Angehörige der Täter jubelten im Gerichtssaal

Empörung über Vergewaltiger-Urteil: Jetzt schaltet sich die Politik ein

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Die Angeklagten bei der Verhandlung im Landgericht Hamburg.

Hamburg - Für die bestialische Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen kamen vier von fünf Tätern mit Bewährungsstrafen davon. Dieses Urteil macht viele wütend. Jetzt wird die Sache politisch.

Es war eine äußerst grausame Tat, die Mitte Oktober vor dem Landgericht Hamburg verhandelt wurde: Fünf Täter zwischen 14 und 21 Jahren vergewaltigten eine betrunkene 14-Jährige, missbrauchten sie mit Flaschen und anderen Gegenständen und warfen sie dann bei eisigen Temperaturen halbnackt in einen Hinterhof. Eine 15-Jährige soll die Tat mit ihrem Handy gefilmt und Anweisungen gegeben haben. Das Urteil, das viele wütend macht: Nur der älteste Täter muss vier Jahre in Haft, die übrigen Jugendlichen bekamen Haftstrafen zwischen ein und zwei Jahren - auf Bewährung. Sie werden in Jugendeinrichtungen untergebracht. Gehen sie zur Schule und machen eine Therapie, bleibt ihnen das Gefängnis erspart. Der Grund: Ein reumütiges Geständnis und ihre „positive Sozialprognose“.

„Empörende Reaktion der Täter und ihres Clans“

CDU-Politikerin Karin Prien sitzt im Landesparlament Hamburg.

Diesen Richterspruch wollen viele nicht hinnehmen - auch CDU-Politikerin Karin Prien nicht. Wie viele andere regt sie sich laut Bild.de darüber auf, dass die Freunde und Familien der Täter jubelten, als die Bewährungsstrafen im Gerichtssaal verkündet wurde. „Empörend in diesem Fall ist die triumphierende Reaktion der Angeklagten und ihres Clans auf die kaum erträgliche milde Verurteilung. Die ,positive Sozialprognose‘ war doch in dem Moment widerlegt, in dem sie durch ihre widerlichen Gesten nach der Verhandlung belegt haben, dass von Reue keine Rede sein kann“, wird die Abgeordnete im Hamburger Landesparlament zitiert. Der Rechtsstaat dürfe sich das nicht gefallen lassen.

Der Hamburger Senat solle außerdem Rechenschaft ablegen, fordert Prien in einer Anfrage. Denn das 14-jährige Opfer stand unter der Obhut des Jugendamts. Karin Prien will wissen, wie es zu dem Verbrechen kommen konnte und das Mädchen nachts unbemerkt zum Tatort gelangte.

Petition gegen Urteil gestartet

Auch unter den Bürgern ist die Wut über das Urteil immens. Über 85.000 haben bereits eine Online-Petition auf change.org unterschrieben, die sich gegen das Strafmaß für die Vergewaltiger richtet. „Es kann nicht sein, dass eine vierfache Gruppenvergewaltigung an einer 14-Jährigen mit einer Bewährungsstrafe endet. Insbesondere, wenn das Mädchen danach wie ein Stück Fleisch und halbnackt in die Kälte gelegt wurde“, scheibt der Initiator. Auch die Staatsanwaltschaft Hamburg hat bereits Revision gegen das Urteil der Richter eingelegt. Sie hatte höhere Strafen gefordert.

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