Waffenarsenal soll ausgebaut werden

Neue Eskalation im Atomstreit mit Nordkorea

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Nordkorea fühlt sich durch den jüngsten UN-Beschluss provoziert.

Seoul - Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel schaukeln sich wieder hoch. Nordkorea droht, sein Atomwaffenarsenal auszubauen. Ist das ein Vorbote für einen neuen Nukleartest?

Das neue Jahr hatte auf der koreanischen Halbinsel verheißungsvoll begonnen. Nordkoreas junger Machthaber Kim Jong Un schlug in seiner ersten Neujahrsrede überraschend versöhnliche Töne an, versprach einen „radikalen Umschwung“ seines Landes und nannte das Ende der Konfrontation mit Südkorea als Ziel. Doch jetzt drohen die Spannungen zu eskalieren.

Südkorea sieht in Pjöngjangs entschiedener Absage an neue Abrüstungsgespräche und der Drohung, die atomare Abschreckung noch zu vergrößern, Vorzeichen eines neuen Nukleartests in dem kommunistischen Land. „Das ist eine ernsthafte Entwicklung“, sagt ein Beobachter.

Nordkorea reagierte auf die Verurteilung eines Raketenstarts im Dezember durch den UN-Sicherheitsrat und die Ausweitung der Sanktionen ohne zu zögern. Und die Sprache war diesmal klar: Die Denuklearisierung der Halbinsel sei beendet worden.

Die sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche über das Atomprogramm des Landes liegen zwar schon seit Jahren auf Eis. Doch wogen sich die anderen Teilnehmerländer noch immer in der Hoffnung, Nordkorea werde wieder einsteigen. Dessen früherer Machthaber Kim Jong Il hatte vor seinem Tod im Dezember 2011 entsprechende Andeutungen gemacht - jedoch ohne konkrete Zusagen.

Pjöngjang sieht sich jetzt durch den UN-Beschluss erneut provoziert. In den Wochen seit dem Raketenstart hatte es sich als Weltraummacht gefeiert. Ein Forschungssatellit sei zu friedlichen Zwecken ins All geschossen worden, hieß es. Die USA und Südkorea sahen freilich darin einen neuen verdeckten Waffentest.

Der Weltsicherheitsrat einigte sich nach zähen Verhandlungen auf einen Kompromiss. Vor allem China strebte ursprünglich nur eine weitere nicht-bindende Erklärung mit einer Verurteilung an, aber keine neuen Sanktionen.

