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Schweres Zugunglück in Tschechien: Rund 30 Verletzte, mehrere Tote - Zug startete in Deutschland

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Mladic wird nach Den Haag ausgeliefert

Belgrad - Ratko Mladic ist bei seiner Festnahme von den Einsatzkräften offenbar im Schlaf überrascht worden. Jetzt wird der "Schlächters vom Balkan" nach Den Haag ausgeliefert.

Das Gericht in Belgrad hat die Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag beschlossen. Alle Voraussetzungen dazu seien erfüllt, sagte Gerichtssprecherin Maja Kovacevic-Tomic am Freitag in Belgrad. Mladic verblieben jetzt drei Tage Zeit, dagegen Beschwerde einzulegen.

Die Familie Mladic wollte durchsetzen, dass der frühere Serbengeneral in ein Krankenhaus gebracht wird, weil er zu gebrechlich für ein Gerichtsverfahren sei. Dies hat das Gericht nach Angaben des Anwalts von Mladic abgelehnt. “Der Richter hat gesagt, die Ärzte hätten festgestellt, dass (mein Mandant) fähig ist, den Gerichtsprozess zu verfolgen“, sagte der Anwalt weiter.

Unterdessen verweigert Mladic die Annahme der Anklageschrift des UN-Tribunals in Den Haag. “Ihr habt Milosevic gewählt und nicht ich, wer ist also Schuld“, sagte Mladic nach Angaben einer Gerichtssprecherin am Freitag.

Slobodan Milosevic, der 2003 im Tribunal an Herzinfarkt gestorben war, hatte als fast unumschränkter serbischer Politiker der 90er Jahre die Kriege zur Schaffung eines “Großserbien“ maßgeblich mit angezettelt. Der Serbe Mladic hatte in der serbisch-dominierten jugoslawischen Volksarmee eine steile Karriere hingelegt und war später zum Militärchef der bosnischen Serben im Bürgerkrieg (1992-1995) aufgestiegen.

Die Vernehmung des 68-Jährigen Mladic war am Freitag fortgesetzt worden, nachdem sie am Donnerstag abgebrochen worden war. Der Ex-Militärchef der bosnischen Serben hatte sich als schwacher, kranker Mann präsentiert, der sich kaum mitteilen kann. Nach einem Bericht der serbischen Zeitung „Blic“, habe sich Mladic bei der Vernehmung in die Hose gemacht.

Ratko Mladic ist auf aktuellen Fotos nicht wiederzuerkennen. Die Medien veröffentlichten am Freitag in Belgrad Porträts des 69-Jährigen, auf denen er abgemagert und mit ausgefallenem Haar erscheint. Er zeige zudem starke Demenzerscheinungen, berichteten die Zeitungen. Sein rechter Arm sei nach einem Schlaganfall steif geblieben. Auf den letzten existierenden Fotos, die zehn Jahre alt waren, ist Mladic noch als lebensstrotzender fülliger Mann zu sehen.  

Details zur Verhaftung

Der als Kriegsverbrecher gesuchte ehemalige Serbengeneral sei am Donnerstagmorgen “aus dem Bett heraus verhaftet“ worden. Das berichteten die Zeitungen am Freitag in Belgrad. Seine angeblich umfangreiche Leibwache, die ihn bei einer Festnahme hätte erschießen sollen, sei weit und breit nicht in Sicht gewesen. Auch seien keine modernen Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptop gefunden worden. Bei dem Haus seines Onkels Branislav Mladic im Dorf Lazarevo - eine Autostunde nordwestlich von Belgrad - handele es sich um “ein typisches Bauernhaus“, hieß es in den Presseberichten weiter.

Ratko Mladic: Das ist der "Schlächter von Srebrenica"

