Putin könnte politisches Kapital aus Anschlag schlagen 

Hatte der Petersburg-Attentäter Kontakt zum IS?

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Durch die Wucht der Explosion wurden Türen und Fenster des U-Bahn-Waggons zerstört.

St. Petersburg - 14 Menschen sind bei dem Anschlag in  St. Petersburg getötet worden. Die Ermittler glauben, den Täter zu kennen. Doch wer oder was trieb den Mann aus Kirgistan zu der Tat?

Nach dem Bombenanschlag in St. Petersburg gehen russische Ermittler möglichen Verbindungen des Attentäters zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nach. Das habe der Leiter des Staatlichen Ermittlungskomitees, Alexander Bastrykin, angeordnet, teilte die Behörde mit.

Am Vortag hatten die Sicherheitsbehörden den 22-jährigen Akbarschon Dschalilow aus Kirgistan als mutmaßlichen Attentäter identifiziert. Seine Wohnung in St. Petersburg sei durchsucht worden. Bei dem Anschlag in der U-Bahn der Millionenstadt am Montag waren 14 Menschen getötet worden - darunter auch Dschalilow. Elf Menschen starben direkt bei der Explosion, drei weitere erlagen später ihren Verletzungen, wie Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa mitteilte. Etwa 50 Menschen wurden verletzt, einige von ihnen befinden sich derzeit noch in kritischem Zustand.

Dschalilow habe einen russischen Pass gehabt. Nach Medienberichten wurde er erst in diesem Jahr von einer islamistischen Organisation angeworben. Die Agentur Interfax beruft sich dabei auf eine nicht näher genannte Quelle.

Der Gouverneur der Stadt, Georgi Poltawtschenko, versprach, es werde alles getan, um die Sicherheit von Touristen zu garantieren. Im Juni ist St. Petersburg Hauptspielort des Confederations Cup, kommende Jahr finden Spiele der Fußball-WM statt.

Erler: "Terror-Bedrohung schadet Putin nicht"

Der Kreml schloss nicht aus, dass der Bombenanschlag mit dem Besuch von Präsident Putin in der Metropole zusammenhängt. Der Kreml-Chef könne sich nun wieder als starker Mann und entschlossener Kämpfer zeigen, sagte Gernot Erler, der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, der "Passauer Neuen Presse". Die terroristische Bedrohung schade seiner Machtposition nicht.

Die liberale Zeitung „Hospodarske noviny“ aus Tschechien schreibt am Mittwoch „Zynisch gesagt kommt (dem russischen Präsidenten) Wladimir Putin der Terroranschlag in St. Petersburg gerade recht. Noch vor einer Woche gab es dort wie in vielen anderen russischen Städten bis hin zum fernen Wladiwostok Proteste gegen seine Regierung.

Bislang hat der IS drei Anschläge gegen Russen für sich reklamiert. Im August 2016 wurden zwei Polizisten im Moskauer Vorort Balaschicha verletzt. Ende März starben sechs russische Nationalgardisten beim Angriff auf eine Kaserne in Tschetschenien. Die Bombenexplosion in einem russischen Touristenflieger auf dem Flug von Ägypten nach St. Petersburg mit 224 Toten im Oktober 2015 soll auf das Konto des IS-Ablegers auf der Halbinsel Sinai gehen.

„Terroranschläge sind in Russland schon lange ein Faktor in der Politik, auch wenn das angesichts der offiziellen Losung von der Stabilität merkwürdig klingt“, schreibt die Zeitung „Wedomosti“. Putin hat auf Terroranschläge immer mit Härte reagiert und sogar politisches Kapital daraus geschlagen. Sein Krieg gegen das abtrünnige Tschetschenien trug ihn zum ersten Wahlsieg 2000. Nach Beslan 2004 schaffte der Kremlchef die Gouverneurswahlen und damit die Selbstständigkeit der Regionen ab.

Russische Oppositionelle befürchten auch jetzt, dass Putin das Land im Terror-Modus auf die Wahl zusteuern könnte.

St. Petersburg trauert um Anschlagsopfer

dpa

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