Beamter randaliert in Hamburg

Münchner Polizist gesteht Bierdosen-Wurf bei G20-Krawallen

Gab ein Interview: Polizist Oliver D. nach dem Wurf.
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Gab ein Interview: Polizist Oliver D. nach dem Wurf.

Der Münchner Polizist Oliver D. hat eingeräumt, am Rande der Anti-G20-Demo „Welcome to Hell“ eine Bierdose von einer Brücke geworfen zu haben.

München - Der 35-Jährige bestreitet aber, dass er Kollegen habe treffen wollen, die gegen Demonstranten vorgingen. Das berichtet der Spiegel unter Verweis auf einen Schriftsatz von D.s Verteidiger Alexander Kienzle an die Hamburger Staatsanwaltschaft, der dem Nachrichtenmagazin vorliegt. „Weder wurde eine Dose auf Polizeibeamte geworfen, noch geschah das in Verletzungsabsicht“, schreibt Kienzle.

Staatsanwaltschaft erhebt schwere Vorwürfe

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen D. wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte. Der Verteidiger fordert nun, das Verfahren mangels eines hinreichenden Tatverdachts einzustellen. Demnach behauptet D., er habe so gezielt, dass er niemanden habe treffen können. Zum Zeitpunkt des Aufpralls seien die nächsten Polizisten, die in Richtung des Brückentunnels liefen, anderthalb bis zwei Meter entfernt gewesen. Als Motive für den Wurf nennt D. Wut, Hilflosigkeit und Angst vor Polizeigewalt. Es sei das erste Mal gewesen, dass er sich mit seinem Beruf nicht mehr habe identifizieren können.

Ein Polizeivideo zeigt, dass der Vorfall am 6. Juli um 20.07 Uhr geschah. Der Münchner wurde von Kollegen auf dem Mitschnitt erkannt und der Sonderkommission „Schwarzer Block“ gemeldet. Die Münchner Wohnung des Beamten und die seiner Freundin in St. Pauli wurden durchsucht. D. war am Morgen aus München mit dem Zug angereist – obwohl er frei hatte, in Uniform. Die Bahn verlangt dann keinen Fahrpreis. Gemeinsam mit seiner Freundin und weiteren Bekannten begab er sich bereits am Mittag zum Fischmarkt. Anwalt Kienzle sagte dem Spiegel, sein Mandant sei nicht Teilnehmer der Demo gewesen, habe auch keinen linksradikalen Hintergrund. Er habe sich privat als Zuschauer am Fischmarkt aufgehalten und bis zum Abend etwa vier Dosen Bier getrunken.

Polizist gab bei Krawallen Fernseh-Interview - in Zivil

Nur zwei Minuten nach seinem Dosenwurf gab D. gemeinsam mit seiner Freundin einem Spiegel-Reporter ein Interview. Die Freundin sagt: „Es ist nichts passiert auf dem Platz, und die Bullen sind voll reingegangen.“ Die Staatsanwaltschaft wirft auch ihr einen Dosenwurf vor. D. sagte dem Reporter in auffällig bairischem Akzent: „Also, es war wirklich friedlich. Man hat in der Ferne ein, zwei Knalle gehört. Und dann kommt aus jeder Ecke Polizei.“ Dabei bleibt er bis heute. Dass seine Kollegen den Fischmarkt mit gezogenem Knüppel geräumt hätten, sei mit seinem Verständnis der Rechtslage nicht vereinbar. Eine Räumung hätten die Polizisten ankündigen müssen.

Für D. geht es jetzt um die Existenz. Kassiert er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr, ist er seinen Job los. Vom Dienst ist er seit Januar suspendiert.

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