Die Flucht des “Schlächters von Srebrenica“, Ratko Mladic, ist zu Ende: Nach mehr als 15 Jahren haben serbische Sicherheitskräfte den meistgesuchten Kriegsverbrecher Europas festgenommen. © dpa
Ihn erwartet ein Prozess vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal wegen der Ermordung von rund 8.000 bosnischen Muslimen. © dpa
Mladic gab am 11. Juli 1995 um 16.00 Uhr den Befehl, die unter dem Schutz der Vereinten Nationen stehende Enklave Srebrenica zu stürmen. © dpa
Mladic und der 2008 festgenommene frühere Präsident der bosnischen Serben, Radovan Karadzic (rechts), standen seit 1995 an der Spitze der Fahndungsliste des Haager UN-Tribunals. © dpa
Das US-Außenministerium setzte auf beide je fünf Millionen Dollar (3,2 Millionen Euro) Dollar Belohnung für Hinweise aus, die zu ihrer Ergreifung führen. Trotzdem - oder auch deswegen - blieben sie mehr viele Jahre unbehelligt. © dpa
Für nationalistische Serben sind beide Helden, und an Straßenecken tauchten im Land nach Karadzics Verhaftung junge Männer auf, die schwarze T-Shirts mit Mladics Porträt und der Aufschrift “serbischer Held“ verkaufen. © dpa
Mladic kam am 12. März 1943 in dem Bergdorf Treskavica südlich von Sarajevo zur Welt, einer Hochburg der serbischen Nationalisten. Seine Eltern schlossen sich im Kampf gegen die deutschen Besatzungstruppen den Partisanen des jugoslawischen Staatschefs Josip Broz Tito an. © dpa
Bereits mit 15 Jahren beendet Mladic seine Ausbildung an der Militärschule Zemun nahe Belgrad und begann eine steilen Aufstieg bei den Streitkräften. © dpa
Im Januar 1991 wurde er stellvertretender Befehlshaber eines Armeekorps in der überwiegend albanisch besiedelten und zu Serbien gehörenden Provinz Kosovo. Er erwarb sich einen Ruf als intelligenter, durchsetzungsfähiger, instinktsicherer, aber auch skrupelloser Offizier und wurde im April 1992 zum General befördert. © dpa
Wenig später begann der Bürgerkrieg zwischen bosnischen Serben, Kroaten und Muslimen, Mladic wurde Befehlshaber der bosnisch-serbischen Verbände. Binnen kurzer Zeit eroberten seine Truppen rund 70 Prozent des Territoriums der Teilrepublik. © AP
Mladic (rechts) und Karadzic bildeten fortan das Zweigespann der serbischen Aggression in Bosnien-Herzegowina. © dpa
Mit der brutalen Zerstörung von Dörfern und Städten, sogenannten ethnischen Säuberungen mit Massakern und Flüchtlingsströmen ohne Beispiel, Internierungslagern und Kriegsgräueln jeder Art hielten sie jahrelang die zivilisierte Welt in Atem. © dpa
Im Sommer 1995 erhielt der Krieg eine neue Dimension: Immer ungenierter gingen die Serben dazu über, sich ihrer in den UN-Schutzzonen unter Aufsicht gestellten Waffen wieder zu bedienen, beschossen Hilfsflüge und nahmen Blauhelme als Geiseln. © dpa
Im Juli 1995 schließlich griffen Mladics Truppen die im Osten der Republik liegende Schutzzone Srebrenica an und vertrieben die muslimische Bevölkerung, rund 8.000 Männer und Jungen wurden getötet. © dpa
Das Massaker dauerte eine Woche. “Kindern wurden die Kehlen vor den Augen ihrer Mütter durchgetrennt“, sagt der ägyptische Richter Fuad Riad, der die Anklage gegen Karadzic und Mladic mit vorbereitete. © dpa
Mladic hat sich dabei besonders zynisch verhalten: Er wurde gesehen, wie er kurz vor dem Massaker auf dem Marktplatz Süßigkeiten an muslimische Kinder verteilte, einem sogar den Kopf streichelte und ihnen versicherte, es werde alles gut werden. © dpa
Eine unheimliche Szene mit dem "Schlächter von Srebrenica", die sich Überlebenden unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt hat. © dpa
Erst ein Militäreinsatz der Alliierten Ende August brachte die Wende, im Oktober stimmten alle Seiten einem Waffenstillstand zu. Im Dezember wurde schließlich das Friedensabkommen von Dayton unterzeichnet. © AP
Der Druck auf die serbische Regierung, Mladic an das Haager Tribunal zu überstellen, nahm immer mehr zu. Der 69-Jährige wurde zu einem der meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher der Welt. © dpa
Trotzdem blieb er zunächst unbehelligt. Im Mai 1996 konnte er öffentlich an einem Begräbnis in Belgrad teilnehmen. Erst nach halbherzigen Versuchen der serbischen Sicherheitskräfte, ihn festzunehmen, tauchte er unter. © dpa
Immer wieder wurde der serbischen Regierung vorgeworfen, sie suche nicht entschlossen genug nach dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Die Tatsache, dass Mladic so lange nicht gefasst werden konnte, belastete auch die Beziehungen zur Europäischen Union. © dpa

Das Gebäude sei in der Vergangenheit von den Sicherheitskräften mehrmals ohne Ergebnis durchsucht worden, Mladic sei erst vor zwei Wochen hier eingetroffen. Zuvor habe er sich in der Umgebung von Belgrad versteckt gehalten. Schon früher hatten die Verfolger herausgefunden, dass Mladic seine Verstecke in schneller Folge änderte.

Keine Belohnung für Ergreifung von Mladic

Die zehn Millionen Euro, die der Staat für die Ergreifung des mutmaßlichen serbischen Kriegsverbrechers Ratko Mladic ausgelobt hatte, bleiben unterdessen im Staatssäckel. Es gebe niemanden, der den entscheidenden Tipp gegeben habe, sagte der Staatssekretär im Justizministerium, Slobodan Homen, dem Belgrad TV-Sender B92. Der 69-Jährige sei “im Rahmen der normalen operativen Arbeit der serbischen Sicherheitsorgane“ gefasst worden. “Die haben nur ihre Arbeit gemäß Verfassung und Gesetz gemacht“, begründete Homen am Freitag seine Position.

Mladic besaß "ganze Tüte voller Medikamente"

Mladic besaß bei seiner Festnahme am Donnerstag “eine ganze Tüte voller Medikamente“. Das berichtete die Zeitung “Blic“ am Freitag in Belgrad unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden. Diese Arzneimittel habe er nicht ohne Hilfe eine Arztes beschaffen können. Nach dem medizinischen Check Mladics durch die Amtsärzte schreiben diese nun vor, welche Arzneien der 69-Jährige nehmen soll.

dpa/dapd

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