Konflikt in Jerusalem

Nach Zugangsbeschränkung von Israel: So ist die Lage in Jerusalem

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Nach den Unruhen in Jerusalem, hat Israel erneut den Zugang zum Tempelberg eingeschränkt. Damit droht eine erneute Eskalation der Lage.

Eigentlich hatte es so ausgesehen, als würde sich der Konflikt am Tempelberg beruhigen. Doch nach erneuten Unruhen, schränkt Israel nun den Zugang zum Berg erneut ein.

Jerusalem - Nach neuen Unruhen hat Israel den Zugang zum Tempelberg in Jerusalem wieder eingeschränkt. Männern unter 50 Jahren war der Zugang zu den heiligen Stätten am Freitag verwehrt, wie die Polizei mitteilte. Befürchtet würden neue Demonstrationen und Gewalt, erklärten die Sicherheitskräfte. Es blieb jedoch zunächst ruhig. Am Abend wurde die Altersbeschränkung für den Zugang zum Tempelberg dann wieder aufgehoben. Der Freitag ist der Hauptgebetstag der Muslime. Im Westjordanland wurde ein Palästinenser erschossen, der laut Armee einen israelischen Soldaten mit einer Stichwaffe attackierte.

Erneuten Zusammenstößen nach Abbau der Metaldetektoren

Nach dem Abbau der umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen durch Israel waren am Donnerstag erstmals seit rund zwei Wochen wieder Palästinenser zu Gebeten auf den Tempelberg gekommen. Kurz darauf gab es aber erneut Zusammenstöße mit israelischen Sicherheitskräften. Der Rote Halbmond sprach von mehr als 180 Verletzten rund um die Al-Aksa-Moschee.

Außerdem gab das palästinensische Gesundheitsministerium bekannt, dass die Zahl der bei den jüngsten Auseinandersetzungen Getöteten auf sechs gestiegen sei. Das sechste Opfer, ein 26-jähriger Palästinenser, wurde demnach drei Tage zuvor im Westjordanland verletzt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf den israelischen Sicherheitskräften vor, eine friedliche Menschenmenge mit "Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschossen" an einem Zugang zum Tempelberg beschossen zu haben. Die Organisation Palestinian Prisoners Club teilte mit, mindestens 119 Menschen seien festgenommen worden, 21 von ihnen weiter in Gewahrsam.

Am Freitag zum Mittagsgebet war es jedoch zunächst ruhig. Tausende

Gläubige kamen zu den Gebeten auf dem Tempelberg

. Jugendliche Palästinenser protestierten an einem Zugang zu dem Gelände gegen Israel.

Am Nachmittag erschossen israelische Soldaten laut Armee einen palästinensischen Attentäter südwestlich von Bethlehem. Am Rande des Gazastreifens wurde nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums ein Jugendlicher von Schüssen israelischer Soldaten getötet. Bei den Konfrontationen seien zudem sechs Palästinenser verletzt worden. Eine Sprecherin der israelischen Armee sagte, Palästinenser hätten versucht, den Sicherheitszaun zu Israel zu beschädigen. Es sei auf die Hauptanstifter gefeuert worden. Wegen der Tempelberg-Krise gab es in dem Küstengebiet mehrere Protestaktionen.

So wurde der Konflikt am Tempelberg ausgelöst

Der Konflikt um den Tempelberg war Mitte Juli wieder eskaliert, nachdem bei einem Anschlag in der Jerusalemer Altstadt zwei Polizisten getötet worden waren. Israel versah die Zugänge zu den muslimischen Gebetsstätten auf dem Tempelberg daraufhin mit Metalldetektoren und neuen Überwachungskameras. Israel begründete die Maßnahme damit, dass die Angreifer Waffen auf das Tempelberg-Gelände geschmuggelt hätten.

Die Sicherheitsvorrichtungen führten zu wütenden Protesten, bei denen fünf Palästinenser getötet wurden. Im besetzten Westjordanland erstach ein palästinensischer Angreifer in einer Siedlung drei Israelis.

Zunächst hatte es so ausgesehen, als wäre der neu aufgeflammte Streit um den Muslimen wie Juden heiligen Tempelberg entschärft: Israel baute seine umstrittenen Sicherheitsvorrichtungen wieder ab, die Palästinenser kündigten daraufhin ein Ende ihrer Proteste an. Die israelische Polizei erklärte, die Zugangskontrollen seien nun wieder in dem Zustand wie vor dem Anschlag auf die Polizisten am 14. Juli.

In den frühen Morgenstunden am Donnerstag versammelten sich zahlreiche Palästinenser am Fuß des Tempelbergs und feierten den Abbau der Sperren mit einem Hupkonzert und Böllern. Ein Teilnehmer sprach von einem "Sieg" über Israel. Am Nachmittag kamen erstmals wieder tausende Gläubige zum Gebet auf den Tempelberg.

Bei dem Vorfall im Westjordanland wurde nach Angaben der israelischen Streitkräfte kein Soldat verletzt. Der Palästinenser habe an der Kreuzung von Gusch Etzion versucht, auf einen Soldaten einzustechen.

Jordanien verweigert israelischem Botschafter die Einreise

Jordanien verweigerte unterdessen dem israelischen Botschafter und seinem Botschaftsstab die Rückkehr ins Land, bis Ermittlungen zu einem tödlichen Zwischenfall auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Jordaniens Hauptstadt Amman eingeleitet seien. Am Sonntagabend hatte nach Angaben des israelischen Außenministeriums ein israelischer Wachmann der Botschaft einen jordanischen Angreifer erschossen und versehentlich auch einen zweiten Jordanier tödlich getroffen.

Der Vorfall ereignete sich demnach in der Wohnung des Sicherheitsbediensteten in einem Nebengebäude der Botschaft. Der Wachmann, der laut Israel diplomatische Immunität genießt, kehrte am Montag nach Israel zurück, wo er wie ein Held empfangen wurde. Jordaniens König Abdullah forderte Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu auf, den Verdächtigen vor Gericht stellen zu lassen. Am Freitag demonstrierten hunderte Jordanier nahe der israelischen Botschaft und forderten deren Schließung.

afp

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