Doch ein Detail stört

Muslime singen gegen Terror: Anti-IS-Video geht viral

Im Spot des Telefonanbieters Zain aus Kuwait bereitet ein Mann einen Terroranschlag vor. Etliche Muslime singen gegen den IS an.

Seit Beginn des Ramadan geht ein Musikvideo der Telefonfirma Zain aus Kuwait viral. Muslime singen darin gegen den IS-Terror an. Doch die Meinungen darüber sind gespalten – vor allem wegen eines besonderen Details.

Kuwait-Stadt – Vergangenen Samstag hat der islamische Fastenmonat Ramadan begonnen. Bis zum 24. Juni üben sich gläubige Muslime tagsüber in Verzicht, erst nach Sonnenuntergang darf das Fasten gebrochen werden (Merkur.de hat das Wichtigste zum Ramadan zusammengefasst). Zu Beginn des Ramadan hat die Telefonfirma Zain aus Kuwait ein Werbevideo im Internet veröffentlicht, das zu einem friedlichen Miteinander aufruft sowie Gewalt und Hass unter Muslimen und gegen Andersgläubige verurteilt. Die zentrale Botschaft des gut dreiminütigen Spots ist: „Verehre deinen Gott durch Liebe, nicht durch Terror“. 

In dem Video ist zu sehen, wie ein Mann eine Bombe vorbereitet und sich dann mit einer Sprengstoffweste bekleidet auf den Weg macht – vermutlich zu einem geplanten Anschlagsort. „Ich werde Gott alles sagen“, sagt eine Kinderstimme aus dem Off auf Arabisch. „Dass du die Friedhöfe mit unseren Kindern gefüllt und unsere Schultische leer gefegt hast.“ Weiter sagt das Kind: „Und dass du gelogen hast. Gott kennt die Geheimnisse aller Herzen.“ Auf seinem Weg stellen sich dem Mann jedoch immer wieder Menschen in den Weg: ein Vater mit einem Baby auf dem Arm, ein kleiner Junge, eine Lehrerin mit ihrer Schulklasse, schließlich eine ganze Menschenmenge aus Frauen, Männern und Kindern. Der Anführer der Gruppe, die gegen den Terror ansingt, ist der arabische Sänger Hussain Al Jassmi. 

„Konfrontiere deinen Feind mit Frieden, nicht mit Krieg“ singen sie, als der Mann mit der Bombe stolpert und der Anführer der Friedensgruppe ihm die Hand reicht, um ihm aufzuhelfen. Der Spot zeigt, wie der Mann die Bombe zünden will. Im nächsten Bild explodiert aber nicht der Sprengkörper, sondern ein Feuerwerk am Himmel anlässlich der Hochzeit eines Brautpaares. Zum Schluss ist der vermeintliche Attentäter Gast bei der Feier. „Wir werden ihren Hass-Attacken mit Liedern der Liebe kontern“, ist am Ende zu lesen.

Einige Szenen lösen Kritik aus

Das Video mit Untertiteln auf Arabisch und Englisch geht seit seiner Veröffentlichung im Netz viral. Auf dem Videoportal YouTube wurde es bereits mehr als vier Millionen Mal aufgerufen, auf Facebook wurde es mehr als 5000 Mal geteilt. Der Großteil der Nutzer lobt das Video – doch es löst auch Kritik aus. Der Grund sind vor allem die Szenen, die in die fiktive Geschichte eingeflochten sind: Zu sehen sind mehrere Sequenzen aus tatsächlichen Anschlägen des Islamischen Staates (IS), wie beispielsweise Bilder von brennenden und zerstörten Gebäuden im Irak, in Kuwait, die Szenerie nach dem Anschlag auf eine Hochzeit in Jordanien oder einem Attentat auf einen Krankenhausparkplatz in Jordanien.

Neben diesen Örtlichkeiten treten auch reale Opfer in dem Video auf wie etwa ein Mann, der bei einem Anschlag auf eine Moschee in Kuwait verletzt wurde, ein Vater, der seinen Sohn bei den Bombenanschlägen auf die irakische Hauptstadt Bagdad verlor oder die Braut, deren Hochzeitsfeier Ziel des IS-Terrors wurde. Diese Bilder sorgen für eine Debatte: Zahlreiche Menschen loben den Versuch, auf diese Art und Weise dem Terror zu begegnen. Andere jedoch verurteilen den Spot, zum einen, weil er Opfer von Bombenattacken sowie ein zu einfaches Bild von Terroristen zeige und zum anderen, weil die Telefonfirma das Leiden der Menschen kommerzialisiere. 

Noch mehr Nutzer erzürnt jedoch ein bestimmtes Bild im Video. Anfangs sieht man ein Kind in einem Bus sitzen, das der fünfjährige Junge Omran aus Syrien sein soll. Im August 2016 ging ein Foto, das Omran blut- und staubverschmiert völlig unter Schock in einem Krankenwagen sitzend zeigt, um die Welt. Es wurde zum Symbolbild für das Leiden der Kinder im syrischen Krieg. Im Video verkörpert ein Schauspieler den kleinen Omran. Viele Syrer stellen nun richtig, dass Omran Opfer eines Angriffs des Regimes des syrischen Staatspräsidenten Bashar al-Assad geworden sei und nicht das eines IS-Anschlags. Seine Geschichte in diesem Zusammenhang darzustellen, sei fehl am Platz. Der syrische Schriftsteller Kutaiba Yassin richtet sich laut der britischen Tageszeitung The Guardian an die Öffentlichkeit: „Es gehört zur Gerechtigkeit für jedes Opfer, seinen Täter zu zeigen. Die Werbung von Zain verzerrt die Wahrheit.“ 

mh

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