Das ist Nordkorea

Nordkorea
Abgeschottet und arm, aber atomgerüstet: Die Demokratische Volksrepublik Korea ist ein kommunistischer Staat, in dem das Militär eine dominierende Rolle spielt. © dpa
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Starker Mann ist seit 1994 Kim Jong Il (67, 2. von links), der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates und Oberkommandierende der Volksarmee. © dpa
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Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung (rechts, 1912-1994)  war die “Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Auch nach seinem Tod bleibt er Nordkoreas “ewiger Präsident“. © dpa
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Kim Jong Il wurde offiziell als „Geliebter Führer“ bezeichnet. Mittlerweile trägt er, wie sein Vater, den Titel „Großer Führer“. Die Regierung gilt als das letzte stalinistische Regime der Welt. © dpa
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Staatspartei ist die 1945 gegründete Partei der Arbeit Koreas, die mit zwei Blockparteien eine „Einheitsfront“ bildet. © dpa
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Mit 122 000 Quadratkilometern ist Nordkorea etwa so groß wie die frühere DDR . © dpa
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Rund zwei Millionen Menschen leben in der Hauptstadt Pjöngjang. © dpa
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Im Süden bildet die demilitarisierte Zone die Grenze zu Südkorea (Republik Korea), das zusammen mit dem Norden bis zur Eroberung Koreas durch Japan 1910 einen gemeinsamen Staat bildete. Seit 1948 gibt es zwei koreanische Staaten. © dpa
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Das abgeschottete Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt. © dpa
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Während sich der einst arme Süden der koreanischen Halbinsel zu einer wohlhabenden Demokratie entwickelte, ruinierte die Misswirtschaft den an Bodenschätzen reichen Norden. Die industrielle Produktion ist seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. © dpa
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Die meisten der mehr als 23 Millionen Einwohner sind bitterarm. © dpa
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Stromabschaltungen gehören zum Alltag, selbst in der bevorzugten Hauptstadt Pjöngjang hat die Bevölkerung seit Jahren kein heißes Wasser und selten Heizung. © dpa
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1997 führte eine durch Zwangswirtschaft, Unwetter und Missernten ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. © dpa
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Weite Teile der Bevölkerung sind weiterhin von internationaler Hilfe abhängig. © dpa
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Trotzdem haben die Ausgaben für das Militär Vorrang. © dpa
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Ein halbes Jahrhundert nach dem Koreakrieg (1950 bis 1953) gibt es noch immer keinen Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea. Das Bild zeigt einen US-Soldaten, der auf Seiten des angegriffenen Südkorea kämpft. © AP
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Mit schätzungsweise 1,19 Millionen Soldaten hat Nordkorea die fünftstärksten Streitkräfte der Welt; es besitzt ein großes Arsenal chemischer und biologischer Waffen. © dpa
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Die Land- und die Luftstreitkräfte sind jeweils die zweitstärksten in Asien nach denen der Volksrepublik China. © dpa
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Neben den Hauptgegnern Südkorea und dessen Verbündeten USA gehört auch Japan wegen seiner Besatzungspolitik in Korea bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu den Feindbildern der koreanischen Volksarmee. © dpa
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Das Land verkündete 2004, Atomwaffen zu besitzen. Ihre Zahl sei ein Staatsgeheimnis. Den ersten Atombombentest führte Nordkorea am 9. Oktober 2006 durch. © dpa
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Im Rahmen eines im Februar 2007 mit Südkorea, den USA , China, Russland und Japan geschlossenen Abkommens machte Nordkorea Teile seiner Atomanlagen unbrauchbar. Im Gegenzug erhielt es Wirtschafts- und Energiehilfen. © dpa
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Doch am 5. April 2009 startete Nordkorea eine Trägerrakete mit einem Kommunikationssatelliten. Es folgten internationale Proteste. © dpa
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Der UN-Sicherheitsrat hat den Raketenstart am 13. April 2009 verurteilt. Aus Protest erklärte die Regierung einen Tag später das  Ende der Atom-Gespräche und die Forstetzung seines Atomwaffenprogramms. © dpa
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Am 25. Mai 2009 führte Nordkorea einen weiteren Atomtest durch. Nach russischen Angaben besaß der Sprengsatz eine Sprengkraft von 20 Kilotonnen. Außerdem wurden mehrere Kurzstreckenraketen abgefeuert. © dpa
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Der Atomtest führte zu Protesten auf der ganzen Welt Das Bild zeigt eine Demonstration in Südkorea .Der UN-Sicherheitsrat hat eine neue Resolution gegen Nordkorea angekündigt. © dpa
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Wie südkoreanische Medien berichten könnte auch die Wiederaufbereitungsanlage für atomare Brennstäbe in Yongbyon wieder eingeschaltet worden sein. Dort kann waffenfähiges Plutonium hergestellt werden. © dpa

Doch Nordkoreas Reaktion offenbare die Kluft zwischen seinem Wunsch, US-Präsident Barack Obama möge zum Auftakt seiner zweiten Amtszeit einen neuen Weg in seiner Nordkorea-Politik einschlagen und der Tatsache, dass Washington eine neue Nordkorea-Resolution durchgesetzt habe, meint der Politologe Paik Hak Soon vom privaten Sejong-Institut in der Nähe von Seoul. Der Wunsch Nordkoreas sei auch in der Neujahrsansprache Kims zum Ausdruck gekommen. „Nordkorea muss das Gefühl haben, dass die USA strikter geworden sind.“ Pjöngjang habe den USA mehrmals deutlich gemacht, was es wolle: Die Abkehr von ihrer „anti-nordkoreanischen Politik und den Aufbau eines neuen Friedensregimes für die koreanische Halbinsel“.

Die Zustimmung Chinas zu der Resolution erklärt Paik so: Pekings neuer starker Mann, Xi Jinping, wolle in dem Bemühen „seine eigene Ära zu beginnen“, nicht schon in der Anfangsphase zu sehr mit den USA in Konflikt geraten. Auch wurde Pekings Haltung in Seoul als Warnung an seinen weithin isolierten Verbündeten Pjöngjang vor einem neuen Nukleartest verstanden.

Doch die Menschen in der Region befürchten, dass sich mit der internationalen Reaktion auf den Raketenstart und der Gegenreaktion Nordkoreas die Spannungen weiter hochschaukeln werden. Bereits 2009 hatte Nordkorea als Reaktion auf die Verurteilung eines seiner Raketenstarts durch den Sicherheitsrat unter anderem mit dem Abbruch der Gespräche und einem Atomtest reagiert. Für Südkorea ist es ohnehin seit längerem nur noch eine Frage der Zeit, wann das Nachbarland seinen dritten Atomtest nach 2006 und 2009 unternimmt. Experten in den USA und Südkorea sehen das Land dafür schon gerüstet.

dpa

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