals herunter. Mehr Sorgen mache ihm, dass die Elektromobilität Arbeitsplätze kosten werde. Leiharbeit, Korrekturen der Agenda 2010 und soziale Verwerfungen - alles ist irgendwann abgearbeitet.

„Wer findet gute Arbeit und wie lange noch?“, fragte Illner gleich zu Beginn. Was am Ende hängen blieb: Illners Frage aus dem Nichts. Soeben diskutierten Gabriel und Kipping über die Zukunft der Kohlebranche, doch Illner merkte wohl, dass nicht mehr viel blieb von der Sendezeit. Also der Versuch die Sendung mit einem Knall zu beenden: „Herr Gabriel“, fragte sie also. „Was ist Ende Januar 2017 anders als heute?“ Gabriel spielte kurz den Überraschten, sagte dann: „Dann ist Weihnachten rum.“ Pause. „Dann bin ich kurz davor zum dritten Mal Vater zu werden.“ Und ernster: „Euch Journalisten wäre am liebsten, das Wahljahr würde nach der letzten Bundestagswahl losgehen. Aber die Kanzlerfrage ist eine ernste Frage. Angela Merkel hat das auch so gehandhabt.“

Auch wenn Hannelore Kraft offenbar mehr weiß. Wir werden uns in der K-Frage der SPD wohl noch gedulden müssen.

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