„Verdiene ich es deswegen zu sterben?“

Namen auf geheimer Todesliste? Journalisten klagen gegen Trump

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Präsident Donald Trump und die US-Regierung werden von den Journalisten Ahmad Zaidan und Bilal Kareem verklagt. 

Washington - Zwei Journalisten sollen auf der geheimen Todesliste der US-Regierung stehen. Jetzt klagen die beiden gegen die USA und Trump.

Der ehemalige Büroleiter des Fernsehsenders Al Jazeera in Islamabad, Ahmad Zaidan und der freiberufliche Journalist Bilal Kareem vermuten, sie seien fälschlicherweise auf die geheime Todesliste der US-Regierung gekommen. Dies soll Politico zufolge bereits unter der Präsidentschaft von Barack Obama geschehen sein. Der derzeitige Präsident Donald Trump soll die beiden Männer aber weiterhin auf der Liste stehen haben. 

Wie die Nachrichtenseite The Intercept bereits 2015 berichtete, befand sich in den von Whistleblower Edward Snowden veröffentlichten Dokumenten, der Name von Ahmad Zaidan. Wie die Papiere zeigen sollen, vermutet die US-Regierung, dass Zaidan Mitglied der terroristischen Gruppe Al-Qaida sei. Zudem soll er der Muslimischen Bruderschaft angehören, ebenfalls eine als terroristisch eingestufte Gruppierung im Nahen Osten. 

Zaidan führte mehrere Interviews mit Osama Bin Laden

Gegenüber The Intercept habe Zaidan diesen Vorwürfen vehement widersprochen und erklärt, er sei keinesfalls Mitglied dieser terroristischen Organisationen. Kontakte hat er zu den Gruppierungen, allerdings aus rein journalistischen Beweggründen, wie er 2015 in einer Kolumne des Fernsehsenders Al Jazeera schreibt. 

Zaidan hat in der Vergangenheit mehrere Interviews mit dem 2011 getöteten Anführer der Terrorgruppe Al-Qaida, Osama Bin Laden geführt. Auch mit verschiedenen hochrangigen Mitgliedern dieser und anderer terroristischer Gruppen habe er Kontakt gehabt. In der Kolumne führt Zaidan gleichzeitig jedoch an, dass dies stets journalistische Hintergründe gehabt habe, das würden auch entsprechende Beiträge für Al Jazeera nachweisen, so Zaidan. 

„Verdiene ich es deswegen getötet zu werden?“

Sowohl Zaidan als auch der Journalist Bilal Kareem wollen nun Gewissheit und klagen gegen die US-Regierung, insbesondere gegen US-Präsident Donald Trump, den Direktor der CIA, Michael Richard Pompeo und den Verteidigungsminister James Mattis. Des Weiteren klagen sie gegen John F. Kelly, den Minister des Department für innere Sicherheit und den Generalstaatsanwalt Jefferson B. Sessions. Die beiden Journalisten wollen wissen ob und wenn ja, weshalb sie auf der geheimen Todesliste stehen. Kareem, der in den USA geboren wurde und als Journalist vorrangig aus Syrien berichtet, sagte Politico, er habe in der Klage angeführt, dass er fünf Mal nur knapp einem Luftangriff entkommen sei. In der Klageschrift erklären Zaiman und Kareem, dass beide aufgrund der Todesliste in ständiger Lebensgefahr seien, wenn sie aus den wohl „gefährlichsten Regionen der Welt“ berichten würden. 

In einem Post auf dem verifizierten Facebook-Profil des syrischen Journalisten und Filmemacher Bilal Kareem, veröffentlichte dieser am 31. März ein Foto von sich und fragte: „Ich gebe der Welt Zugang zu den ungehörten Geschichten in Syrien - verdiene ich es deswegen getötet zu werden?“

Algorithmen identifizierten die beiden Journalisten als Terroristen

Weiterhin wird der Vorwurf erhoben, die US-Regierung habe Reiserouten, Inhalte aus den sozialen Medien und daraus resultierende Kontakte durch einen Algorithmus laufen lassen, der der USA helfen soll Terroristen zu identifizieren. „Diese Algorithmen haben sie (Zaidan und Kareem, Anmerk. d. Red.) als Zielpersonen identifiziert, aber nicht weil sie Terroristen sind, sondern weil die von den Beklagten verwendete Methodik darauf abzielt ungerechtfertigt unschuldige Menschen zu töten“, heißt es in der Klageschrift

Die Anwälte der beiden Journalisten verlangen eine gerichtliche Anhörung, bei der die US-Regierung rechtfertigen soll, aus welchen Gründen Zaiman und Kareem auf der Todesliste stünden. Zudem wird gefordert, dass beide unverzüglich von der Liste genommen werden und vor Gericht ihre Position verteidigen und erklären dürfen. 

Mitglied von Al-Qaida und der Muslimischen Bruderschaft? Eigentlich kaum möglich

Vor zwei Jahren schrieb Ahmad Zaidan in der Kolumne, dass die US-Regierung davon ausgehe, dass er sowohl Mitglied von Al-Qaida als auch von der Muslimischen Bruderschaft sei. „Jeder Studienanfänger der politischen Wissenschaften würde den Unterschied zwischen der Muslimischen Bruderschaft und Al-Qaida kennen. Die beiden haben völlig verschiedene Ideologien und sind Todfeinde.“ Zaidan zufolge, könne man also gar nicht Mitglied beider Gruppierungen sein. 

Die beiden Journalisten, Ahmad Zaidan und Bilal Kareem haben vergangene Woche Dienstag ihre Klage eingereicht. Unterstützt werden sie dabei von der Menschenrechtsorganisation Reprieve. Die Verhandlungen dürften interessant werden, zumal bekannt ist, dass US-Präsident Donald Trump ein schwieriges Verhältnis zu den Medien und insbesondere zu Journalisten hat. 

mt

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