Kommunikationsdirektor nach elf Tagen gefeuert

Chaos im Weißen Haus? Trump hofft auf den Neustart

+
Er darf „harte Entscheidungen“ treffen: Donald Trump (r.) mit seinem neuen Stabschef John Kelly. 

Gefeuert nach nur zehn Tagen im Weißen Haus: Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci ist seinen Posten in der mächtigen US-Regierungszentrale wieder los. Regiert nun das Chaos? Oder ist es die Chance auf einen Neuanfang?

Washington – Chaos? Welches Chaos? Nur Stunden, nachdem Donald Trump in einem Tweet am Montag festgestellt hatte: „Kein Chaos im Weißen Haus!“, drang die Meldung von der Entlassung seines Kommunikationsdirektors Anthony Scaramucci an die Öffentlichkeit. Knapp elf Tage hatte sich der Abteilungsleiter an seinem neuen Job erfreuen können, dann ließ der Präsident ihn von Secret-Service-Beamten vom Gelände der Regierungs-Schaltzentrale leiten. Es war der nächste Paukenschlag nach dem forcierten Rücktritt von Stabschef Reince Priebus am Freitag letzter Woche.

Beobachter in Washington müssen lange zurückdenken, um sich an ähnlich dramatische Tage im Westflügel des Weißen Hauses zu erinnern. Vor allem die turbulente Ära Richard Nixons während des „Watergate“-Skandals bietet einige vergleichbare Parallelen. Amerika reibt sich erneut die Augen und stellt sich Fragen, wie sie beispielsweise die „Washington Post“ gestern formulierte: Wie kann die Welle an Negativmeldungen gebremst werden, die auch – das fürchten führende Republikaner – den konservativen Volksvertretern bei den Kongress-Zwischenwahlen im kommenden Jahr erheblich schaden könnte? Und: Kann der neue starke Mann unter Trump – Ex-General John Kelly, der seine Job-Übernahme als Stabschef an die Demission Scaramuccis geknüpft hatte – den Präsidenten so beeinflussen, dass sich nach sechs Monaten die Stimmungslage im Land ändert?

Trump höchstpersönlich soll eine irreführende Erklärung diktiert haben

Kaum hatte Kelly am Montag seinen Stab um sich versammelt und den Mitarbeitern eingetrichtert, künftig müsse jeder Berater im „West Wing“ – und damit auch Trump-Tochter Ivanka und Schwiegersohn Jared Kushner – ohne Umwege über den Präsidenten an ihn direkt berichten, gab es schon die nächste Hiobsbotschaft in Form eines internen „Leaks“ an die Medien. Trump soll Sohn Donald jr. höchstpersönlich eine irreführende Erklärung zum Treffen mit einer russischen Anwältin im Juni 2016 diktiert haben – ein Vorgang, der nach Ansicht von Rechtsexperten den Präsidenten in den Ermittlungen der Justiz zum Einfluss Russlands auf die US-Wahl in juristische Probleme bringen könnte.

Genug Arbeit gibt es also für den frischgebackenen Stabschef Kelly – auch mit Blick auf die undichten Stellen, die nach Meinung von Beobachtern ein Indiz für Machtkämpfe und Unzufriedenheit im Weißen Haus sind. Dass der neue Zuchtmeister Kelly den Kopf Scaramuccis gefordert hatte, ist dabei keine Überraschung. Der Ex-Militär verabscheue Disziplinlosigkeit, heißt es, und Scaramucci hatte sich mit seinen obszönen Tiraden über Priebus und Berater Steven Bannon einen maximalen Fauxpas geleistet. Am Montag versuchte Trumps Sprecherin Sarah Sanders klarzumachen, dass auch der Präsident die Gossensprache Scaramuccis nicht gebilligt habe. Es kam zum „Sturz biblischer Proportionen“, wie es die „Washington Post“ nannte.

Die Autorität von Trump für „harte Entscheidungen“

Trumps General-Aufräumer sieht sich nun vor allem mit einem Kernproblem konfrontiert: Seine Zuchtmeister-Rolle bringt ihn in direkten Konflikt mit einem Präsidenten, der gerne impulsive Politik über Twitter betreibt. Ins Zwielicht rückt dabei mittlerweile auch Trump-Tochter Ivanka. Sie sei daran gescheitert, in ihrer Beraterrolle mäßigend auf den Vater einzuwirken, stellte gestern der liberale Kolumnist Eugene Robinson fest. Schafft Kelly dies? Er habe die Autorität von Trump erhalten, „harte Entscheidungen“ zu treffen, ließ der neue Stabschef jetzt gegenüber Vertrauten durchblicken.

Trump jedenfalls scheint zufrieden. Stunden nach Scaramuccis spektakulärer Entlassung twitterte er: „A great day at the White House!“

Lesen Sie auch: Trumps Entlassungen: Ein Weißes Haus wie ein Rangierbahnhof

Zurück zur Übersicht: Politik

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser