Keine Strafen für „Jubelperser“

Nach 50 Jahren: Berlin entschuldigt sich für Polizeieinsatz bei Schah-Demo

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Vor 50 Jahren starb in Berlin der Student Benno Ohnesorg

Vor genau 50 Jahren gingen in Berlin „Jubelperser“ auf studentische Protestierende los. Die Polizei schaute zu. Nun hat sich Berlins Justizsenator entschuldigt.

Berlin - Fünfzig Jahre nach den Demonstrationen gegen den Schah von Persien in Berlin hat Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) um Entschuldigung für den damaligen Polizeieinsatz gebeten. Am 2. Juni 1967 habe die Polizei die Demonstranten nicht vor den Schah-Anhängern geschützt, die auf die Studenten mit Dachlatten und Stahlruten losgegangen seien - im Gegenteil. Bei der Polizei habe es geheißen „Knüppel frei“ gegen die Studenten, sagte Behrendt am Freitag vor dem Rathaus Schöneberg, dem Ort der damaligen Proteste.

„Heute möchte ich die Opfer dieser Gewalt und Willkür, deren Täter nicht oder nicht ausreichend belangt wurden, um Entschuldigung bitten“, sagte Behrendt. Weder seien damals die Personalien der Gewalttäter festgestellt worden, noch habe es Festnahmen gegeben.

Ansprache vor Rudi Dutschkes Witwe

Auf den Tag genau vor 50 Jahren hatten Studenten vor dem Rathaus Schöneberg gegen den Besuch des Schahs von Persien, Reza Pahlevi, und seiner Frau Farah Diba, protestiert. Agenten des iranischen Geheimdienstes Savak, sogenannte „Jubelperser“, hatten vor den Augen der Polizei auf die Studenten eingeprügelt. Bei einer Demonstration vor der Deutschen Oper am Abend wurde der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Karl-Heinz Kurras mit einem Pistolenschuss tödlich verletzt.

Behrendt sprach vor rund 50 Teilnehmern einer Kundgebung, darunter mehrere „Veteranen“ der Protestbewegung wie dem Bundestagsabgeordneten Tom Koenigs (Grüne) und Gretchen Klotz-Dutschke, Witwe des an den Folgen eines Anschlags gestorbenen Studentenführers Rudi Dutschke (1940-1979).

dpa

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